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04.07.2011

16:18 Uhr

Insider-Barometer

Griechenland-Krise lässt Firmenchefs kalt

VonAndrea Cünnen

ExklusivNicht nur der neue Bilfinger-Berger-Chef Roland Koch kauft Papiere des eigenen Unternehmens. Viele deutsche Topmanager halten Aktien ihrer eigenen Firma die Stange - und senden damit ein starkes Signal an die Märkte.

Das Modeunternehmen Gerry Weber ist in den MDax aufgestiegen. Quelle: dpa

Das Modeunternehmen Gerry Weber ist in den MDax aufgestiegen.

FrankfurtDer neue Bilfinger-Berger-Chef Roland Koch hat zu seinem Amtsantritt am vergangenen Freitag erstmals Aktien des MDax-Konzerns gekauft. Wie aus einer am Montag verbreiteten Pflichtmitteilung hervorgeht, kaufte der ehemalige hessische Ministerpräsident insgesamt 730 Bilfinger-Aktien zum Preis von je 68,27 Euro und damit für insgesamt knapp 50.000 Euro.

Koch ist mit seinem Optimismus nicht allein. Deutschlands Spitzenmanager haben die Ängste rund um die europäische Schuldenkrise nicht verunsichert – zumindest nicht mit Blick auf die eigenen Unternehmen. Damit sind sie noch optimistischer als die breite Masse der Investoren. Während der Deutsche Aktienindex (Dax) erst am vergangenem Mittwoch nach der Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket erstmals seit Mitte April ordentlich durchstartete, kauften Insider weiter fleißig Aktien ihrer Firmen. Die Folge: Das Insider-Barometer hält sich seit Ende Mai bei mehr als 110 Punkten. Damit signalisiert es auf Sicht von drei Monaten leicht steigende Aktienkurse.

Das Barometer wird alle zwei Wochen vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) und den Strategen von Commerzbank Wealth Management für das Handelsblatt analysiert. Es basiert darauf, welche Vorstände, Aufsichtsräte und deren nahen Angehörigen Aktien der eigenen Unternehmen ge- und verkauft haben. Diese Transaktionen müssen die Insider an die Finanzaufsicht melden.

„Mit Blick auf Griechenland machen sich die Firmeninsider wohl deshalb kaum Sorgen, weil sie sehen, dass die sich seit anderthalb Jahren immer mehr zuspitzende Schuldenkrise ihre Unternehmen nicht belastetet“, erklärt Simon Bölinger vom Fifam. Die griechische Wirtschaft sei schließlich relativ unbedeutend. Und sinkende Umsätze in südeuropäischen Ländern würden viele Firmen durch wachsende Nachfrage aus anderen Ländern wie Asien ausgleichen. Dabei seien die Insider – eben wegen der genauen Einblicke in ihre Unternehmen – unbesorgter als andere Aktionäre.

Insgesamt haben sich aber auch die Aktienmärkte viel stabiler gehalten als südeuropäische Anleihen und Devisen. Dabei spielt laut Bölinger auch eine Rolle, dass sich die Aktionäre nicht so von Horrorszenarien beeindrucken lassen, wonach eine Pleite Griechenlands für die Wirtschaft ähnlich schlimme Folgen wie die Lehman–Pleite im Herbst 2008 haben könnte. Dies ist für Bölinger nachvollziehbar, weil die Griechenland-Krise schon lange ein Thema ist, der Lehman-Zusammenbruch hingegen unerwartet kam.

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