Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2007

07:03 Uhr

Investmentbanker erwarten 40 Neuemissionen für 2007

Große Firmen drängen an die Börse

VonRobert Landgraf und Christian Schnell

Auf deutsche Anleger kommen in diesem Jahr große Börsengänge zu. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts unter Investmentbankern. Georg Hansel, der bei der Deutschen Bank das Geschäft mit Neuemissionen leitet, erwartet „fünf bis zehn milliardenschwere Börsengänge“. Als größte Emission gilt die Aktienplatzierung der Siemens-Autozulieferersparte VDO.

Die Bullen-Skulptur vor Deutscher Börse in Frankfurt. Foto: dpa

Die Bullen-Skulptur vor Deutscher Börse in Frankfurt. Foto: dpa

FRANKFURT. Allein bei dieser Emission rechnen Finanzkreise mit einem Volumen von rund drei Mrd. Euro. Das wäre gut doppelt so viel, wie der Aromahersteller Symrise einspielte, der im vergangenen Jahr die Liste der größten Börsengänge anführte. Symrise und der bayerische Chemiekonzern Wacker Chemie waren 2006 die beiden einzigen Konzerne, die mit ihrer Neuemission den Sprung über die Milliardengrenze schafften.

Aus Sicht der Banken sind jetzt auch die Chancen des Essener RAG-Konzerns für einen milliardenschweren Börsengang in diesem Jahr deutlich gestiegen. Der Grund ist, dass sich der Bund und die Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland grundsätzlich auf ein Auslaufen des deutschen Steinkohlenbergbaus geeinigt haben. RAG-Chef Werner Müller will den „weißen Bereich“ des Konzerns mit dem Energieunternehmen Steag, dem Chemiekonzern Degussa und der Gesellschaft RAG Immobilien an die Börse bringen. Fachleute erwarten ein Emissionsvolumen von 2,5 Mrd. Euro. Die Milliardengrenze überwinden werden auch die geplanten Aktienplatzierungen der beiden Immobilien-Unternehmen Deutsche Annington und Corpus Holding. Mit dem Großmotorenbauer MTU Friedrichshafen sowie dem Fach- und Wissenschaftsverlag Springer Science+Business Media gibt es darüber hinaus zwei schwergewichtige „Geheimkandidaten“ für den Gang auf das Parkett. Beide gehören Finanzinvestoren, die sich schnell für einen Börsengang entscheiden könnten.

Insgesamt erwartet Deutsche-Bank-Experte Hansel bis zu 40 Emissionen im Premiumsegment der Deutschen Börse, dem Prime Standard. Im vergangenen Jahr waren es 32 Börsengänge. Nach Berechnungen der Beratungsfirma Kirchhoff Consult wurden dabei Aktien im Wert von 7,2 Mrd. Euro am Markt platziert. Das war fast doppelt so viel wie 2005. In diesem Jahr sollen es mehr als zehn Mrd. Euro werden.

Die erwartete Zunahme der Börsengänge ist vor allem auf drei Gründe zurückzuführen. „Viele Finanzinvestoren werden Aktienemissionen nutzen, um sich schrittweise von ihren Engagements in deutschen Unternehmen zu trennen“, sagt Dirk Notheis, einer der Leiter des Investment-Bankings von Morgan Stanley in Deutschland. Außerdem lösten mittelständische Familienunternehmen die Nachfolgefrage immer häufiger über einen Börsengang – mit dem sie gleichzeitig ihr Wachstum finanzieren können. Drittens schließlich hält nach Einschätzung von Andreas Raffel, Deutschland-Chef des Bankhauses Rothschild, der Trend an, dass breit aufgestellte, börsennotierte Gesellschaften Teile ihrer Konzerne an die Börse bringen. Neben Siemens will beispielsweise auch Karstadt-Quelle die Versandhandelstochter Neckermann im dritten Quartal dieses Jahres an der Börse platzieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×