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24.05.2011

14:57 Uhr

Kapitalerhöhung

Commerzbank-Aktie nähert sich dem Tiefpunkt

VonJörg Hackhausen

Die Aktie der Commerzbank wird erstmals ohne Bezugsrechte für die Kapitalerhöhung gehandelt. Deshalb kostet sie knapp 20 Prozent weniger als am Vortag. Manche Analysten haben ihren Optimismus bereits wieder gefunden.

Die Kapitalerhöhung hat die Aktie der Commerzbank stark belastet. Quelle: dapd

Die Kapitalerhöhung hat die Aktie der Commerzbank stark belastet.

FrankfurtEs ist der Tag der Wahrheit für die Aktionäre der Commerzbank: Die Aktie wird zum ersten Mal ohne Bezugsrechte gehandelt. Sie kostet aktuell 3,03 Euro, nachdem sie gestern bei 3,74 Euro aus dem Handel gegangen war. Bis zum Nachmittag wechselten Papiere im Wert von über 250 Millionen Euro den Besitzer. Damit lag das Handelsvolumen deutlich höher als bei allen anderen Dax-Aktien - der nächst höhere Wert war Daimler mit einem Volumen von 185 Millionen Euro.

Gespannt schauten die Aktionäre der Commerzbank auch auf den Handel mit Bezugsrechten für neue Aktien. Diese werden seit heute an der Börse separat notiert, zurletzt mit rund 77 Cent. Im frühen Handel war der Kurs der Bezugsrechte zeitweise deutlich unter Druck gekommen und bis auf 65 Cent gefallen. Die Aktionäre können von nun an für elf alte Aktien zehn junge Aktien beziehen.

Die Commerzbank hatte während der Finanzkrise mehr als 18 Milliarden Euro an Staatshilfen bekommen. Nun will sie den Staat wieder auszahlen, dafür muss sie Geld auf dem Kapitalmarkt einsammeln. Insgesamt wirft die Bank gut 2,4 Milliarden neue Aktien zum Preis von 2,18 Euro pro Stück auf den Markt. Die Zahl der Aktien verdoppelt sich dadurch. Die Ankündigung der Kapitalerhöhung hatte die Aktie in den vergangenen Wochen belastet - im April kostete sie noch mehr als fünf Euro. Die Kapitalerhöhung bedeutet für die Altaktionäre eine deutliche Verwässerung ihrer Anteile.

Der sehr niedrige Ausgabekurs der neuen Aktien bedinge eine stärkere Erhöhung der Aktienanzahl und damit auch eine deutlichere Gewinnverwässerung, als er es erwartet habe, erklärte Michael Seufert von der NordLB. Dennoch sei angesichts der mittlerweile wieder erreichten Rentabilität ein Kurs von vier Euro auf Basis des Buchwertes angemessen. Die NordLB hat die Commerzbank nach der angekündigten zweiten Phase der von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft, das Kursziel aber von 4,40 auf 4,00 Euro gesenkt.

Die französische Investmentbank Cheuvreux hat die Einstufung für die Aktie auf "Kaufen" belassen. Die Kapitalmaßnahme dürfte das Ergebnis je Aktie um 24 Prozent verwässern, schrieb Analyst Cyril Meilland in einer Studie vom Montag. Daraus ergäbe sich ein bereinigtes neues Kursziel von 5,40 Euro. Dies berge für die Aktie ein Aufwärtspotenzial von rund 75 Prozent.

Weit weniger optimistisch urteilt Matthias Engelmayer von Independent Research. Der Verwässerungseffekt sei erneut unerwartet hoch, schrieb der Analyst in einer Studie. Wegen des niedrigen Bezugspreises von 2,18 Euro je Aktie ergebe sich für die Aktionäre aber die Möglichkeit einer Emissionsarbitrage bei der vollständigen Ausübung der Bezugsrechte und dem gleichzeitigen Verkauf der gehaltenen Aktien.

An seiner fundamentalen Einschätzung der Papiere halte er allerdings fest: Trotz der operativen Fortschritte sehe er wegen der hohen Bewertung sowie möglicher, sehr hoher Abschreibungen im Falle einer Umschuldung Griechenlands kein Kurspotenzial. Engelmayer senkte das Kursziel von 4,10 auf 3,50 Euro und beließt die Einstufung auf "Verkaufen".

Was den Aktionären blüht

Was kommt auf die Aktionäre zu?

Alle Commerzbank-Aktionäre erhalten von der Bank ein Schreiben, zu welchen Konditionen die Kapitalerhöhung stattfinden wird. Wie das Institut gestern Abend mitteilte, kosten die neuen Aktien 2,18 Euro. Jeder Aktionär erhält das Recht pro elf alte Aktien zehn neue Aktien zu erwerben. Das Bezugsrecht endet am 6. Juni.

Was bedeutet eine Teilnahme?

Wenn Aktionäre ihren Anteil am Grundkapital der Commerzbank stabil halten wollen, weil sie an einen Erfolg der Bank glauben, müssen sie bei der Kapitalerhöhung mitmachen. Diese Option wird ihnen durch den kräftigen Abschlag auf den Aktienkurs versüßt, der rund 45 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag betragen wird. Die Aktie ging mit 3,95 Euro aus dem Handel. Der Abschlag ist damit größer als derjenige, den die Deutsche Bank bei ihrer Kapitalerhöhung im Herbst 2010 bieten musste.

Was unterscheidet diese Kapitalerhöhung von der im April?

Diesmal weiß der Anleger vorher, zu welchem Preis er die neuen Aktien erwerben kann. Und er hat ein verkäufliches Bezugsrecht. Bei der Transaktion im April hatten die Aktionäre dagegen nur ein Erwerbsrecht für neue Aktien erhalten. Das bedeutet, sie konnten dieses Recht nur ausüben oder es verfallen lassen. Ein Verkauf des Erwerbsrechts war praktisch nicht möglich. Außerdem wussten die Anleger nicht vorab, zu welchem Preis die neuen Aktien platziert würden. Sie hätten also die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen müssen. Das gilt mit als Grund dafür, weshalb nur 22 Prozent der Altaktionäre mitzogen.

Was bedeutet ein Verzicht?

In dem Fall verringert sich der Anteil des Aktionärs am Grundkapital der Bank deutlich. Im Fachjargon spricht man von einer "Verwässerung". Die Zahl der Aktien wird sich nämlich in diesem zweiten Schritt beinahe verdoppeln. Verzichtet der Anleger auf die Kapitalerhöhung, kann er aber immerhin seine Bezugsrechte an den neuen Aktien über die Börse verkaufen. Zu welchem Preis, das entscheiden Angebot und Nachfrage. Der theoretische Wert der Bezugsrechte dürfte bei 84 Cent liegen.

Was machen die Großaktionäre?

Der Bund will seinen Anteil von 25 Prozent und einer Aktie behalten und wird sich mit rund 1,35 Milliarden Euro beteiligen, indem er stille Einlagen in Aktien umtauscht. Die Allianz, die beim ersten Teil der Kapitalerhöhung nicht mitzog, hat angekündigt, beim zweiten Teil der Kapitalerhöhung all ihre Bezugsrechte auszuüben. Dadurch hält sie ihren Anteil, der im ersten Schritt auf 4,85 Prozent verwässert wurde, diesmal stabil. Der Versicherer Generali wird dagegen nicht teilnehmen.

Was bedeutet das für den Kurs?

Aktien und Bezugsrechte werden ab dem 24. Mai getrennt voneinander gehandelt. Sobald das geschieht, wird der Aktienkurs sich in etwa um den Wert der Bezugsrechte verringern. Beim aktuellen Stand hieße das, dass er auf gut drei Euro fällt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.05.2011, 13:49 Uhr

Na das wär wohl die schlechteste aller Möglichkeiten. Schließlich handelt es sich um die zweitgrösste Bank in Deutschland. Systemrelevant wie es so schön heißt. Ich würd die Aktie dennoch vorerst nicht kaufen. wenn sie 2,x€ kostet dann könnt ich nochmal ins grübeln kommen.

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