Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2012

15:54 Uhr

Gefloppter Börsengang

Facebook gerät ins Zwielicht

Bei kaum einem Börsengang waren die Erwartungen höher, bei kaum einem der Fall tiefer. Jetzt untersuchen die Behörden den IPO. Der Facebook-Finanzchef gerät ins Zwielicht. Hat das Unternehmen die Anleger abgezockt?

New York/San Francisco/DüsseldorfDie Facebook-Aktie hat am Mittwoch an der Nasdaq leicht zugelegt. Doch an der miserablen Entwicklung der vergangenen Tage ändert das wenig. Seit dem IPO am vergangenen Freitag hat die Aktie zeitweise 20 Prozent ihres Wertes verloren. Damit legte das soziale Netzwerk mit seinen inzwischen mehr als 900 Millionen Mitgliedern einen der übelsten Börsengänge der vergangenen Jahre hin.

Nach Daten des Anbieters Dealogic ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit 2007 so schlecht gelaufen. Von insgesamt 24 solchen Börsenstarts standen demzufolge nach drei Handelstagen nur acht im Minus.

Diese Stimmen hatten den Facebook-Börsengang begleitet

Warren Buffett

Warren Buffett (Star-Investor)

„Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."

Michael Pachter

Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)

„Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“

Phillip Goldberg

Phillip Goldberg (Investor)

"Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."

Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.

Mary Schapiro

Mary Schapiro (SEC-Chefin)

„Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“

Robert Greifeld

Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)

„Es hat ganz klar Fehler gegeben.“

Jim Cramer

Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)

„Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.

Henry Blodget

Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)

“Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“

David Rolfe

David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)

„Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“

Simon Lee

Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)

„Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben 

Yves Maillot

Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)

„Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."

Tom Taulli

Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)

„Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“

John Scandalios

John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)

„Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"

Nick Einhorn

Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)

"Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."

Larry Page

Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)

„Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.

In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.

Jetzt schalten sich nach dem verpatzten Börsengang die Aufsichtsbehörden ein. Einige Anleger sind der Überzeugung, sie wurden vom Unternehmen und den beteiligten Banken abgezockt und reichten nun Klage ein. Die Investoren gingen am Mittwoch gegen Facebook selbst sowie gegen die an der Neuemission beteiligten Banken vor und forderten Schadenersatz. Der Aktienkurs von Facebook war an den drei ersten Handelstagen um insgesamt fast ein Fünftel eingebrochen. Medienberichten zufolge sollen die Banken kurz vor dem Börsendebüt ihre Gewinnprognosen für Facebook gesenkt, darüber aber nur wenige ausgewählte Kunden informiert haben. Vor allem haben die Altaktionäre davon profitieren können.

Die neuen Gewinnprognosen wurden mit Kunden der Unternehmen geteilt, aber nicht mit der Öffentlichkeit. Das war den Instituten allerdings auch nicht möglich: per Börsengesetz ist es den am Börsengang beteiligten Banken verboten vor dem Ablauf von 40 Tagen nach der Erstnotiz ihre Analysen zu veröffentlichen. Morgan Stanley wollte zu den Berichten keine Stellung beziehen.

Netzstimmen zum Börsengang: „Facebook ist das Hertha BSC der Nasdaq“

Netzstimmen zum Börsengang

„Facebook ist das Hertha BSC der Nasdaq“

Auch am dritten Handelstag ist die Facebook-Aktie weiter eingebrochen. Der vermurkste Börsengang des sozialen Netzwerks sorgt bei Facebook und Twitter für kontroverse Diskussionen sowie viel Hohn und Spott.

„Sie haben die Änderungen während der Roadshow vorgenommen“, zitiert der Nachrichtensender CNBC einen ungenannten Investor, der angeblich zu den von der Großbank informierten Anlegern gehört. „So was habe ich in zehn Jahren noch nicht erlebt.“

Der Nachrichtensender war nicht in der Lage, eine aktuelle Kopie der Analyse zu bekommen um die Zahlen zu verifizieren, aber die Quellen berichteten von einer angeblich „signifikanten“ Zurücknahme der Umsatzschätzungen für das laufende Quartal und einer Abwärtskorrektur für das Gesamtjahr.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.05.2012, 13:10 Uhr

Ich frag mich immer noch, wer so doof sein konnte und Facebook-Aktien zu dem Preis kaufen konnte. Tut mir ja leid, aber derjenige verdient es nicht anders als sein Geld zu verlieren.

zephyroz

23.05.2012, 15:10 Uhr

Ja, natürlich wurden die Anleger abgekocht. Und zwar in aller Öffentlichkeit, mit Ansage und richtig gut. Wer einen KGV von 100 akzeptiert verdient es nicht besser. Dann lieber in die Spielbank gehen und auf rot setzen.

Unsterblich

23.05.2012, 15:43 Uhr

Wie dumm sind viele Anleger eigentlich? Ein Unternehmen erwirtschaftet in seinem bisherigen Rekordjahr etwa 1mrd Gewinn. Wachstum und Umsatzentzuwachs gehen schon zurück, große Werbepartner springen ab. Wie soll ein solches Unternehmen 100mrd wert sein? Schaut man sich die Nutzerzahlen an, so ist doch selbst rein theoretisch kaum noch ein 500%iges Wachstum drinnen. So eine Aktie ist doch kaum das Papier wert, auf dem sie gedruck wurde. Da werden wieder einige Menschen ihre Rente verspielt haben, nachdem sie auf Banken und so gehört haben ohne vorher selbst nachzudenken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×