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12.01.2010

09:31 Uhr

Insolvenzgefahr

Aktienkurs von Japan Airlines stürzt ab

Noch vergangenen Woche gab es Hoffnung, doch nun scheint eine Insolvenz der größten japanischen Fluglinie Japan Airlines nahezu unabwendbar. Die Aktie rast in die Tiefe und wird nur durch das offizielle Verlustlimit der Tokioter Börse gestoppt.

HB TOKIO. Eine Insolvenz der größten asiatischen Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) scheint nur noch eine Frage von Tagen. Die drei größten Gläubigerbanken der hochverschuldeten Airline wollen ihren Widerstand aufgeben und stimmten am Dienstag bei einem Treffen mit Transportminister Seiji Maehara einem staatlich gelenkten Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz vorläufig zu, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise meldete.

Eine offizielle Antwort der Mizuho Corporate Bank, der Bank of Tokyo UFJ-Mitsubishi und der Sumitomo Mitsui Banking wird für diesen Donnerstag erwartet. Die Banken hatten bislang eine Insolvenz abgelehnt aus Furcht, JAL werde dadurch noch mehr Kunden verlieren.

Die Aktien der größten Airline Japans gerieten am selben Tag unter massiven Verkaufsdruck in Reaktion auf Medienberichte, wonach die staatliche Sanierungsgesellschaft ETIC die Streichung der JAL-Papiere vom Börsenzettel plant. Durch Tilgung aller Aktien sollten die Aktionäre mit zur Verantwortung gezogen werden, hieß es. Daraufhin stürzte der JAL-Kurs um das höchstzulässige Tageslimit von 30 Yen auf 37 Yen (0,27 Euro) ab. Auch Regierungschef Yukio Hatoyama deutete laut Kyodo an, dass eine Streichung von JAL vom Börsenzettel während des geplanten Umstrukturierungsprozesses unausweichlich sei. Die Aktionäre hätten eine gewisse Verantwortung zu tragen, so Hatoyama.

Eine geordnete Insolvenz der hochverschuldeten Airline könnte Berichten zufolge schon am 19. Januar beantragt werden. Es wäre eine der größten Insolvenzen in der japanischen Unternehmensgeschichte. Die Gläubigerbanken hatten bislang eine außergerichtliche Restrukturierung bevorzugt - auch aus Sorge vor Verlusten auf ihre eigenen Aktienbestände. Doch hätten sie nun im Prinzip einer von der staatlichen Sanierungsgesellschaft ETIC angestrebten gerichtlich begleiteten Umstrukturierung der Airline zugestimmt in der Einsicht, dass nur die ETIC die benötigten Milliarden-Kredite bereitstellen könne, wie Medien berichteten. Anderenfalls breche JAL zusammen.

Laut der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" (Dienstagausgabe) strebt JAL eine Umstrukturierung innerhalb von drei Jahren an. Zu diesem Zweck sehe das geplante staatliche Insolvenzverfahren neben staatlicher Hilfe die Streichung von Arbeitsplätzen sowie unprofitablen Flugrouten vor. Parallel zu den Insolvenz-Überlegungen überschlagen sich derweil die beiden US-Rivalen American Airlines und Delta mit Beteiligungsangeboten. American Airlines stockte sein Angebot für JAL am Dienstag auf zwei Milliarden Dollar auf in Kooperation mit anderen Mitgliedern der oneworld-Allianz.

Die ETIC soll sich jedoch Medien zufolge gegen Finanzspritzen der beiden US-Linien ausgesprochen haben, um das Insolvenzverfahren nicht komplizierter zu machen und einen späteren Rückzug des Staates zu erleichtern. Japan Airlines schreibt seit Jahren hohe Verluste und wurde von der aktuellen Luftfahrt-Krise besonders hart getroffen.

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