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24.05.2011

17:36 Uhr

Internethype

Yandex-Aktie schießt bei Debüt nach oben

Die nächste Internetaktie, der nächste Hype: An ihrem ersten Handelstag legt die Aktie der Suchmaschine Yandex kräftig zu. Doch der Boom schürt Sorgen.

Nächster Online-Börsenhit: Milliarden für eine russische Suchmaschine. Quelle: dapd

Nächster Online-Börsenhit: Milliarden für eine russische Suchmaschine.

FrankfurtIm Sog der aktuellen Euphorie um junge Internetfirmen ist der russischen Suchmaschine Yandex der größte Börsengang der Branche seit Google vor sieben Jahren gelungen. An der Wall Street sammelte die beliebteste Suchmaschine Russlands 1,3 Milliarden Dollar ein und damit mehr als zunächst erwartet.

Die Yandex-Aktie verteuerte sich am ersten Handelstag deutlich. Der Kurs des an der Nasadq notierten Papiers stieg um 9,50 Dollar auf 34,50 Dollar - ein Plus von 38 Prozent.

„Ich weiß nicht, ob es so einen gewaltigen Knall gibt wie bei LinkedIn“, sagte Darren Fabric von der IPO Investmentfirma IPOX Schuster. Aber die Papiere sollten „ziemlich ordentlich“ am ersten Handelstag laufen. Dem Karrierenetzwerk LinkedIn war vor kurzem am ersten Tag ein Kurssprung von mehr als 100 Prozent gelungen.

Gleichzeitig schürt der Nachfrageboom die Sorge vor einer neuen Internet-Blase. Zehn Jahre nach dem jähen Ende des Höhenflugs an Nasdaq und Neuem Markt erzielen Firmen unabhängig von Gewinnen wieder Bewertungen in Milliardenhöhe.

Neuer Internet-Hype

Linkedin - Geschäftsidee

Das Online-Karrierenetzwerk Linkedin wurde im Jahr 2003 in Kalifornien gegründet. Es ist mit über 100 Millionen registrierten Nutzern (Unternehmensangabe Mai 2011) die derzeit größte Plattform dieser Art. Laut Online-Statistikdienst Alexa gehört Linkedin zu den 500 weltweit meistbesuchtesten Internetseiten.

LinkedIn - Bewertung

Der Börsenwert lag am Ende des ersten Handelstages in New York bei rund neun Milliarden US-Dollar. Dies entspricht rund sieben Millionen Dollar für jeden der rund 1.300 Angestellten und fast 90 Dollar für jeden der gut 100 Millionen Nutzer.

LinkedIn - Geschäftszahlen

Das Unternehmen machte im Jahr 2010 einen Umsatz von 243 Millionen Dollar und verdiente unter dem Strich 15,4 Millionen Dollar. Um sein Wachstum anzutreiben, will Linkedin dieses Jahr viel investieren und dabei einen Verlust in Kauf nehmen.

Facebook - Geschäftsidee

Auf Facebook tummeln sich heute mehr als 500 Millionen Nutzer. Kaum einer von ihnen weiß mehr, dass das Netzwerk im Jahr 2004 ursprünglich nur für die US-Eliteuni Harvard gegründeten wurde.

Facebook - Bewertung

Der Wert von Facebook geht rasant nach oben: Am Zweitmarkt für Mitarbeiteraktien wurde das Unternehmen für 85 Milliarden Dollar gehandelt, manche Marktbeobachter sprechen sogar von einem Wert von 100 Milliarden. Im März wollte ein Finanzinvestor einem Medienbericht zufolge bei Facebook einsteigen und bewertete das Unternehmen dabei noch mit 65 Milliarden Dollar. Im Januar wurde Facebook von Goldman Sachs mit 50 Milliarden bewertet, im Juni 2010 mit 23 Milliarden Dollar.
Selbst eine konservative Bewertung von 65 Milliarden Dollar entspricht pro Angestelltem (etwa 2.000 Mitarbeiter) 32 Millionen Dollar und pro Nutzer 130 Dollar.

Facebook - Geschäftszahlen

Das junge Unternehmen von Gründer Mark Zuckerberg machte von Januar bis September 2010 Bankenkreisen zufolge einen Netto-Gewinn von 355 Millionen Dollar - bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar.

Groupon - Geschäftsidee

Der Schnäppchen-Anbieter Groupon fand im November 2008 seinen Weg ins Netz. Die Idee: Groupon bringt Rabatte für alles von Restaurantbesuchen bis Kanufahrten an den Mann und erhält vom Anbieter des Coupons dafür eine Provision.

Groupon - Bewertung

Das Unternehmen will den Sprung an die Börse im zweiten Halbjahr wagen und dürfte dabei mit insgesamt rund 15 bis 20 Milliarden Dollar bewertet werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters im April erfuhr. Im Dezember lehnte das Unternehmen ein Übernahmeangebot
von Google im Wert von sechs Milliarden Dollar ab. Eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar würde für jeden der mittlerweile rund 70 Millionen Nutzer mehr als 200 Dollar entsprechen und für jeden der rund 6000 Angestellten 2,5 Millionen Dollar.

Groupon - Geschäftszahlen

Groupon macht nach eigenen Angaben seit 2009 Gewinn, aber veröffentlicht keine Details zu seinen Geschäftszahlen.

Twitter - Geschäftsidee

Mit der Internetseite Twitter wurde 2006 das Mikroblogging erfunden. Die Nutzer verbreiten rasend schnell ihre Nachrichten mit der Devise: Alles Wichtige lässt sich auch in 140 Zeichen sagen.

Twitter - Bewertung

Das Unternehmen wurde bei einer außerbörslichen Versteigerung von Firmenanteilen auf knapp acht Milliarden Dollar bewertet. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Dezember, als eine Finanzspritze die Ermittlung eines Firmenwertes erforderte. Im September 2010 hatte Twitter rund 175 Millionen Nutzer. Eine Bewertung von acht Milliarden Dollar entspricht rund 45 Dollar je Nutzer oder 22 Millionen Dollar für jeden der rund 350 Mitarbeiter.

Twitter - Geschäftszahlen

Twitter vermeldet derzeit keine Geschäftszahlen.

Der Hype um Internetfirmen spült den Yandex-Eigentümern fast 20 Prozent mehr in die Taschen als zunächst geplant. Neben der Sogwirkung der explodierenden Kurse beim Online-Karrierenetzwerk LinkedIn lassen vor allem die Aussichten auf dem wachsenden Internetmarkt Russlands Investoren nach den Papieren greifen.

Yandex gilt als „Google von Russland“ und kommt bei Suchanfragen auf einen Marktanteil von 65 Prozent - das ist rund dreimal soviel wie der Anteil von Google in dem Land. Im vergangenen Jahr erzielte die 1997 gegründete Firma einen Ergebnissprung von 90 Prozent auf 135 Millionen Dollar bei einem Umsatzanstieg von über 40 Prozent auf 445 Millionen Dollar. Die Bewertung von Yandex liegt bei dem 18-fachen Wert der Umsätze. LinkedIn kommt sogar auf eine Bewertung des 34-fachen Umsatzes, während Google-Papiere nur noch weniger als das sechsfache der Umsätze im Jahr 2010 wert sind.

Von

rtr

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