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03.02.2016

17:17 Uhr

Garantierte Rendite

Chinesen lieben Börsengänge

An den chinesischen Märkten geht es momentan vor allem nach unten. Eine Ausnahme sind jedoch Börsengänge. Wie kann es sein, dass sie in diesen Zeiten als sichere Renditebringer gelten?

Der Trend an den chinesischen Börsen ist 2016 deutlich: negativ. Anders als an westlichen Handelsplätzen stehen dort grüne Zahlen für Verluste. dpa

Märkte in China

Der Trend an den chinesischen Börsen ist 2016 deutlich: negativ. Anders als an westlichen Handelsplätzen stehen dort grüne Zahlen für Verluste.

ShanghaiDie Börsen in China mögen derzeit so schnell fallen wie seit sieben Jahren nicht mehr. Ein Segment des auf 5,2 Billionen Dollar geschätzten Gesamtmarkts boomt aber unvermindert weiter: Börsengänge.

Anders als in Europa hat deren Zeichnung allerdings eher den Charakter von Lotterien angenommen. Das liegt an der explodierenden Nachfrage bei zugleich extrem restriktiven Bewertungsgrenzen. Wer es tatsächlich an die Börse schafft, darf aber mit praktisch garantierter Rendite rechnen.

Eigentlich geht es an den chinesischen Märkten momentan bergab. Börsengänge bilden die Ausnahme. Reuters

Chinesische Aktienmärkte

Eigentlich geht es an den chinesischen Märkten momentan bergab. Börsengänge bilden die Ausnahme.

Die sechs chinesischen Unternehmen, deren Börsengänge in den letzten beiden Wochen zu zeichnen waren, haben zusammengenommen Aufträge im Wert von 7,1 Billionen Yuan (eine Billion Euro) erhalten. Ein neues Gesetz ermöglichte es Anlegern, diese IPO-Offerten völlig ohne Anzahlung zu zeichnen, was in einer Überzeichnungsquote von durchschnittlich mehr als dem 1800-fachen resultierte.

Anders ausgedrückt: Ein IPO zu zeichnen, bindet mittlerweile kein Kapital mehr, sondern es sichert lediglich die Teilnahme an einer Art Lotterie - die Aktien müssen nur noch beim Zuschlag bezahlt werden, also beim Gewinn des Jackpot. Dann aber lassen sich praktisch sichere Kursgewinne erzielen, denn beim Börsengang darf die Bewertung auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses nicht mehr als knapp die Hälfte des Median-Niveaus an den Festlandsbörsen betragen. Damit kamen im vergangenen Jahr nach einem Monat im Mittel 383 Prozent Gewinn zustande.

Die Zeichnungshürden sind minimal geworden, aber die Aussichten auf riesige Gewinne an kaum einer anderen Stelle attraktiver. Schließlich müssen sich die chinesischen Anleger vom Einbruch des Shanghai Composite um 23 Prozent alleine im Januar erholen.

Fusionsexperte Mark Shafir: „Fünf Billionen werden es nicht mehr werden“

Fusionsexperte Mark Shafir

„Fünf Billionen werden es nicht mehr werden“

Mark Shafir kennt die Tiefen des Investmentbankings. 2008 traf ihn bei Lehman die Finanzkrise, er musste sich einen neuen Job suchen. Heute leitet er bei der Citigroup das M&A Geschäft. Sein Ausblick ist nicht rosig.

„Die Rendite ist garantiert“, sagte Chefinvestor Wang Zheng von Jingxi Investment Management Co. in Schanghai. Das alleine erkläre, warum so viele die Börsengänge zeichneten und die Nachfrage für neue Aktien so enorm hoch ist.

Die eingeführte Bewertungsobergrenze - sie liegt derzeit beim 23-fachen der Gewinne - ist ein Teil des Maßnahmenpakets der chinesischen Regierung, mit der Individualanleger in einem der volatilsten Aktienmärkte der Welt geschützt werden sollen. Investmentfonds mit Staatsbezug müssen überdies Aktien kaufen, die Terminmärkte wurden stark gestutzt und der Aktienverkauf großer Anteilseigner eingeschränkt.

Derzeit stehe die geltende Bewertungsobergrenze nicht zur Disposition, sagte Chefinvestor Wang - niemand wage es, sie anzuzweifeln. Der Regulierer werde reagieren, falls sie jemand überschreite.

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