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28.01.2009

14:29 Uhr

Hohe Kursgewinne

Bankaktien im „Bad-Bank“-Fieber

VonRalf Drescher

Hohe Kursausschläge bei Bankaktien werden für Anleger zum gewohnten Bild. Während es in den vergangenen Wochen meist nach unten ging, ziehen Finanzwerte heute kräftig an. Für Schub sorgen Hoffnungen auf eine schnelle staatliche Auffanglösung für faule Wertpapiere in den USA. In früheren Finanzkrisen haben sich derartige Programme bewährt.

US-Pläne für eine Bad Bank geben auch deutschen Bankaktien Rückenwind. Foto: ap Quelle: ap

US-Pläne für eine Bad Bank geben auch deutschen Bankaktien Rückenwind. Foto: ap

HB FRANKFURT. Endlich einmal gute Nachrichten für Bank-Aktionäre. Beflügelt die Nachrichten über die Gründung einer "Bad Bank" durch die US-Regierung, legten die Titel von Großbanken europaweit zu. In Frankfurt gewannen die Aktien der Deutschen Bank und der Postbank gut 18 Prozent, die Papiere der Commerzbank stiegen um 15 Prozent.

Auch im europäischen Auswahlindex Euro-Stoxx-50 gaben Bankaktien den Ton an: Unter den zehn größten Gewinnern fanden sich acht Finanzwerte, angeführt von Fortis, BNP Paribas und der Deutschen Bank. In London legten die Aktien von Lloyds TSB sogar mehr als 40 Prozent zu, Barclays und RBS gewannen rund 20 Prozent.

Auslöser des Kurssprungs ist ein Bericht des US-Senders CNBC, demzufolge die Pläne für eine "Bad Bank" in den USA vor der Verabschiedung stehen. Bereits in der kommenden Woche könnte laut CNBC die Entscheidung für eine Institution fallen, die den krisengeschüttelten Banken problematische Wertpapiere abkauft. Die Bilanzen der Institute würden dadurch deutlich entlastet, da andernfalls weitere milliardenschwere Abschreibungen drohten.

Er wisse von Gesprächen über den möglichen Aufkauf von Risikopapieren, sagte der demokratische Vorsitzende im Bankenausschuss, US-Senator Christopher Dodd. "Diese Idee ist angekommen. Für mich macht sie Sinn." Viele Experten erwarten, dass der neue US-Präsident Barack Obama und sein in Finanzkreisen beliebter Finanzminister Timothy Geithner bald eine neue Strategie für die Stabilisierung des US-Finanzsektors bekannt geben werden.

"Die Bad Bank war das, was uns in den Rettungspaketen für den Finanzsektor in den vergangenen Monaten immer gefehlt hat", sagt Dirk Hoffmann-Becking, Analyst bei Sanford C. Bernstein. Erfolgreiche Rettungspakete in früheren Finanzkrisen, beispielsweise in Japan, Korea, Schweden oder Norwegen, hätten als "essentiellen Bestandteil" immer ein Modell enthalten, bei dem der Staat den Banken faule Wertpapiere abkauft.

Angesichts der immensen Kursverluste der vergangenen Monate von zum Teil mehr als 90 Prozent bei einzelnen Werten sind die Zugewinne bei Banken zwar nur als minimale Gegenbewegung zu werten. Für die Leid geprüften Aktionäre sind sie dennoch ein kleiner Hoffnungsschimmer.

"Im aktuellen Umfeld, in dem der Markt von Sorgen vor Verstaatlichungen dominiert wird, ist jede Maßnahme, die Banken stützt, ohne dass damit eine Nationalisierung einhergeht, unterstützend", sagt Andreas Weese, Bankenanalyst bei Unicredit. Eine Bad Bank in den USA werde zwar für europäische Banken zunächst einmal wenig Entlastung bringen. Der Markt hoffe aber offenbar darauf, dass die Europäer dem Beispiel der Amerikaner folgen würden.

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