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03.08.2015

14:23 Uhr

Griechenland-Krise

Athener Börse stürzt um 23 Prozent ab

Die Börse Athen ist wieder offen – und rauscht erst einmal um fast 23 Prozent in die Tiefe. Bankenwerte sind vom Handel ausgesetzt. Indessen fordert die griechische Regierung 24 Milliarden Euro aus dem neuen Hilfspaket.

Riesen-Verlust nach Zwangspause

Kapitalmarktstratege zur Athener Börse: „Ja, das ist ein Crash“

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AthenMit einem Kursabsturz um knapp 23 Prozent auf 637 Punkte hat die griechische Börse am Montag nach gut einem Monat Zwangspause ihren Handel wieder aufgenommen. Der Präsident des Kapitalmarkt-Kommitees, Kostas Botopoulos, sagte dem griechischen Fernsehensender Skai, er rechne am ersten Verhandlungstag mit erheblichen Verlusten. „Die Börse (...) wird Druck bekommen. Das gilt auch für die Banken angesichts der Tatsache, dass sie rekapitalisiert werden sollen“, sagte Botopoulos.

Händler und Fondsmanager rechnen in den nächsten Tagen mit weiteren Verlusten, vor allem bei Finanzwerten. Der griechische Bankenindex notiert am Montag satte 30 Prozent im Minus. „Es wird ein paar Tage dauern, bis der Markt wieder ins Gleichgewicht kommt“, sagte ein Börsianer in Athen. Eben diese Bankenwerte verlieren am Morgen am meisten. Die Attica Bank, die National Bank of Greece und die Piraeus Bank starteten mit einem Kursabschlag von 30 Prozent – und wurden danach vom Handel ausgeschlossen. Die Aussetzung des Handels mit Aktien, deren Kurse außerordentlich stark fallen oder steigen, sei nunmehr leichter vorher, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

„Es gibt noch nicht ausgeführte Verkaufsorders im Volumen von 100 Millionen Euro“, sagte Anlageberater Theodore Mouratidis. Daher müsse für Dienstag mit einem weiteren Kursrutsch gerechnet werden, falls nicht einige Anleger die Gelegenheit zum Einstieg nutzten.

Laut einem Reuters-Bericht von Anfang Juli stehen mehrere griechische Banken vor dem Aus. Insidern zufolge könnten von den vier wichtigsten Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Bank of Piraeus und Alpha Bank nur zwei übrig bleiben. Diese Institute stehen zusammen mit Attica Bank für etwa ein Fünftel des gesamten Börsenwerts des Athener Aktienmarktes.

ELA und die griechischen Banken

Was heißt „ELA“?

Ela steht für „Emergency Liquidity Assistance“, also Notfall-Liquditätshilfe.

Wer vergibt die Kredithilfen?

Die Hilfe wird nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen.

Welche Regeln gelten?

Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die nur einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Wie wichtig sind die Hilfen für griechische Banken?

Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen - was sie faktisch nicht können. Seit Monaten hängen die Hellas-Banken am Ela-Tropf: Von der üblichen Versorgung mit frischem Zentralbankgeld sind sie überwiegend abgeschnitten. Denn ein Großteil ihrer Sicherheiten - griechische Staatsanleihen - werden von der EZB zurzeit nicht als Pfand akzeptiert, weil sie zu schlecht bewertet sind.

Auch für den Kauf von Wertpapieren durch einheimische Händler gelten zahlreiche Beschränkungen. Vor allem können Anleger, die ihr Geld bei griechischen Banken haben, bis aus Weiteres nur dann Aktien kaufen oder verkaufen können, wenn sie dafür Geldmittel aus dem Ausland bringen oder Bargeld anlegen.

Von den 58 Werten im Athener Leitindex sind nunmehr fast 40 Prozent unter einem Euro Wert und damit sogenannte Pennystocks. Der Index selbst besitz nach dem Absturz am Montag nur noch einen Börsenwert von gerade einmal 36 Milliarden Euro. Das Dax-Schwergewicht Bayer allein ist rund drei Mal so viel Wert. Eine baldige Erholung ist nicht in Sicht, da die griechische Wirtschaft am Boden liegt. Das Stimmungsbarometer der griechischen Einkaufsmanager fiel im Juli um ein Drittel auf ein Rekordtief.

Kommentare (7)

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Herr Jürgen Dannenberg

03.08.2015, 09:11 Uhr

Die Polit Schufte fordern wieder. Die Regierung will 24 Mrd Euro für die erste einmal. Nachdem genau dieses Parlament es zuließ das sich jeder Grieche noch einmal schnell die Taschen voll gestopft hat.
So das kein Grieche und kein Guthaben bei einen Bank die magische Grenze von 100.00 reißen würde. Und die Rest EU Blödmänner dürfen die Kassen der Banken wieder füllen. Nicht nur der Banken.

Herr Teito Klein

03.08.2015, 09:36 Uhr

Griechenland fordert ...
... als erstes einmal 24 Millarden, und zwar sofort und ohne Bedingungen.
Die Eurokraten sind dazu bereit.
Mit dem Geld sollen die Banken refinanziert uns fällige Kredite bezahlt werden. Dafür braucht Griechenland dringend weitere "Kredite".

Griechenland hat seit 2010 zwei "Hilfspakete" und einen "Schuldenschnitt" erhalten. Das Ergebnis ist ein Anwachsen der Schulden auf 317 Milliarden Euro. Jetzt sollen also noch einmal 86 Milliarden dazukommen.
Das Geld sehen wir nie wieder!

Herr Rudolf Ott

03.08.2015, 10:52 Uhr

Was sollten die griechische Regierung sonst tun? - Man muss schließlich die WÜRDE eines stolzen Volkes wahren!

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