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17.01.2011

14:44 Uhr

Insider-Barometer

7 000er-Marke schreckt die Insider ab

VonChristian Schnell

Weil der Dax wieder über 7 000 Punkte springt, kaufen Top-Manager keine Aktien mehr. Sie glauben, dass die Börse zu viel vorwegnimmt. Spannend war in den vergangenen beiden Wochen indes die Verkaufsseite.

Der Dax hat die 7000-Punkte-Marke geknackt. Aber geht die Rally auch weiter? Quelle: dpa

Der Dax hat die 7000-Punkte-Marke geknackt. Aber geht die Rally auch weiter?

FRANKFURT. Die 7 000er-Hürde hat der Dax diese Woche wieder mühelos genommen. Der Optimismus der Börsianer ist weiter groß, vier von fünf amerikanischen Investment-Profis wollen in diesem Jahr sogar ihr Aktienengagement in Deutschland steigern. Das hat gerade eine Umfrage des German Investment Seminar (GIS) der Commerzbank ergeben.

Zwischen all dem Optimismus finden sich jedoch auch Punkte, die nachdenklich stimmen. So hinkt der Dax im noch jungen Börsenjahr 2011 plötzlich vielen europäischen Börsen hinterher. 2010 hat er sie noch meilenweit abgehängt. Und Deutschlands Top-Managern ist bei Dax-Ständen über 7000 Punkten fast jegliche Kauflaune vergangen. Nur bei zwei der insgesamt 160 Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax gab es in den vergangenen beiden Wochen Käufe von Vorständen, Aufsichtsräten oder deren Angehörigen. Das geht aus der Datenbank der Börsenaufsicht BaFin hervor, an die sie ihre Kauf- und Verkaufsorders zu Aktien melden müssen, bei denen sie Insiderkenntnisse haben.

Das Insider-Barometer, das das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) daraus zusammen mit Commerzbank Wealth Management berechnet, notiert so weiter bei 97 Punkten und damit fast exakt in der Mitte des neutralen Bereichs, der bei 100 Punkten liegt. Größere Kurssprünge, wie sie die meisten Börsianer in diesem Jahr erwarten, sehen die Unternehmensinsider demnach nicht. Sie erwarten eher eine Seitwärtsbewegung in der Nähe der 7000er-Marke. "Der deutsche Aktienmarkt ist den Top-Managern im vergangenen Jahr etwas zu weit nach vorne geprescht. Deswegen halten sie sich jetzt zurück", sagt Simon Bölinger von der Fifam.

Einzig bei der Krones-Aktie greifen Unternehmensinsider kräftig zu

Bis auf Krones: Beim bayerischen Maschinenbauer für die Getränkeindustrie haben drei Top-Manager, darunter zwei der Gründerfamilie Krones, Aktien im Wert von fast fünf Millionen Euro gekauft. Der Kurs der Krones-Aktie hat seit dem Herbst zwar spürbar zugelegt, dennoch sehen Analysten weiteres Potenzial. Eine schnellere Rückkehr auf Vorkrisenniveau war für das Düsseldorfer Bankhaus Lampe in der vergangenen Woche der Grund, die Aktie auf ihre Liste der Top-Empfehlungen aufzunehmen. Zuvor hieß es von Unternehmensseite, dass man schon 2012 und nicht erst ein Jahr später mit Gewinnmargen wie vor der Finanzkrise rechnet.

Weitaus spannender war in den vergangenen beiden Wochen indes die Verkaufsseite, auch wenn die Volumina nur bei einem Fünftel dessen lagen, was Anfang Dezember von Top-Managern an Aktien verkauft worden war. Damals hatten sie sich innerhalb von zwei Wochen von Aktien im Wert von rund 15 Millionen Euro getrennt, jetzt waren es in dem ruhigen Handel um den Jahreswechsel gerade mal drei. Dennoch lassen sich auch daraus für den Privatanleger Schlüsse ziehen, zumal mit Henkel und Heidelberg Cement auch zwei namhafte Dax-Konzerne dabei waren.

Analysten laufen dem Kurs der Henkel-Aktie hinterher

Bei Henkel haben die beiden Aufsichtsräte Christoph Henkel und Winfried Zander Papiere im Wert von fast 700000 Euro verkauft. Der allergrößte Teil davon mit rund 690000 Euro kam von Henkel. Bei dem Kursplus von 30 Prozent seit August ist das für Analysten nachvollziehbar. Zwar hat Eva Quiroga von der Schweizer Großbank UBS erst vergangene Woche ihr Kursziel für die Aktie von 45 auf 48 Euro erhöht. Aber auch diese Marke hat die Aktie inzwischen erreicht.

Deutlich anders ist die Lage bei Heidelberg Cement. Dort stand um den Jahreswechsel ein Verkauf von rund 650000 Euro von der einem Aufsichtsrat nahestehenden Württembergischen Leinenindustrie einem Kauf von Vorstand Andreas Kern über knapp 175000 Euro gegenüber. Wer hier die richtige Entscheidung getroffen hat, ist bei einem Kursplus von rund 50 Prozent seit dem Sommer nicht auf den ersten Blick zu beantworten. Für Analyst Arnaud Lehmann von Credit Suisse ist Heidelberg Cement aber nach wie vor die erste Wahl in der Branche der Bauzulieferer, weit vor Holcim und Lafarge.

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