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04.03.2014

12:22 Uhr

Hedgefonds

Spekulation gegen Dänemark

Investoren sind verunsichert, die hohe Verschuldung der dänischen Haushalte ist der Grund dafür. Doch Experten warnen vor vorschnellen Entscheidungen: Es gibt kein Grund zur Panik.

„Es macht einen schon nervös“: Nobelpreisträger Paul Krugmann schaut kritisch auf Dänemarks hohe Haushaltsverschuldung. Reuters

„Es macht einen schon nervös“: Nobelpreisträger Paul Krugmann schaut kritisch auf Dänemarks hohe Haushaltsverschuldung.

FrankfurtEine Schuldenkrise in Dänemark? Für die größte Hypotheken-Bank Dänemarks, Nykredit Realkredit, und Analysten ist das ausgeschlossen. Sie reagieren damit auf mögliche Spekulationen von Hedgefonds und Investoren, die gegen dänische Staatsanleihen wetten.

„Die Fonds können spekulieren, wie immer sie wollen“, sagte Soeren Holm, Finanzchef bei Nykredit, in einem Interview mit Bloomberg. „Aber ich glaube, es ist kein gutes Geschäft, gegen Dänemark zu spekulieren“. Grund für den Gegenwind des Finanzchefs sind die Handlungen von Owl Creek Asset Management, das gegen dänische Staatsanleihen wettet und zudem Kreditausfallversicherungen auf die Danske Bank, der größten Bank des Landes, gekauft hat. Owl Creek Asset Management ist ein rund 3,2 Milliarden Dollar schwerer Hedgefonds aus New York.

Einem Bloomberg Ranking der Top-100-Hedgefonds mit Aktiva von mehr als einer Milliarde Dollar zufolge ist Owl Creek auf Platz sechs. Der Fonds bescherte demnach seinen Investoren einen Ertrag von 38,1 Prozent in den ersten zehn Monaten 2013.

Dass der Hedgefonds so reagiert, liegt an den dänischen Haushalten, die mit 321 Prozent des verfügbaren Einkommens verschuldet sind – ein Weltrekord, der nach Meinung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Gegensteuern des Landes erfordert und Investoren verschreckt. „Man fragt sich, ob die Krise da nicht vorprogrammiert ist. Ich bin mir nicht sicher. Aber es macht einen schon nervös“, erklärte Nobelpreisträger Paul Krugmann.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

04.03.2014, 13:00 Uhr

Die Dänen sind tatsächlich gut aufgestellt. Der "auf dem Papier" rekordhohen privaten Haushaltsverschuldung stehen reichlich ausgleichende Faktoren gegenüber: Pensionsrücklagen, Sparrücklagen Eigenheimquote sind ebenfalls rekordhoch im internationalen Vergleich. Die Arbeitslosigkeit ist relativ gering, die Staatsfinanzen sind gesund und können zur Not auch einspringen.

Das dänische Hypotekensystem besteht seit über 200 Jahren und nie hat irgendein Investor eine einzige Krone verloren. Das muss zwar nicht unbedingt für immer so bleiben, und die dänische Regierung har in den letzten Jahrzehnten liberalistische Gesetzeseingriffe vorgenommen, die man sich auch hätte sparen können. Aber ein Zusammenbruch des Hypotekensystems wirkt dennoch weit hergeholt.

Wenn Hedgefonds Geld machen wollen mit den Häuserbonds, dann müssen sie deshalb auf Extremsituationen pokern: V.a. heftige Zins- und damit Kursausschläge, z.B. aufgrund von Marktverwerfungen oder auf EU-Finanzeingriffe. Aber bei heftigen Marktverwerfungen lässt sich ja bekanntlich mit allem Geld machen.

Führende internationale Institutionen wie die OECD haben mehrfach das dänische Hypotekensystem als vorbildlich gepriesen und zur Nachahmung empfohlen. Diese Rufe sind leider in Deutschland und anderswo ergebnislos verhallt. In der ursprünglichen, nicht-liberalisierten Form, wäre das System traumhaft für Deutschland - Sowohl Eigenheimbesitzer, die sich billig und sicher finanzieren wollen als auch Investoren, die ein sicheres Papier mit Mehrrendite zum Staatsbond wünschen.

Wird wohl nix draus - Von einem kleinen Land will keiner wirklich was lernen.

auch die privaten

Account gelöscht!

04.03.2014, 14:33 Uhr

Eine Verschuldung bleibt eine Verschuldung...egal in welchen Land! Und eine Verschuldung bedeutet nichts anderes, dass fast ALLE Länder dieser Welt über ihre Verhältnisse leben. Und wenn Dänemark so hoch verschuldet ist, dann bedeutet das nichts anderes, dass die dänische Gesellschaft von "Dritten" abhängig ist.
Und die "Dritten" in diesem "Hypotheken-Schuldenspiel" sind die Gläubiger/Geldgeber/Investoren. Und wenn die nicht mehr wollen oder können, dann hat Dänemark und auch jedes andere überschuldete Land auf dieser Welt ein Problem. Und wenn Dänemark nicht schaut, dass sie ihre Schulden in den Griff bekommen (also von Eigenmittel bestreiten können), dann ist eben die Gefahr groß, dass dieses Land von "Dritten" ausgequetscht und zerdrückt wird.
Ober sticht Unter oder auch Gläubiger sticht Schuldner...was kannst du mir bieten, was kann ich dir bieten...
Staatsschulden ist nichts anders als ein großes Finanz- (Gläubiger-Bürge-Schuldner) Geschäft.

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