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07.05.2014

06:27 Uhr

Haltefrist abgelaufen

Twitter-Aktie verliert fast 20 Prozent

Die Twitter-Aktie verliert massiv an Wert. Grund: Insider und frühe Investoren trennen sich von ihren Papieren. Ein Experte sagt, die Aktie komme nun „auf den Boden der Tatsachen zurück“.

Twitter rauscht in den Börsenkeller

Video: Twitter rauscht in den Börsenkeller

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San FranciscoDie Aktie von Twitter ist am Dienstag eingebrochen. Der Kurs fiel um 18 Prozent auf 31,85 Dollar.

Zuvor war die Haltefrist für Aktienverkäufe durch Insider und frühe Investoren ausgelaufen. Insgesamt endeten die Beschränkungen für etwa 480 Millionen Aktien von Insidern – was die Anzahl der für den Handel verfügbaren Titel mehr als vervierfachte.

Der Kurs von Twitter ist in diesem Jahr massiv abgerutscht, nachdem das Unternehmen ein nachlassendes Wachstum bei den Nutzerzahlen berichtet hatte. Das schürte die Sorge, dass Twitter nicht den Vorstoß in die breite Masse schaffen könnte.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Dennoch wird das Unternehmen auf einem Niveau gehandelt, das es basierend auf den zu erwartenden Umsätzen für 2014 teurer als Facebook oder Linkedin macht. Die Twitter-Aktie hatte seit dem Börsengang bei 26 Dollar bis Montag um 49 Prozent zugelegt.

„Die Haltefrist war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagte Analyst Daniel Ernst von Hudson Square Research in New York. „Wenn das Wachstum bei Twitter noch gut wäre, wenn das Unternehmen keine so hohes Bewertungsniveau hätte, wenn die Margen besser wären, dann würde es diese Situation bei der Aktie nicht geben.“

Die Twitter-Titel gerieten unter Druck, obgleich frühe Investoren wie Chris Sacca versicherten, keine Verkäufe vorzunehmen. Auch der größte Einzelaktionär Rizvi Traverse Management will seine Anteile behalten, verlautete aus Kreisen. Zudem sagten Konzernchef Dick Costolo und die Mitgründer Evan Williams und Jack Dorsey, sie hielten an ihren Beteiligungen fest.

„Die Aktie kommt von äußerst unrealistischen Höhen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück“, sagte Analyst Brian Wieser von Pivotal Research Group LLC in New York. „Die Aktie wird nicht mal annähernd auf Basis ihrer fundamentalen Bewertung gehandelt. Generell verstehen Anleger das Unternehmen nicht.“

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