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04.02.2008

11:10 Uhr

Insider-Barometer

Manager stürzen sich auf Aktien

VonChristian Schnell

Deutschlands Top-Manager haben die Kursturbulenzen der letzten beiden Wochen in bis dato nicht da gewesenem Umfang genutzt und sich günstig mit Aktien ihrer Unternehmen eingedeckt; gleich sieben Siemens-Vorstände haben in großem Stil Anteile gekauft. Damit stehen die Firmeninsider in Widerspruch zu den Aktienstrategen der Banken – das Insider-Barometer.

FRANKFURT. 133 Käufen von Vorständen, Aufsichtsräten sowie deren Angehörigen aus den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax stehen dabei lediglich drei Verkäufe gegenüber. Das geht aus der neuesten Auswertung des Insider-Barometers hervor, das vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking berechnet wird. Damit ist die Zahl der Insider-Käufe auf den höchsten Stand seit der erstmaligen Veröffentlichung des Insider-Barometers im Handelsblatt im Juni 2006 gestiegen.

Das Insider-Barometer hat demnach in den letzten beiden Wochen um knapp 30 Punkte auf 178 Punkte zugelegt und ist damit nur noch sieben Punkte von seinem Allzeithoch vom März 2003 entfernt. Damals startete eine mehrjährige Hausse. Mit ihrem Kaufdrang stehen die Unternehmensinsider jedoch in deutlichem Widerspruch zu den Aktienstrategen der Banken. So revidierten beispielsweise die Analysten der WestLB erst am Freitag ihre Gewinnerwartungen für deutsche Unternehmen nach unten. Statt eines Gewinnzuwachses von sechs Prozent, mit dem die Experten noch im Dezember für dieses Jahr gerechnet haben, erwarten sie nur noch vier Prozent. „Vor dem Hindergrund der veränderten Rahmenbedingungen dürften die Zweifel an der Robustheit der Unternehmensgewinne insgesamt eher zunehmen“, sagt Chef-Stratege Martin Gilles.

Das ficht die Unternehmensmanager derzeit indes nicht an. Olaf Stotz, der das Insider-Barometer bei der Fifam berechnet, begründet dies damit, dass die Top-Manager bei ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen in erster Linie auf die Entwicklung in ihren Unternehmen blickten und dabei konjunkturellen oder geopolitischen Aspekten weitaus geringere Bedeutung beimäßen als Bankanalysten. „Stattdessen setzen sie auf ihren Wissensvorsprung gegenüber gewöhnlichen Aktionären“, sagt Stotz. Kuriosum dabei: Die Insider haben mit ihren Orders den Auswertungen vergangener Transaktionen zufolge in vielen Fällen eine „gute Nase“ bewiesen. Bereits bei Ständen von über 110 Punkten signalisiert das Insider-Barometer für den Dax im Dreimonatszeitraum nach Veröffentlichung eine Durchschnittsrendite von 10,16 Prozent pro Jahr; das sind rund 3,5 Prozentpunkte mehr als üblich. Das aktuelle Niveau von 178 Punkten verspricht hohe Kurssteigerungen deutscher Standardwerte im nächsten Vierteljahr.

Auffällig ist zudem der Trend, dass Vorstandsriegen nahezu geschlossen eigene Aktien ordern, um damit der Öffentlichkeit Vertrauen ins eigene Unternehmen zu signalisieren: Nach Commerzbank, Eon, RWE und zuletzt Hypo Real Estate haben gleich sieben Siemens-Vorstände für insgesamt über 5,5 Mill. Euro Aktien erworben. Für über vier Mill. Euro hat allein Vorstandschef Peter Löscher Papiere gekauft. Die Analysten von Commerzbank Private Banking raten weiter zum Kauf, sehen als größten Risikofaktor aber kurzfristig eine Strafe der US-Börsenaufsicht SEC. „Beträge, die über eine Milliarde Euro hinausgehen, lasten auf dem Kurs“, sagen sie.

Wenig Gefahren sehen Analysten indes beim einzig nennenswerten Verkauf. Bei Daimler hat sich Aufsichtsrat Earl Graves von Papieren im Wert von fast 85 000 Dollar getrennt. Erst am Donnerstag hatten jedoch die Analysten von Goldman Sachs die Aktie von „neutral“ auf „kaufen“ heraufgestuft.

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