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27.10.2015

16:34 Uhr

Hapag-Lloyd

Reederei bangt um den Börsengang

Nach einer Gewinnwarnung des Weltmarktführers Moeller-Maersk verschiebt die Hamburger Container-Reederei ihre Börsenpremiere um eine Woche. Auch eine Preissenkung halten Experten für möglich.

Die Hapag-Lloyd-Aktie soll voraussichtlich am 6. November 2015 erstmals an der Frankfurter Börse notiert werden, eine Woche später als geplant. dpa

Container von Hapag-Loyd in Hamburg

Die Hapag-Lloyd-Aktie soll voraussichtlich am 6. November 2015 erstmals an der Frankfurter Börse notiert werden, eine Woche später als geplant.

FrankfurtDer Börsengang der weltweit viertgrößten Container-Reederei Hapag-Lloyd steht auf Messers Schneide. Zahlreiche Investoren hätten ihre Kauforders nach der Gewinnwarnung von Weltmarktführer A.P. Moeller-Maersk wieder storniert, sagten zwei mit den Börsenplänen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die beteiligten Investmentbanker wollen sich nun noch eine Woche Zeit nehmen, die Anleger noch umzustimmen. Auch eine Preissenkung sei dabei kein Tabu, hieß es in Finanzkreisen.

Hapag-Lloyd verlängerte die Zeichnungsfrist, die eigentlich am Dienstag ablaufen sollte, überraschend bis zum 3. November. Die Aktie soll nun voraussichtlich am 6. November erstmals an der Frankfurter Börse notiert werden, eine Woche später als geplant.

Die größten deutschen Börsengänge seit 2000

Platz 12

Schaeffler

Erstnotiz: 09.10.2015
Branche: Autozulieferer/Industrie
Erwarteter Bruttoerlös: 937,5 Millionen Euro (ursprünglich geplant: 2,5 bis 3 Milliarden Euro)

Platz 11

Scout24

Erstnotiz: 01.10.2015
Branche: Internetdienstleistungen
Erwarteter Bruttoerlös: etwa 1,2 Milliarden Euro (ursprünglich geplant 1,63 Milliarden Euro)

Platz 10

Rocket Internet

Erstnotiz: 01.10.2014
Branche: Firmenbeteiligungen/Start-up Inkubator
Bruttoerlös: 1,4 Milliarden Euro

Platz 9

Telefonica Deutschland

Erstnotiz: 29.10.2012
Branche: Mobilfunk
Bruttoerlös: 1,45 Milliarden Euro

Platz 8

Deutsche Postbank

Erstnotiz: 22.06.2004
Branche: Finanzdienstleistungen
Bruttoerlös: 1,5 Milliarden Euro

Platz 7

Covestro

Erstnotiz: 6. Oktober 2015 (ursprünglich geplant 2. Oktober)
Branche: Kunststoff/Chemie
Erwarteter Bruttoerlös: 1,5 Milliarden Euro (ursprünglich geplant 2,5 Milliarden Euro)

Platz 6

Tognum

Erstnotiz: 30.06.2007
Branche: Autozuliefer/Industrie
Bruttoerlös: 2,01 Milliarden Euro

Platz 5

T-Online

Erstnotiz: 17.04.2000
Branche: Internetdienstleister/Kommunikation
Bruttoerlös: 2,87 Milliarden Euro

Platz 4

Uniper

Erstnotiz: 12.09.2016
Branche: Energie
Bruttoerlös: 3,67 Milliarden Euro

Platz 3

Innogy

Erstnotiz: 7.10.2016
Branche: Energie
Bruttoerlös: 5 Milliarden Euro

Platz 2

Infineon

Erstnotiz: 13.3.2000
Branche: Halbleiter
Bruttoerlös: 6,07 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Post

Erstnotiz: 19.11.2000
Branche: Logistik
Bruttoerlös: 6,25 Milliarden Euro

Quelle

Quelle: Unternehmen, Reuters

Hapag-Lloyd hat bereits zwei gescheiterte Anläufe an die Börse hinter sich. Zuletzt hatte die Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima 2011 die Pläne zunichte gemacht. Noch am Montag hatte Hapag-Lloyd den Investoren signalisiert, dass die Aktien voraussichtlich zu 23 Euro zugeteilt würden - am unteren Rand der bis 29 Euro reichenden Preisspanne. Doch auch das konnte große Investoren nicht beruhigen. „Maersk war der Grund. Die in der Gewinnwarnung genannten Frachtraten haben die Investoren stark verunsichert”, sagte ein Banker. Diese gelte es nun zurückzugewinnen. Gelingt das nicht, sei auch eine Absage nicht ausgeschlossen. Ein anderer Investmentbanker zeigte sich skeptisch: „Die Situation wird auch in einer Woche nicht einfacher sein.”

IPO von Hapag-Lloyd: Irrfahrt an die Börse

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Premium Irrfahrt an die Börse

Hapag-Lloyd startet zur Unzeit aufs Parkett – zur Überraschung der Branche. Denn börsenreif ist Deutschlands größte Container-Reederei kaum. Dass der Chef dennoch Tempo macht, dürfte weiser Voraussicht entspringen.

Dabei hatte Hapag-Lloyd die Latte für den Börsengang schon niedrig gelegt. Mit 23 Euro je Aktie läge der Börsenwert nur bei 2,7 Milliarden Euro, gut die Hälfte dessen, was man sich erhofft hatte. Vorstandschef Rolf Habben-Jansen hat die Parole ausgegeben, dass die Börsennotiz an sich hohen Wert hat - egal, wie hoch der Ausgabepreis ist. Das Emissionsvolumen wurde stark eingedampft. Nun müssen nur noch Aktien für gut 200 Millionen Euro an den Mann gebracht werden. Papiere für weitere 53 Millionen haben die Großaktionäre Klaus-Michael Kühne und die chilenische CSAV schon bestellt.

Das Geld will Hapag-Lloyd unter anderem für den Kauf weiterer sechs Containerschiffe ausgeben. Der Reisekonzern TUI bietet nur dann eigene Aktien für knapp 100 Millionen Euro an, wenn die Nachfrage dafür ausreicht. Er muss sein Anteilspaket ohnehin um rund 150 Millionen Euro abschreiben.

Die Frachtschifffahrt, die wie kaum eine vom Welthandel abhängig ist, ist schon wieder im Wettlauf um Größe. Dadurch erwarten Schifffahrts-Experten in diesem Jahr eine Zunahme der Kapazität um 8,2 Prozent und im nächsten Jahr um weitere fünf Prozent. Das drückt auf die Preise. Maersk erwartet für 2015 nur noch 3,4 Milliarden Dollar Gewinn, 600 Millionen weniger als vorher geplant. Die Frachtraten von Asien nach Europa sind auf ein Niveau gefallen, auf dem viele Reedereien Verlust schreiben. Die umkämpften Routen nach Asien machen bei Hapag-Lloyd aber nur 17 Prozent der Flotte aus, bei Maersk sind es 27 Prozent. Zudem bauen die Hamburger auf die Synergieffekte aus der Übernahme der Container-Sparte von CSAV.

Von

rtr

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