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14.02.2012

20:06 Uhr

Hohe Dividenden, niedrige Gehälter

Dax-Konzerne verwöhnen nur ihre Aktionäre

VonUlf Sommer

ExklusivAuf einen warmen Geldregen können sich die Aktionäre der Dax-Konzerne einstellen: Die Unternehmen schütten Dividendenzahlungen in Höhe von 27 Milliarden Euro aus. Das Nachsehen haben die Arbeitnehmer.

Logos von DAX-Konzernen: gute Nachrichten für Aktionäre. dpa

Logos von DAX-Konzernen: gute Nachrichten für Aktionäre.

Die 30 Dax-Konzerne überweisen ihren Anlegern nach den Hauptversammlungen 27 Milliarden Euro. Das ist die zweithöchste Summe in der deutschen Firmengeschichte. Allein 20 Milliarden Euro fließen im April und Mai auf die Konten der Anleger - also in der heißesten Phase der jetzt beginnenden Tarifauseinandersetzungen.

Berechnungen des Handelsblatts liefern den Gewerkschaften für ihren Gehaltspoker Munition - zumindest auf den ersten Blick. Während die Dax-Konzerne ihre Dividenden in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 87 Prozent erhöht haben, stieg der Personalaufwand nur um zwölf Prozent. Zum Personalaufwand zählen Lohn, Gehalt, soziale Abgaben, der Aufwand für die Altersversorgung und steuerliche Abgaben.

Grund für den maßvollen Anstieg des Personalaufwandes sind geringe Lohnsteigerungen in Deutschland, vor allem aber die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins billigere Ausland. 22 der 30 Dax-Konzerne erhöhten ihre Dividenden stärker als den Aufwand für ihr Personal, oft sogar sehr viel mehr. Der Düngemittelspezialist K+S steigerte seine Ausschüttung um 376 Prozent, die Münchener Rück um 400 Prozent und die Deutsche Börse sogar um 900 Prozent – der Personalaufwand stieg aber selbst bei K+S, der Firma mit der höchsten Steigerungsrate, nur um 37 Prozent.

Nur bei acht der 30 Dax-Unternehmen ist der Personalaufwand im vergangenen Jahrzehnt stärker gestiegen als die Ausschüttung, darunter Daimler, die Deutsche Bank und die Telekom. Sie erhöhte den Personalaufwand um 26 Prozent, die Dividende legte aber nur halb so viel zu.

Am meisten verwöhnt die Deutsche Bank ihre Mitarbeiter. Sie kosteten im Schnitt brutto 153.711 Euro. Mit der gleichen Summe bezahlt die Metro in einem Jahr gleich sechs Kräfte. Sie gab nur 25.061 Euro pro Mitarbeiter aus.
Bemerkenswert ist, dass es vier Konzernen in den vergangenen zehn Jahren sogar gelungen ist, ihren Personalaufwand zu senken –am stärksten Adidas. Der Sportartikelhersteller gab durchschnittlich 35.754 Euro für jeden Mitarbeiter aus – vor zehn Jahren waren es noch 47.149 Euro. Auch Infineon, SAP und die teilverstaatlichte Commerzbank senkten ihren Aufwand trotz steigender Löhne in Deutschland.

Möglich wurde das, weil sie mehr Mitarbeiter in Ländern mit niedrigeren Löhnen und Sozialabgaben beschäftigten. Insgesamt arbeiten bei den 30 Dax-Konzernen im Schnitt 60 Prozent der Beschäftigten im Ausland – vor zehn Jahren waren es nur fast 40 Prozent.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

14.02.2012, 21:22 Uhr

Meine Güte, was ist denn das für ein Quatsch???

Der DAX, bei dem im Gegensatz zum Dow Jones die Dividenden reinvestiert werden, liegen wir heute immer noch 20 Prozent unter dem Niveau von vor 12 Jahren.

Wer diese Schlagzeile liest, könnte meinen, die bösen Aktionäre sahnen mal wieder ab. Doch das Gegenteil ist der Fall - Aktionäre sind seit Jahren die Dummen.

Jetzt gibt' s einmal einen kleinen Lichtblick und schon tauchen derart links-populistische Artikel auf, die völlig an der Realität vorbeigehen.

Sowas Niveauloses in einer Gewerkschaftszeitung zu finden, hätte mich ja nicht verwundert. Aber im Handelsblatt...?

Auf welches Niveau gedenkt dieses Blatt noch herabzustürzen. Echt traurig.

Account gelöscht!

14.02.2012, 21:30 Uhr

Zur Ergänzung: Welcher Arbeitnehmer verdient denn heute in seinem Job 20% weniger als im Jahr 2000? Und zwar absolut, also nicht kaufkraftbereinigt!!!

dividende

14.02.2012, 22:23 Uhr

Vorschlag an die Daimler Mitarbeiter:hälfte Festgehalt,andere Hälfte aktien mit allen Chance inkl.Dividenden aber auch den dazugehörigen Risiken.wer steigt drauf ein?keiner....ausser er kriegt Mitarbeiter Aktien mit 50% Abschlag zum aktuellen Kurs,wobei dann wieder das Risiko eliminiert wird,welche der "normale" Aktionär trotzdem trägt wenn er zu 100% vom aktuellen Kurs kauft.wirklich blödsinniger Populismus.

wer will kann ja den ganzen DAX kaufen,dann kassiert er komplette 27 Mrd.

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