Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.04.2013

14:00 Uhr

Götze geht, Bafin kommt

Fußball ist nichts für die Börse

VonJörg Hackhausen

Der Transfer von Mario Götze ruft die Börsenaufsicht auf den Plan. Hat der BVB seine Anleger zu spät informiert? Und welche Rolle spielt die Bild-Zeitung? Die Posse zeigt: Fußball und Börse passen einfach nicht zusammen.

Der spektakuläre Transfer von Mario Götze von Borussia Dortmund zu Bayern München wird von der Bafin untersucht. Reuters

Der spektakuläre Transfer von Mario Götze von Borussia Dortmund zu Bayern München wird von der Bafin untersucht.

DüsseldorfFußball und Börse – das hat noch nie gepasst. Den besten Beweis liefert der Transfer von Mario Götze vom BVB zu Bayern München. Die Nachricht vom Wechsel des Jungstars elektrisierte nicht nur die Fans. Auch für die Anleger war die Personalie nicht ganz unwichtig. Der Abgang eines Leistungsträgers hat allemal das Zeug dazu, den Kurs zu bewegen.

Der BVB ist kein ganz „normaler“ Klub, sondern eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Das heißt: Er muss sich an die Regeln der Börse halten. Die passen allerdings nicht mit denen des Sports zusammen. Das Problem: Die Dortmunder haben zunächst eine Meldung der Bild-Zeitung bestätigt, und dann erst, eine Weile später ihre Anteilseigner unterrichtet.

Fußball: Geldquellen und Vermögen des BVB

Sponsoren

Der BVB hat sich wichtige Einnahmequellen mittel- und langfristig vertraglich abgesichert. Dazu zählen insbesondere die Einnahmen durch Premium-Sponsoren, insbesondere Evonik, Signal Iduna, Puma, Opel, Brinkhoff‘s, Sparda-Bank, Sprehe, Wilo, Hankook, Flyeralarm, Westlotto, Turkish Airlines und Huawei.

Quelle: Vorläufige Bilanz 2013/14, Finanzberichte

Werbung

Die sportlichen Erfolge machen den Verein als Werbeträger für Sponsoren immer beliebter. Im Geschäftsjahr 2013/2014 stiegen die Einnahmen durch Werbung um 3,7 Millionen auf 73 Millionen Euro. Allein der Vertrag mit dem langjährigen Sponsor Evonik soll dem Klub bis 2025 rund 250 Millionen Euro in die Kasse spülen.

TV-Vermarktung

Die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung bleiben der größte Einnahmenposten, auch wenn sie durch das frühere Champions-League aus leicht gesunken sind: 81,4 Millionen Euro flossen in die Kasse des Vereins - in der Saison 2012/2013 betrugen die TV-Einnahmen noch etwa 87,6 Millionen Euro, was der Verein vor allem dem Finaleinzug im Europapokal zu verdanken hatte.

Merchandising

Für Trikothersteller Puma ist der BVB ein lukrativer Partner. Denn durch die internationalen Erfolge steigt weltweit die Nachfrage nach schwarz-gelbem Merchandising. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die Einnahmen in diesem Bereich um 3,6 Millionen Euro auf insgesamt 35 Millionen Euro.

Catering, Handel und Lizenzen

Beim Catering und den sonstigen Einnahmen, zu denen beispielsweise Versicherungszahlungen für verletzte Spieler und Entschädigungen des DFB für abgestellte Nationalspieler zählen, steht unter Strich ein Plus. Insgesamt erwirtschaftet der BVB hier 26,3 Millionen Euro, nach 20,3 Millionen im Vorjahr.

Ticketerlöse

Mehr als 80.000 Zuschauer passen in den Signal Iduna Park – und die Arena ist regelmäßig ausverkauft. Doch weil diesmal kein Champions-League-Halbfinale im Dortmunder Stadion gespielt wurde, sinken die Einnahmen in diesem Bereich. Rund 40,5 Millionen Euro nehmen die Dortmunder durch Ticketverkäufe ein, im Vorjahr waren es 44,8 Millionen Euro. Viele Top-Clubs wie Bayern München oder Real Madrid haben weniger Zuschauer, aber trotzdem höhere Einnahmen. In Dortmund rühmt man sich jedoch niedriger Ticketpreise und ist stolz auf die günstigen 28.000 Stehplätze, auf denen die Stimmung im Stadion entsteht.


Stadion

Der Signal Iduna Park hat 80.645 Plätze und ist damit das größte Fußballstadion Deutschlands. Durchschnittlich über 90 Prozent betrug die Auslastung in den letzten zehn Jahren. Laut der englischen "Times" ist es zugleich das

schönste Fußballstadion der Welt.

Fans

Durchschnittlich 80.520 Personen schauten in der Saison 2013/2014 den Spielen zu. Damit war der BVB die Nr. 1 in Deutschland vor Bayern München (71.000). Zum zweiten Mal in Folge lag der BVB auch in Europa (!) vor Manchester United (75.032) und vor dem FC Barcelona (73.812), wie sich aus der Internetseite www.weltfussball.de ergibt. Allein 54.000 Dauerkarten bedeuten Allzeit-Rekord in der Bundesliga.

Image

Borussia Dortmund ist nach der „Fußballstudie 2013“ der TU Braunschweig der beliebteste Verein in Deutschland. Die Nr.1 ist der BVB auch im „BrandFeel Ranking 2013”. Dies ist das Marken-Ranking zur Fußball-Bundesliga von Mafo.de. Die Online-Marktforscher haben die Vereine bezüglich Markenstärke, Image und Positionierung bewertet.

Spielerkader

Durch die Erfolge wird der Spielerkader immer wertvoller. Die Transferpolitik, junge talentierte Spieler zu verpflichten und/oder zu entwickeln, generiert zudem erhebliche „stille Reserven” in den Spielerwerten. Der Verein nennt zum Beispiel Marian Sarr, Marvin Duksch, der ausgeliehen wurde, Jonas Hofmann, Erik Durm, Ilkay Gündogan, Sven Bender, Marco Reus, Neven Subotic oder Mats Hummels. Den Buchwert des Lizenzspielerkaders zum 30.06.2013 kalkulierte der Verein auf 28,4 Millionen Euro.

Am Dienstagmorgen hatte Dortmund auf einen Artikel in der Bild reagiert und mitgeteilt, dass Götze die Absicht habe, zu den Bayern zu wechseln. Als der Transfer öffentlich geworden war, brach der Kurs der BVB-Aktie um mehrere Prozent ein. Erst zwei Tage später gab der Verein eine Ad-hoc-Meldung zum Wechsel heraus. Als börsennotierte Aktiengesellschaft ist Borussia Dortmund verpflichtet, seine Aktionäre umgehend zu informieren, sobald Informationen bekannt werden, die den Aktienkurs bewegen könnten.

Man stelle sich nur einmal vor, ein Unternehmen aus dem Dax würde sich so etwas erlauben: Martin Winterkorn wechselt von Volkswagen zu BMW – und die Anleger erfahren es aus der Bild-Zeitung.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat sich daher der Sache angenommen. Sie prüft, ob der BVB die gültigen Informationspflichten verletzt hat. Es drohe im schlimmsten Fall ein Bußgeld von einer Million Euro, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Die Dortmunder weisen jede Schuld von sich. Finanzchef Thomas Treß erklärte, man habe „korrekt gehandelt“. Er begründete die Verzögerung damit, dass erst an jenem Donnerstag das schriftliche Angebot von Bayern München eingegangen sei - gemeinsam mit einer schriftlichen Erklärung von Götze, dass er wechseln möchte. Und daraufhin habe man in Absprache mit der Bafin sofort die Ad-hoc-Meldung herausgegeben. „Bis dahin waren uns die Hände gebunden. Wir können ja nicht aufgrund von Gerüchten in Boulevard-Medien den Kapitalmarkt informieren, das wäre unseriös“, so Treß. Der BVB habe bis dahin auch keinen offiziellen Anruf von Bayern München erhalten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×