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19.01.2009

10:51 Uhr

Insider-Barometer

Insider scheuen den Fiskus

VonChristian Schnell

Die Abgeltungssteuer lässt Deutschlands Top-Manager knausern: Wer konnte, hat bereits zum Jahresende Aktien zugekauft. Doch die Zurückhaltung von Deutschlands Top-Managern auf Käuferseite bedeutet keinen Schwenk hin zu mehr Pessimismus. Das Insider-Barometer.

Quelle: Handelsblatt

FRANKFURT. Die seit Jahresbeginn geltende Abgeltungssteuer zeigt erste Konsequenzen: Deutschlands Top-Manager haben in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres weit weniger Aktien ihrer Unternehmen gekauft als noch im November und Dezember. Da galt die Pauschale von 25 Prozent auf Kursgewinne und Dividenden noch nicht, weshalb die Kursgewinne nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei waren. Das geht aus den Daten der Börsenaufsicht BaFin hervor, an die die Insiderdeals gemeldet werden müssen.

Das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Universität Aachen hat zusammen mit Commerzbank Wealth Management diese Deals ausgewertet und kommt auf Zahlen, die sich gegenüber den Dezember-Werten halbiert haben. „Da Insider gewöhnlich langfristig orientiert sind, war es unter steuerlichen Aspekten natürlich sinnvoll, noch im alten Jahr zu kaufen“, sagt Olaf Stotz, Professor beim Fifam. Gilt doch für die Käufe aus dem vergangenen Jahr noch, dass Kursgewinne nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei sind. Damit unterscheidet sich die Lage in Deutschland deutlich von der in anderen Ländern mit ausgeprägtem Insiderhandel wie den USA, wo weiter munter gekauft wird.

Dass sich Deutschlands Top-Manager jetzt auf Käuferseite zurück gehalten haben, bedeutet keineswegs einen Schwenk hin zu mehr Pessimismus. Dazu ist die Seite der Verkäufer noch immer zu sehr verwaist. Ein einziger Manager aus den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax hat sich seit Jahresanfang von Aktien seines Unternehmens getrennt. Und die Summe von 9 100 Euro, die Praktiker-Aufsichtsrat Hans-Josef Schmitz dabei erlöst hat, versetzt die Aktionäre der Baumarkt-Kette nicht in Aufregung. Dennoch fällt auf, dass Schmitz den richtigen Zeitpunkt erwischt hat. Die insgesamt 1 300 Aktien, die er zu sieben Euro je Stück verkauft hat, wären wenige Tage später nur noch fünf Euro je Aktie wert gewesen.

Den nicht nur wegen der Summe auffälligsten Kauf gab es seit Jahresanfang bei Pfleiderer. Beim Holz-Spezialist aus der Oberpfalz hat eine neu gegründete Beteiligungsgesellschaft namens Woodstock Management, hinter der mehrere Top-Manager des Unternehmens stehen, Aktien im Wert von mehr als vier Mio. Euro gekauft. In dieser Gesellschaft sollten künftig der persönlich gehaltene Aktienbestand der Gesellschaft gebündelt werden, hieß es von Unternehmensseite zur Begründung. Bis zu einem Gesamtvolumen von 5,2 Mio. Euro sollen Papiere über die Börse oder außerbörslich gekauft werden, was 1,6 Prozent des Grundkapitals entspricht.

Kurios dabei: Den Großteil des Geldes dafür stellt der Großaktionär One Equity Partners (OEP) zur Verfügung, der der neuen Gesellschaft der Manager ein Darlehen von 3,7 Mio. Euro für deren Aktienkäufe gewährt hat. „Einen Insiderkauf in dieser Form, der von einem Großaktionär finanziert wird, habe ich noch nicht gesehen“, sagt Olaf Stotz, der seit Jahren Insidergeschäfte in Deutschland beobachtet. Es handelt sich dabei seiner Ansicht nach um ein Investmentvehikel für den Vorstand, der so konzentriert Aktien für den Großaktionär hält. Analysten sind jedenfalls vorsichtig: Laut dem Informationsdienst Bloomberg raten von 14 Experten, die Pfleiderer beobachten, acht zum Verkauf der Aktie.

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