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29.01.2005

17:20 Uhr

Institutionelle Anleger halten sich zurück

Dax-Ausblick: Börsianer in Lauerstellung

Nach einem recht verhaltenen Handelsstart in das neue Börsenjahr rechnen Beobachter auch für die kommende Woche mit einem seitwärtsgerichteten Handel. Impulse könnten von der Zinsentscheidung der US-Notenbank sowie von Konjunkturberichten kommen.

HB DÜSSELDORF. Die niedrigen Volatilitäten im Dax lassen eine ruhige Woche erwarten. Die deutschen Aktienmärkte dürften - so wird vermutet - ihre in letzter Zeit gezeigte relative Stärke gegenüber den US-Märkten auch in den nächsten Tagen zeigen. Börsianer erhoffen sich von Konjunkturdaten und Notenbanksitzungen Impulse für den Aktienmarkt.

Die Bullen und Bären am deutschen Aktienmarkt halten sich momentan die Waage. Bisher vorgelegte Zahlen für das zurückliegende Quartal haben zwar die Einzelwerte der jeweiligen Unternehmen in Schwung gebracht. Allerdings waren die Signale nicht stark genug, den Gesamtmarkt in die eine oder andere Richtung zu bewegen.

Während in den USA die Flut der Quartalsberichte langsam abebbt, wird in Deutschland von den großen Konzernen lediglich die Deutsche Bank neue Zahlen vorlegen. Am Montag wird die Chemiegesellschaft Lanxess nach der Anspaltung vom Mutterkonzern Bayer erstmals an der Börse notiert. "Die Konjunkturdaten und die Notenbanken werden nächste Woche wohl die Hauptrolle spielen", sagte Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der LBBW. In der zu Ende gehenden Woche hat sich der Deutsche Aktienindex (Dax) gegenüber der Vorwoche behauptet und somit die psychologisch wichtige Marke von 4200 Punkten letztlich verteidigt. Mit Blick auf die Charttechnik ist der deutsche Leitindex im Bereich von 4175 Punkten gut unterstützt. Um den Widerstand bei 4270 Punkten herauszunehmen, bedarf es allerdings eines fallenden Ölpreis und guter Nachrichten der Berichtssaison.

Irak wirkt auf den Ölpreis

Die institutionellen Investoren äußerten sich unterdessen nur zurückhaltend über die Wahlen im Irak am Wochenende. Dort werden an diesem Sonntag nach der Besetzung durch US-geführte Truppen 2003 erstmals freie Wahlen abgehalten. Aufständische in dem ölreichen Land drohen seit langem mit weiteren Anschlägen und versuchen die Wahl zu sabotieren. Im Vorfeld dieses Termins, der im Fokus der Weltöffentlichkeit steht, haben in den vergangenen Tagen die Ölpreise bereits angezogen. Vor allem die Furcht vor Anschlägen auf die irakischen Ölanlagen hatte sich preistreibend ausgewirkt. "Die Wahlen im Irak könnten sich auf den Ölpreis auswirken, wenn dort etwas besonders Schlimmes passiert", sagte Carsten Klude, Aktienstratege MM Warburg.

Am Wochenende treffen sich zudem in Wien die Vertreter der Opec-Staaten. Beobachter gehen davon aus, dass das derzeitige Förderlimit, das bei 27 Millionen Barrel pro Tag (bpd - barrel per day) liegt, bestätigt wird. Die tatsächliche Förderung hatte zuletzt schätzungsweise um 700.000 bpd über dieser offiziellen Obergrenze gelegen.

31 Werte im Dax

Starten wird die Börsenwoche mit einem Kuriosum: Für einen Tag wird das Börsenbarometer 31 Werte umfassen; erstmals wird ein Unternehmen nur für einen einzigen Tag im Dax notieren. Dax-Mitglied Bayer spaltet seine Chemiesparte nach vergeblichen Verkaufsversuchen ab und bucht seinen Aktionären insgesamt 73 Millionen Titel des neuen Unternehmens Lanxess in die Depots. Das Unternehmen umfasst den überwiegenden Teil des Chemie- und rund ein Drittel des Polymergeschäfts.

Über den Aktienwert gehen die Meinungen weit auseinander. Optimistische Analysten sehen ihn bei 21 Euro, die Pessimisten der Branche bei weniger als der Hälfte. Die Deutsche Börse löst das daraus entstehende Problem für die korrekte Berechnung ihres Eliteindex so, dass der Lanxess-Kurs für einen Tag in den Dax einfließt. Nach Ende der Schlussauktion am kommenden Montag wird die Lanxess-Aktie wieder aus der Indexberechnung herausgenommen. Orientierung zum Börsenstart von Lanxess gibt der vorbörsliche Kurse beim Broker Lang & Schwarz, der am Freitag bei 13,50 Euro lag.

Moderate Steigerung der US-Zinsen erwartet

Positive Impulse könnten nach Einschätzung von Carsten Klude, Aktienstratege MM Warburg, von der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank (Fed) am Dienstag ausgehen. Beobachter erwarten, dass die laufende Zinsanhebungsrunde fortgeführt und die Fed Funds Rate um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent nach zuvor 2,25 Prozent angehoben wird. "Einige im Markt befürchten, die Fed könnte den Ausblick auf die weitere Zinsentwicklung hin zu stärkeren Anhebungen verschieben. Wenn das ausbleibt, könnte das den Kursen helfen", sagte Klude. Bei den zurückliegenden Sitzungen hatte die Fed für den Ausblick immer von einem "maßvollen Tempo" gesprochen. Auch das an diesem Freitagnachmittag etwas schwächer als erwartet ausgefallene US-BIP sowie ein moderat gestiegener Deflator sprechen nicht für eine Beschleunigung des laufenden Zinserhöhungszyklus.

Aus den USA steht ferner für kommenden Freitag der Arbeitsmarktbericht für Januar auf der Agenda, der wie jeden Monat mit Spannung erwartet wird. Er könnte den Finanzmärkten zusätzliche Signale für die Entwicklung der US-Konjunktur und mithin der Zinsen liefern. Von der Europäischen Zentralbank (EZB), die turnusmäßig am Donnerstag tagt, wird keine Zinsänderung erwartet.

Unternehmensnachrichten aus Deutschland gibt es am Dienstag von HeidelbergerDruck und am Donnerstag von der Deutschen Bank sowie von Epcos, die dem Mark mit der Gewinnwarnung allerdings schon alle Hoffnungen genommen hatten. Die Deutsche Bank wird nach Analysteneinschätzungen auf Grund der angekündigten Restrukturierungskosten in Millionen-Höhe einen Gewinneinbruch im Quartal ausweisen.

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