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12.05.2011

10:39 Uhr

IPO-Kandidaten

Russische Firmen blasen ihre Börsengänge ab

VonFlorian Willershausen

Kaum ein Tag ist in den letzten Wochen vergangen, ohne dass ein russisches Unternehmen IPO-Pläne bekanntgab. Doch jetzt sagen die Kandidaten plötzlich reihenweise ihre Pläne ab - gleich aus mehreren Gründen.

London Stock Exchange: Die Börse der britischen Hauptstadt ist bevorzugter Handelsplatz russischer Unternehmen. Quelle: PA

London Stock Exchange: Die Börse der britischen Hauptstadt ist bevorzugter Handelsplatz russischer Unternehmen.

MoskauQuer durch die Branchen florieren die Geschäfte russischer Unternehmen, ein hoher Ölpreis hält die Volkswirtschaft des Landes stabil. Beste Bedingungen also, um sich frisches Kapital über die Börse zu beschaffen. Doch jetzt sagen die Kandidaten plötzlich reihenweise ihre geplanten Börsengänge ab - vor allem in London, dem bevorzugten Handelsplatz russischer Unternehmen.

Erst diese Woche wurde bekannt, dass der Staatskonzern Russian Helicopters den Börsengang an der LSE verschiebt. Eigentlich wollte der Konzern 500 Millionen Dollar einsammeln, das Orderbuch blieb jedoch leer. Zwar ist Russian Helicopters im Heimatland als Hersteller ziviler und militärischer Hubschrauber Monopolist. Doch wie der Schuldenberg von fast einer Milliarde Dollar abgetragen werden soll, konnten auch die IPO-Berater der Investmentbanken Merrill Lynch, BNP Paribas und VTB Capital den Investoren nicht ausreichend erklären.

Natürlich fällt den Bankern die Platzierung der Anteile von Staatsunternehmen wie Russian Helicopters nicht leicht. Aber in London mussten in diesem Jahr auch Börsengänge (IPO) privater Unternehmen abgesagt werden - zum Beispiel der von Russlands größter Telekom-Handelskette Evroset. Zuvor waren Börsengänge von Metallurgie-Unternehmen gescheitert, obwohl sie gute Zahlen vorwiesen.

Die Gründe sind vielschichtig. Oft mangelt es an Transparenz, häufig sind die Preisvorstellungen zu hoch. "Oft wecken Banken bei den IPO-Kandidaten zu hohe Erwartungen oder unterstützen absurde Preisvorstellungen, um das Mandat zu bekommen", sagt ein Moskauer Banker. Vor allem in London sind die Ansprüche gestiegen: "Die Anleger gehen bei der Auswahl russischer Aktien kritisch vor", sagt Jörg Bongartz, Chef der Deutschen Bank in Russland.

Die Hoffnungen der Branche ruhen jetzt auf Yandex: Der Moskauer IT-Riese, dessen Suchmaschine im Osten weit populärer als Google ist, wagt Ende Mai an der New Yorker Nasdaq den Sprung aufs Parkett. Analysten schätzen den Wert des in Holland registrierten Internetriesen auf sieben Milliarden Dollar, obwohl der Umsatz voriges Jahr nur bei 440 Millionen Dollar lag. Anleger zeigen derzeit großes Interessen, so dass Marktbeobachter mit einem erfolgreichen Debüt von Yandex rechnen.

Den Rekord des Jahres 2007 werden russische Unternehmen dieses Jahr trotzdem nicht knacken. Damals spülten Börsengänge russischen Unternehmen 31 Milliarden Dollar in die Kassen. Dieses Jahr rechnet die Deutsche Bank maximal mit 20 Milliarden Dollar.


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