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13.02.2012

12:41 Uhr

Insiderbarometer

Topmanager trauen der Dax-Rally nicht mehr

VonChristian Schnell

An den Börsen geht es aufwärts. Die Anleger stürzen sich auf Aktien. Doch ausgerechnet Deutschlands Topmanager machen nicht mit. Sie steigen aus und kassieren Gewinne. Ein Signal?

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Deutschlands Topmanager üben sich schon seit Wochen in Zurückhaltung. Reuters

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Deutschlands Topmanager üben sich schon seit Wochen in Zurückhaltung.

FrankfurtDer Dax hat seit Jahresbeginn fast 1000 Punkte gewonnen. Anleger, die sich eigentlich schon abgewendet hatten, entdecken die Aktie wieder. Doch ausgerechnet Deutschlands Topmanager, die naturgemäß einen besseren Einblick in die Entwicklung ihres Unternehmens haben als die breite Masse, üben sich in Zurückhaltung. Während die Masse seit dem Jahreswechsel wieder mächtig zugreift und so dem Dax zu seinem besten Jahresstart seit seiner ersten Berechnung im Jahr 1988 verholfen hat, haben sich die Manager zuletzt an diesem Treiben so gut wie gar nicht mehr beteiligt. Käufe aus ihren Reihen gab es so gut wie keine.

Mittlerweile beginnt sich das Blatt zu drehen. Die Zahl der Verkäufe, die seit dem Kurseinbruch im vergangenen Sommer minimal war, steigt deutlich an. Es ist zwar zu früh, jetzt schon einen Trend in die andere Richtung auszurufen, doch Olaf Stotz vom Forschungsinstitut für Asset Management an der Uni Aachen (Fifam) betont: „Die Unternehmensinsider sind aktuell mehr bereit, zu geben als zu nehmen.“ Zusammen mit Commerzbank Wealth Management wertet Stotz alle zwei Wochen die Orders der Firmenchefs und Aufsichtsräte aus. Dass aus dieser Tendenz in den nächsten Wochen ein Trend wird, hält er durchaus für möglich.

Aktienmarkt: Gefährliche Euphorie an den Börsen

Aktienmarkt

Gefährliche Euphorie an den Börsen

Die Sicherheit, in der sich die Anleger derzeit wähnen, ist trügerisch.

Der Grund dafür ist simpel. Seit den Tiefstständen im September hat sich der Dax um mehr als 30 Prozent erholt. Zu dieser Zeit, als kaum jemand den Mut hatte, Aktien zu kaufen, griffen die Topmanager massiv zu. Allein im August und September gab es Insiderkäufe bei Allianz, der Commerzbank, Daimler, der Deutschen Bank, der Deutschen Telekom, der Deutschen Post, Eon, Heidelberg Cement, Henkel, K+S, Linde, Lufthansa, Merck, Metro, Münchener Rück, SAP und RWE. Bei 17 Unternehmen und damit mehr als der Hälfte aller Dax-Konzerne haben damit die Chefs die Gelegenheit der günstigeren Kurse genutzt und sich eingedeckt. In den allermeisten Fällen stehen sie nun ein halbes Jahr später mit einem ordentlichen Plus da. Verkauft haben seither nur wenige. Und wenn, dann keine größeren Positionen.

Analysten-Prognose für 2012 (Jahresendstand)

Baader Bank

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

Quelle: Handelsblatt-Kapitalmarkt-Umfrage vom 29.12.2011

Bank Julius Bär

Dax: 6.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,46 $

Bank Sarasin

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

Bankhaus Lampe

Dax: 7.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,38 $

Bayerische Landesbank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,45 $

Berenberg Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,2%; Euro/Dollar: 1,40 $

Bethmann Bank

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,35 $

BHF-Bank

Dax: 6.350; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

BNP Paribas

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,40 $

Citi

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,5%; Euro/Dollar: 1,26 $

Commerzbank

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

DekaBank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,40 $

Deutsche Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

DZ Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,40 $

Ellwanger & Geiger

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,85%; Euro/Dollar: 1,23 $

Fürst Fugger Privatbank

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,65%; Euro/Dollar: 1,22 $

Haspa

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,30 $

Hauck & Aufhäuser

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,35 $

Helaba

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,45 $

HSBC Trinkaus

Dax: 5.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,44 $

JP Morgan

Dax: 6.850; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,38 $

LBBW

Dax: 7.500 (vorher: 6.500); Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

M.M.WArburg & Co.

Dax: 6.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

National Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

Natixis

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,2%; Euro/Dollar: 1,35 $

Nomura

Dax: 7.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: k.A.; Euro/Dollar: 1,25 $

NordLB

Dax: 6.100; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,25 $

Postbank

Dax: 7.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

Royal Bank of Scotland

Dax: 7.380; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,6%; Euro/Dollar: 1,37 $

Santander Cons. Bank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,35 $

Société Générale

Dax: 5.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,1%; Euro/Dollar: 1,30 $

Syz & Co.

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

UBS

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

VP Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,35%; Euro/Dollar: 1,30 $

West LB

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,40 $

WGZ-Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,3%; Euro/Dollar: 1,30 $

Das ändert sich gerade. In den vergangenen Tagen haben beispielsweise sieben der zehn Siemens-Vorstände Aktien im Wert von knapp 740.000 Euro abgestoßen. Nicht die Summe lasse aufhorchen, meint Olaf Stotz. „Es ist vielmehr das Signal, das damit an die Finanzmärkte gegeben wird.“ Und das sei durch eine solche konzertierte Aktion eindeutig negativ. Dass mehrere Vorstände gleichzeitig an einem Tag verkaufen, ist bei Siemens allerdings nichts Neues. Das gab es in der Vergangenheit schon mehrmals. An der Börse gehen Experten deshalb fest davon aus, dass sich die Chefs untereinander abgestimmt haben.

Kommentare (10)

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Rabula

13.02.2012, 13:19 Uhr

Die grundlegende Einsicht der Börsenspekulation, so wie es sowohl Kostolany als auch Soros vorexerziert haben lautet:
Bei Nachfrage verkaufen, bei Angebot kaufen.

Zweifelsohne ein kluges Rezept, weil es ja nun einmal die Lemminge sind, denen das Fell über die Ohren gezogen wird, damit die Treiber es im Winter in ihren Fellmänteln, -jacken und -mützen schön warm haben.

Mit Blick auf die Finanzspekulations- und anlagenbetrugswirtschaft, die ja noch immer unter der Schirmherrschaft der Herolde und Prätorianer des Tarnmantels der Neuen Sozialen Marktwirtschaft dem gemeinen Mann in Europa auf höchst kriminelle Weise nicht nur die Ersparnisse von den Konten räumen helfen, sondern ihm nun auch noch - natürlich aus rein marktwirtschaftlichen und alternativlosen Gründen - das Brot unter der Wurst aus den Händen ringen, sollten wir uns auf so etwas wie einen spontanen Umsturz einstellen, wie ihn die Geschichte im Jahre 1789 hervor gebracht hat, als die überflüssige Elite der Banditen des damaligen Erbfeudaladels als schwärender, eitriger und tödlicher Furunkel aus dem Gesellschaftskörper heraus geschnitten wurden.

Vielleicht steht uns ja so ein Revival des damaligen Thermidor auch im August 2012 ins Haus. Spätetens dann waren die Verkaufentscheidungen der deutschen Spitzenkader richtig.

Rabula

13.02.2012, 13:19 Uhr

Die grundlegende Einsicht der Börsenspekulation, so wie es sowohl Kostolany als auch Soros vorexerziert haben lautet:
Bei Nachfrage verkaufen, bei Angebot kaufen.

Zweifelsohne ein kluges Rezept, weil es ja nun einmal die Lemminge sind, denen das Fell über die Ohren gezogen wird, damit die Treiber es im Winter in ihren Fellmänteln, -jacken und -mützen schön warm haben.

Mit Blick auf die Finanzspekulations- und anlagenbetrugswirtschaft, die ja noch immer unter der Schirmherrschaft der Herolde und Prätorianer des Tarnmantels der Neuen Sozialen Marktwirtschaft dem gemeinen Mann in Europa auf höchst kriminelle Weise nicht nur die Ersparnisse von den Konten räumen helfen, sondern ihm nun auch noch - natürlich aus rein marktwirtschaftlichen und alternativlosen Gründen - das Brot unter der Wurst aus den Händen ringen, sollten wir uns auf so etwas wie einen spontanen Umsturz einstellen, wie ihn die Geschichte im Jahre 1789 hervor gebracht hat, als die überflüssige Elite der Banditen des damaligen Erbfeudaladels als schwärender, eitriger und tödlicher Furunkel aus dem Gesellschaftskörper heraus geschnitten wurden.

Vielleicht steht uns ja so ein Revival des damaligen Thermidor auch im August 2012 ins Haus. Spätetens dann waren die Verkaufentscheidungen der deutschen Spitzenkader richtig.

Account gelöscht!

13.02.2012, 13:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Schnall, können Sie bitte Ihren Artikel etwas später veröffentlichen?! Auch Deutschland hat morgen den Eu-China-Gipfel zu dem auch Herr Karel de Gucht anwesend sein wird.

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