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28.10.2015

16:06 Uhr

Hello-Fresh-Börsengang

Anspruchsvoll, aber faul

VonPeter Köhler, Miriam Schröder

Der Kochboxenlieferant Hello Fresh drängt an die Börse. Das Start-up braucht das Geld, um seinen Service bekannt zu machen. Und Mehrheitseigner Rocket Internet braucht den Erfolg, um seine Anleger zufrieden zu stellen.

Das Start-up ist heute in sieben Ländern tätig, neben Deutschland beispielsweise auch noch in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. Imago

Inhalt eines Hello-Fresh-Pakets

Das Start-up ist heute in sieben Ländern tätig, neben Deutschland beispielsweise auch noch in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.

Frankfurt/BerlinWenn der Kochboxlieferant Hello Fresh an die Börse geht, profitiert auch der Thermomix: Vorwerk Ventures, die Investment-Tochter des Geräteherstellers, ist mit 4,6 Prozent an dem Berliner Start-up beteiligt. Langfristig, sagte Hello-Fresh-Gründer Dominik Richter einmal, sei sogar eine Kooperation der Geschäftsmodelle denkbar: So könnte Hello Fresh seinen Kunden zusätzlich zu Kochzutaten auch Küchengeräte anbieten.

Das aber ist noch Zukunftsmusik, denn erstmal will Hello Fresh in seinem Kerngeschäft wachsen – Kochboxen für die Generation Y, die sich vor allem durch zwei Attribute auszeichnet: Anspruchsvoll, aber faul. Die Boxen, die Hello Fresh liefert, enthalten nicht nur alle Zutaten, die man für ein selbstgekochtes Essen braucht, sondern auch das passende Rezept. Wer sie abonniert, muss nicht länger überlegen, was er sich selbst oder seiner Familie zum Abendbrot vorsetzt. Er erspart sich die Rennerei in einen oder gar mehrere Supermärkte. Und die Frage, was er mit den Resten macht: Ein seltenes Gewürz etwa kommt abgepackt für ein, zwei oder vier Personen und nicht in der Dose, in der es die nächsten Jahre vor sich hin gammelt.

Gegründet wurde Hello Fresh 2011 und ist seitdem stark gewachsen: Das Start-up ist heute in sieben Ländern tätig, neben Deutschland beispielsweise auch noch in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz auf 198 Millionen Euro, verglichen mit 41 Millionen im Vorjahreszeitraum. Gewinn macht das Unternehmen allerdings noch nicht: In den ersten drei Quartalen betrug der Fehlbetrag 58 Millionen Euro, sechs mal mehr als zur gleichen Zeit 2014. Der Verlust ist vor allem dem hohen Werbeaufwand geschuldet. Um die Marketingkosten bereinigt, wäre das operative Ergebnis mit knapp 19 Millionen Euro positiv.

Wer öfter mit der Bahn fährt, der kennt die jungen Leute, die massenweise Hello-Fresh-Gutscheine vor den Bahnhöfen verteilen. Das Problem von Hello Fresh: Es muss nicht nur die Marke, sondern auch die Idee an sich bekannt machen. Vor allem die Deutschen, in Bezug auf ihren Lebensmitteleinkauf eher konservativ eingestellt, lassen sich nur schwer von dem Argument überzeugen, dass sie, wenn sie sich schon einmal selbst an den Herd stellen, die Entscheidung über das, was sie kochen, anderen überlassen sollen. Entscheidend für den Erfolg von Hello Fresh sind aber nicht die Ausprobierer, sondern diejenigen, die den Service als festes Abo buchen, also nicht für jeden Einkauf teuer eingeworben werden müssen.

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