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08.07.2015

18:42 Uhr

Hypo Real Estate

Krisenbank vor der Rückkehr an die Börse

Die Hypo Real Estate galt als Symbol der Finanzkrise. Nun will der Bund die Kernbank des notverstaatlichten Immobilienfinanzierers über die Börse wieder loswerden – trotz der Turbulenzen auf dem Parkett.

Die Hypo Real Estate soll in neuem Gewand an die Börse. dpa

Deutsche Pfandbriefbank

Die Hypo Real Estate soll in neuem Gewand an die Börse.

MünchenKnapp sieben Jahre nach der spektakulären Rettung durch den Staat wagt die Hypo Real Estate die Rückkehr an die Börse. „Wir sind börsenreif und eine attraktive Alternative auf dem deutschen Kurszettel“, sagte der Co-Vorstandschef der HRE-Nachfolgerin Pfandbriefbank pbb, Andreas Arndt, am Mittwoch zum offiziellen Auftakt der Werbetour bei den großen Investoren in Frankfurt, London und New York.

Der Immobilienfinanzierer habe seine Hausaufgaben gemacht, sei gut im Geschäft und könne eine solide Kapitaldecke vorweisen. Daher wage sich das Institut auch im aktuellen Marktumfeld aus der Deckung, das vom griechischen Schuldendrama überschattet wird. Die tickende Uhr im Hintergrund - die EU hat für die Re-Privatisierung der Pfandbriefbank eine Frist bis Jahresende gesetzt - spiele keine große Rolle, betonte Arndt. „Wir sind exzellent unterwegs, jetzt ist ein guter Zeitpunkt loszumarschieren.“

Während etliche andere Börsenkandidaten ihre Pläne zuletzt wieder auf Eis legten, gab die pbb am Dienstagabend mit der Veröffentlichung des Prospekts den Startschuss. Sie will bis zu 1,37 Milliarden Euro einsammeln – es wäre der größte Börsengang des Jahres in Deutschland. Der Erlös fließt vollständig der Bundesregierung zu. Der Bankenrettungsfonds SoFFin hofft auf ein glückliches Ende: „Wenn das Marktumfeld robust bleibt, sind wir zuversichtlich, den Börsengang erfolgreich und mit einem guten Ergebnis für den Steuerzahler abzuschließen“, sagte eine Sprecherin.

Der Staat hatte die HRE in der Finanzkrise aufgefangen und muss den gesunden Kern der Bank nun wieder abstoßen. Bei der Schwestergesellschaft Depfa, einem Staatsfinanzierer, war das nicht gelungen: Sie landete in der bundeseigenen "Bad Bank" für die HRE und wird dort über die nächsten Jahrzehnte abgewickelt.

Arndt glaubt, dass sich genug Investoren finden, die die bis zu 107,6 Millionen pbb-Aktien in einer Preisspanne von 10,75 bis 12,75 Euro zeichnen. Die Krise der alten HRE, deren Liquidität in der Finanzkrise ausgetrocknet war, sei in den bisherigen Investorengesprächen nur ein einziges Mal Thema gewesen. Die pbb, die neben gewerblichen Immobilienkrediten auch Darlehen für öffentliche Infrastrukturprojekte vergibt, habe ein durchfinanziertes Kreditbuch, erklärte er. Auch der Fokus auf den soliden deutschen Heimatmarkt sei ein Pluspunkt. Damit setzt sich die pbb von der Konkurrentin Aareal Bank ab, die international unterwegs ist.

Die Pfandbriefbank lockt die Anleger, die die Aktien bis zum 15. Juli zeichnen können, mit dem Versprechen, 40 bis 50 Prozent ihres Jahresgewinns als Dividende auszuschütten. Bei der Rendite ist sie allerdings noch weit entfernt von ihrem Ziel, im hohen einstelligen Bereich zu landen.

Dass Kleinaktionäre zugreifen, wird weithin nicht erwartet. Viele hatten mit der alten HRE hohe Verluste hinnehmen müssen. Großanleger wie etwa Fondsgesellschaften dagegen ließen zuletzt verlauten, wenn die pbb-Aktie zum Schnäppchenpreis komme, dann werde man wohl zugreifen. Arndt wollte keine Details zum Investoreninteresse preisgeben, betonte aber, es seien auch langfristig orientierte Anleger dabei. Das Interesse sei breit gestreut.

Das Erbe der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate (HRE) hat wie kaum eine andere deutsche Bank das Bild der weltweiten Finanzkrise hierzulande geprägt. Die Münchner Immobilienbank, vor der Rettung durch den Staat ein eher heimlicher Star der obersten Börsenliga Dax, feilt unter neuem Namen an ihrer Zukunft. Die Risiken verwalten inzwischen andere. Fragen und Antworten zum Zustand der HRE und ihrer Altlasten.

Was ist die HRE?

Die Hypo Real Estate ist eine Immobilienbank. Solche Banken verdienen ihr Geld mit der Finanzierung von Bauprojekten. Sie leihen etwa Firmen Geld, die beispielsweise ein Einkaufszentrum bauen. Das Kapital beschafft sich die Bank dann etwa über die Ausgabe von Anleihen, leiht es sich also bei Investoren. Die HRE, nach einer wechselvollen Vorgeschichte als Abspaltung der Münchner Hypo-Vereinsbank entstanden, galt vor der Finanzkrise als solides Unternehmen. Die Aktie war ab 2005 im Dax notiert. 2007 übernahm die HRE die irische Depfa für fast 5,7 Milliarden Euro. Der Großeinkauf sollte der HRE den Zugang zu staatlichen Projekten verschaffen. Die Freude über das Geschäft währte allerdings nur kurz.

Was ging schief?

Banken brauchen für ihr Alltagsgeschäft kurzfristig viel Geld, das sie sich etwa bei anderen Banken auf dem sogenannten Interbankenmarkt leihen, manchmal nur für einen Tag. Grundlage für dieses Geschäft ist Vertrauen. Lange funktionierte das. Die Finanzkrise und die Pleite der Investmentbank Lehman veränderten alles. Die Banken misstrauten einander und es wurde immer schwieriger, sich Geld zu besorgen. Für das riskante Modell der Depfa ein Riesenproblem, denn die Depfa hatte ihre langfristigen Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Das Modell brach 2008 zusammen - und riss die HRE beinahe in den Abgrund.

Was passierte dann?

Am 28. September 2008 wurde die Notlage öffentlich. Es schlossen sich hektische Tage und Wochen an. Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schnürten Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket, doch das Geld reichte nicht, es folgte ein aufgestocktes Paket mit Garantien von 50 Milliarden Euro. Am 20. März 2009 beschloss der Bundestag ein auf die HRE gemünztes Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Anfang Oktober 2009 drängte der Bund auch die letzten Aktionäre aus der Bank.

Was macht die HRE heute?

Die Bank gehört noch immer dem Staat. Doch der Bund muss die HRE bis 2015 wieder privatisieren, sprich verkaufen. Das hat die EU im Gegenzug für die Staatshilfen in einem Beihilfeverfahren entschieden. Seit einiger Zeit bastelt die Bank an ihrem zweiten Leben. Ihre Geschäfte wickelt die HRE über ihre Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) ab, die inzwischen der strategische Kern des HRE-Konzerns ist. 2013 übertraf die PBB das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro deutlich. In der Bilanz steht auch dank eines Sondereffekts nun ein Plus vor Steuern von 165 Millionen Euro. 2012 waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Gibt es keine teuren Altlasten?

Doch, die gibt es. Aber sie liegen inzwischen nicht mehr bei der HRE. Der Problemfall Depfa gehört zwar noch zum Konzern, doch die vielen Risikopapiere sind die HRE und ihre Töchter los. Im Rahmen ihres Umbaus wollen die Münchner die Depfa in diesem Jahr verkaufen - und es gibt mehr als einen Interessenten. Wer sie kriegt, ist offen.

Und wo sind die Altlasten dann?

Das Zauberwort heißt Bad Bank, zu deutsch etwa Schlechte Bank. Der offizielle Name ist weniger griffig und möglicherweise ein wenig irreführend: FMS Wertmanagement (FMSW). In einer beispiellosen Aktion wurden im Oktober 2010 risikoreiche Altlasten im nur schwer vorstellbaren Buchwert von rund 170 Milliarden Euro von der HRE in die eigens gegründete Bad Bank ausgelagert. Dabei sind etwa bislang kaum verkäufliche Finanzierungen etwa für Mautbrücken oder Tunnel. Die Aufgabe der FMSW: Diese Papiere möglichst mit Gewinn verkaufen.

Wer muss für die Verluste bezahlen, wenn das nicht klappt?

Die Bad Bank gehört zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), die den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Soffin, verwaltet. Am Ende der Kette haftet der Staat, also der Steuerzahler. Wie die Bilanz der FMSW für 2013 aussieht, ist noch offen. 2012 schaffte die Bad Bank sogar einen kleinen Gewinn von 37 Millionen Euro und kündigte an, dass ohne Sonderbelastungen 2013 ähnliches möglich sei. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro.

Einen im Frühjahr geprüften Verkauf der pbb an einen Finanzinvestor oder einen ausländischen Konkurrenten hatte der Bund verworfen, weil ihm der Börsengang aussichtsreicher erschien. Die Bewertung der pbb ist nun mit 1,45 bis 1,7 Milliarden Euro höher als das Staatsgeld, das noch in der Bank steckt.

Eine Stille Einlage des Staates über eine Milliarde Euro hat die pbb wie angekündigt am Montag bereits getilgt. Zunächst sollen bis zu 80 Prozent der pbb an die Börse gebracht werden, den Rest will der Staat noch für mindestens zwei Jahre behalten - in der Hoffnung auf steigende Kurse.

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