Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2016

12:36 Uhr

Index-Zusammensetzung

Lufthansa muss um Dax-Mitgliedschaft bangen

VonSusanne Schier

Mitglied im Dax 30 zu sein bedeutet Prestige und hohe Aufmerksamkeit bei Investoren. Für die Lufthansa könnte es eng werden. Der mögliche Nachrücker für Deutschlands größte Airline scheint bereits festzustehen.

Lufthansa-Flugzeug: Die Aktie des Konzerns ist Mitglied im Dax. dpa

Lufthansa-Maschine im Landeanflug

Lufthansa-Flugzeug: Die Aktie des Konzerns ist Mitglied im Dax.

Frankfurt.Erst vor einem Monat hat die Deutsche Börse die Dax-Zusammensetzung überprüft, schon schauen Investoren gespannt auf den nächsten Termin. „Aus unserer Sicht läuft die Deutsche Lufthansa Gefahr, den Dax im Dezember aufgrund der Fast Exit-Regel verlassen zu müssen“, sagt Index-Expertin Silke Schlünsen von der Investmentbank Oddo Seydler.

Ausschlaggebend für einen Auf- beziehungsweise Abstieg bei der Überprüfung am 5. Dezember sind die Ranglisten auf Basis der beiden Kriterien Free Float-Marktkapitalisierung und Börsenumsatz. Dabei greifen die sogenannten Fast-Entry- und Fast-Exit-Regeln. Das bedeutet: Ein Titel wird per Fast-Exit aus dem Dax entnommen, falls er in einem der Rankings unter Platz 45 liegt.

Die Lufthansa kommt dem derzeit gefährlich nah. „Wenn der Kurs in den letzten 20 Handelstagen vor dem Überprüfungstermin bei durchschnittlich 9,22 Euro liegt, muss die Fluglinie ihren Platz nach jetzigem Stand räumen. Denn am frei verfügbaren Börsenwert gemessen würde sie dann nur noch auf Platz 46 – hinter Metro – rangieren“, erklärt Schlünsen.

Fakten rund um den Dax

Die Anfänge

Der Dax führt den Index der „Börsen-Zeitung” fort. Basis der Indexberechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten. Die historische Zeitreihe reicht bis 1959 zurück.

Wer ist gelistet?

Im Dax sind die Aktien der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse enthalten.

Wie wird der Dax berechnet?

Der Index wird sekündlich auf Basis der Xetra-Kurse von 9.00 bis 17.30 Uhr berechnet und ist ein Performance-Index. Damit unterscheidet er sich vom Dow-Jones-Index für die US-Standardwerte, in dem die Aktien nicht gewichtet sind.

Wonach werden die Aktien gewichtet?

Das Gewicht einer Aktie bemisst sich nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung der im Index enthaltenen Werte.

Was entscheidet über die Aufnahme in den Dax?

Wichtigstes Kriterium für die Dax-Aufnahme sind der Wert des Unternehmens an der Börse (Marktkapitalisierung) und der Börsenumsatz. Jeweils zu Monatsbeginn erstellt die Börse nach diesen Kriterien eine Rangliste, die dem Arbeitskreis Aktienindizes als Entscheidungsgrundlage bei der Überprüfung des Index dient. Daneben werden unter anderem auch der Streubesitz oder die Sektorenzugehörigkeit berücksichtigt.

Wie beeinflussen Dividenden den Index?

Bei Dividenden- oder Bonuszahlungen wird die Indexberechnung um den Betrag der Barausschüttung korrigiert. Ähnliches gilt bei Kapitalmaßnahmen.

Wer bestimmt über den Dax?

Die Zusammensetzung des Dax wird einmal jährlich im September vom Arbeitskreis Aktienindizes überprüft. Diesem gehören die Deutsche Börse und Banken aus dem In- und Ausland an. Der Arbeitskreis tagt aber vier Mal im Jahr: im März, Juni, September und Dezember.

Ganz unrealistisch ist das nicht: Am Dienstag notierte die Aktie zeitweise bei 9,57 Euro. Zuvor hatte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs erklärt, sein Unternehmen werde die Kapazität in Deutschland im kommenden Sommer um rund 20 Prozent ausbauen. Das 52-Wochen-Tief liegt sogar bei 9,48 Euro. Zu einem möglichen Dax-Rauswurf will sich die Lufthansa selbst nicht äußern. „Der derzeitige Aktienkurs ist nicht relevant, die Überprüfung findet ja erst im Dezember statt“, betont ein Unternehmenssprecher.

Entschieden ist tatsächlich noch nichts: Analysten sehen das Kursziel für die nächsten zwölf Monate laut Bloomberg-Daten im Schnitt bei 9,67 Euro – und damit über der wichtigen Hürde. Besonders optimistisch ist Wolfgang Donie von der NordLB, der zum Kauf der Aktie rät und ein Kursziel von 14 Euro ausgegeben hat. „Mit der geplanten Anmietung von 40 Flugzeugen von Air Berlin sowie dem Interesse an der Komplettübernahme von Brussels Airlines könnte die Fluggesellschaft ihre Billigtochter Eurowings schnell ausbauen und eine kritische Masse erreichen“, schreibt er in einer Studie.

Insgesamt überwiegen jedoch die Verkaufsempfehlungen. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat ihr Kursziel beispielsweise bei 8,75 Euro gesetzt. „Am herausfordernden operativen Umfeld für die größte deutsche Fluggesellschaft wird sich so rasch nichts ändern“, ist Analystin Penelope Butcher überzeugt. Auch Commerzbank-Analyst Johannes Braun erwartet eine negative Gewinndynamik. Sein Anlagevotum lautet Verkaufen mit einem Kursziel von neun Euro.

Bisher keine Sorgen um ihre Dax-Mitgliedschaft müssen sich dagegen die beiden Banken in der obersten Börsenliga machen. „Die Deutsche Bank und die Commerzbank dürften trotz der aktuellen Schwierigkeiten im deutschen Leitindex bleiben“, meint Oddo Seydler-Expertin Schlünsen. „Die beiden Banken müssten vor der Überprüfung im Schnitt bei 3,14 Euro respektive 4,06 Euro handeln, um unter Rang 45 zu fallen. Davon sind sie momentan noch ein gutes Stück weg.“

Die größten Chancen auf einen Dax-Aufstieg hat indes die Deutsche Wohnen. „Der Immobilienkonzern notiert aktuell auf den Rängen 27 und 34 und erfüllt somit die Kriterien für ein Entrée, sofern es einen Fast Exit-Kandidaten gibt“, betont Schlünsen. Somit würde der Dax dann über zwei Immobilienfirmen verfügen. Seit September 2015 ist bereits das Wohnungsunternehmen Vonovia in dem Index vertreten.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.10.2016, 13:33 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

05.10.2016, 13:43 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Peter Lustig

05.10.2016, 15:27 Uhr

Die dt. Politik (v.a. in RLP und Kassel-Calden) sollte ryanair nicht mehr sponsern,
Abflug- und Überflugabgaben muss abgeführt werden!
Ebenso sollte das Umgehen von Flughafengebühren bestraft werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×