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02.07.2012

09:28 Uhr

Geplatzte Übernahme

Rhön-Aktien brechen ein

Nach der geplatzten Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Konkurrenten Fresenius ist der Aktienkurs eingebrochen. Bis zuletzt hatten Anleger darauf spekuliert, dass der Deal doch noch klappt.

Die Aktien des Konzerns sind auf Talfahrt. dpa

Die Aktien des Konzerns sind auf Talfahrt.

FrankfurtDie Aktien von Rhön-Klinikum sind nach dem geplatzten Verkauf an Fresenius auf Talfahrt gegangen. Die Papiere brachen am Montag zum Handelsstart um zwölf Prozent auf 16,62 Euro ein. "Bis zuletzt hatten einige darauf spekuliert, dass der Deal doch noch klappt - aber jetzt ist die Katze aus dem Sack und die Rhön-Aktien rutschen erst einmal in den Keller", sagte ein Händler. Fresenius-Papiere verloren gut ein Prozent auf 80,69 Euro.

Die größte Übernahme am deutschen Krankenhausmarkt war geplatzt, weil Fresenius mit seiner Übernahmeofferte bis Mitte vergangener Woche lediglich 84,3 Prozent der Rhön-Aktien eingesammelt hatte. Für ein Gelingen des Kaufs wären mehr als 90 Prozent nötig gewesen. Diese Hürde hat Fresenius-Chef Ulf Schneider gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für alle wichtigen Entscheidungen vorgesehen ist.

Fresenius hat allerdings betont, dass der Konzern weiter Möglichkeiten prüft, um den Zusammenschluss doch noch zustande zu bringen. Ein neues Übernahmeangebot innerhalb der nächsten zwölf Monate wäre allerdings nur erlaubt, wenn der Rhön-Vorstand und die Finanzaufsicht BaFin zustimmen. Alternativ könnte Fresenius 30 Prozent der Rhön-Aktien über den Markt kaufen und dann ein Pflicht-Übernahmeangebot abgeben.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Zuvor wird sich der Fresenius-Vorstand nach Einschätzung von Branchenexperten allerdings wohl mit Asklepios -Gründer Bernard Broermann an einen Tisch setzen. Er hatte kurz vor dem Ablauf der Übernahmefrist mehr als fünf Prozent der Rhön-Aktien gekauft und Fresenius damit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bisher hat sich Asklepios nicht konkret dazu geäußert, was das Familienunternehmen mit dem Aktienpaket vorhat. Der Konzern hat lediglich betont, es wolle sich weiter alle Gestaltungsmöglichkeiten bei Rhön-Klinikum offenhalten.

Von

rtr

Kommentare (1)

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EugenMoench

02.07.2012, 11:28 Uhr

Da geht noch was.

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