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01.08.2011

14:44 Uhr

Insider-Barometer

Top-Manager halten an Aktien fest

VonChristian Schnell

Mit Blick auf die USA und Europa hat das Krisengetuschel an den Märkten zuletzt wieder spürbar zugenommen. Allerdings scheint das die deutsche Führungsriege nicht nervös zu machen. Im Gegenteil: Die Topmanager kaufen zu.

Behielt nicht nur eigene Aktien sondern kaufte in letzter Zeit kräftig hinzu: Gerhard "Gerry" Weber. Quelle: dpa

Behielt nicht nur eigene Aktien sondern kaufte in letzter Zeit kräftig hinzu: Gerhard "Gerry" Weber.

FrankfurtChronische Schuldenprobleme in den USA und in Euro-Land, eine bislang enttäuschende Bilanzsaison und dazu noch ein Ölpreis, der allen Prognosen zum Trotz partout nicht fallen will. An Gründen, künftig vorsichtiger am Aktienmarkt zu agieren, mangelt es für Anleger derzeit wahrlich nicht. Nur die Gruppe, die es von allen eigentlich am besten wissen müsste, bleibt gelassen und behält ihre Aktien.

Die Topmanager der 160 größten börsengelisteten Unternehmen in Deutschland – aufgeführt in Dax, MDax, TecDax und SDax – haben sich in den vergangenen beiden Wochen allen Störfeuern zum Trotz auffällig unaufgeregt präsentiert. Nur bei drei Unternehmen gab es Verkäufe. „Ihre Zahl ist sogar im Vergleich zu den Vorwochen deutlich zurückgegangen“, sagt Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam).

Banken richten ihre Kunden zwar allmählich auf schlechtere Zeiten an den Börsen ein: „Die Unsicherheit dürfte zunächst für eine anhaltend volatile Börsenphase sorgen“, heißt es zum Beispiel bei der Landesbank Berlin (LBB). Doch die Unternehmensinsider sehen keinen Anlass, jetzt direkt handeln zu müssen.

Das Insiderbarometer, das die Fifam alle zwei Wochen zusammen mit Commerzbank Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnet, notiert deshalb weiter bei grundsoliden 107 Punkten. Man bewegt sich am oberen Ende des neutralen Bereichs zwischen 90 und 110 Punkten und sogar knapp über dem Wert vor zwei Wochen.

Wer im Moment dennoch verkauft, der hat auch einen besonderen Grund dafür. Die mehr als 3,2 Millionen Euro, die zwei Manager des Maschinenbauers Elexis gerade erlöst haben, hängen Experten zufolge mit der aktuell laufenden Übernahme durch den Maschinenbauer SMS zusammen. Der hat sich bereits 85 Prozent der Anteile gesichert. Wenn jetzt auch die Chefs verkaufen, ist das ein Indiz, dass bald die Komplettübernahme bevorstehen könnte. Kaum noch ein Analyst beobachtet daher die Aktie, deren Wert sich seit einem Jahr verdoppelt hat.

Deutlich anders sind die Vorzeichen beim zweiten Millionenverkauf, diesmal von Heinz Dürr, Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratschef des gleichnamigen schwäbischen Automobilzulieferers. Erst im März hatte Dürr 10000 Aktien gekauft, damals zum Kurs von 23,41 Euro. Jetzt hat er 69000 Papiere aus seinen Beständen verkauft, zum Kurs von 29,30 Euro. Und das, obwohl das Unternehmen erst vor wenigen Tagen seine Gesamtjahresprognose nach starken Zahlen erhöht hat. Analysten wie Ralf Marinoni von Close Brothers Seydler raten deswegen weiter zum Kauf der Aktie.
Gelassenheit herrscht – wohl wegen der Urlaubszeit – im Moment auch auf Kaufseite. Für fast 2,5 Millionen Euro hat Großaktionär Neuson Ecotec Aktien des Baumaschinenherstellers Wacker Neuson gekauft. Die Aussage ist klar: Der seit 2009 anhaltende stabile Aufwärtstrend der Aktie soll noch eine ganze Weile anhalten. Dass die Bauindustrie in Zeiten einer konjunkturellen Abschwächung tendenziell als eine der Ersten leidet, lässt sich daraus nicht ablesen. Eher schon, dass die Chefs bei Wacker Neuson auch weiter von stabilem Wachstum ausgehen. Erst am Freitag hat das Münchener Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr ein weiteres Mal erhöht, nachdem zuvor der höchste Gewinn und Umsatz eines ersten Halbjahrs erzielt wurde.

Mit dem Modeunternehmen Gerry Weber ist auch diesmal wieder ein Dauergast auf der Kaufliste vertreten. Seit März hat die R+U Weber GmbH, eine Vermögensverwaltung der Gründerfamilie, insgesamt zehnmal Aktien gekauft. Das Ganze für mittlerweile fast 14,75 Millionen Euro.


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