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05.03.2012

14:05 Uhr

Kapitalerhöhung

Commerzbank-Aktien geben kräftig nach

Das Anleihen-Rückkaufprogramm der Commerzbank stößt auf wenig Gegenliebe bei Investoren. Die Aktien verlieren deutlich. Analysten sehen das Problem vor allem beim Preis.

Das Logo der Commerzbank in der Zentrale in Frankfurt. dapd

Das Logo der Commerzbank in der Zentrale in Frankfurt.

FrankfurtDas Ergebnis des Hybridanleihen-Rückkaufprogramms der Commerzbank hat Investoren am Montag nicht überzeugt. Die Aktien der Bank zählten mit einem Minus zeitweise mehr als drei Prozent auf 1,89 Euro zu den größten Verlierern im Dax. Das Institut hat von seinen Anlegern Hybridpapiere mit einem Nominalvolumen von 965 Millionen Euro gekauft und wandelt diese in 361 Millionen neue Aktien mit einem Preis von 1,91 Euro je Stück. Das Kernkapital der Commerzbank erhöht sich damit um sieben Prozent.

Das Investoren-Interesse an dieser Aktion beschrieben Händler als „mäßig“: Immerhin hatte das von der Commerzbank offerierte Ankaufsvolumen bei 3,16 Milliarden Euro gelegen. „Es ist ja nicht die erste Kapitalmaßnahme der Commerzbank, von daher ist ein geringer werdendes Interesse von Investorenseite durchaus nachvollziehbar“, sagte ein Analyst.

„Der Preis von 1,91 Euro je Aktie ist nicht sonderlich attraktiv, das gibt ja fast keine Prämie zum Börsenkurs, und auch von der Dividendenrendite her lohnt sich das nicht. Man muss ja auch den Verwässerungseffekt bedenken“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Grundsätzlich sei das Rückkaufprogramm dennoch als Erfolg zu werten, schrieb Equinet-Analyst Philipp Häßler. Der Kapitalbedarf der Commerzbank sollte nun gedeckt werden können, und eine Zustimmung der EBA zu den Kapitalplänen der Commerzbank sei absehbar. Die Analysten von Cheuvreux setzten das Institut auf ihre sektorübergreifende Empfehlungsliste für Deutschland und Europa.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Mit dem Tausch von nachrangigen Anleihen in Aktien will das Institut sein hartes Kernkapital Euro aufbessern. Die Kapitalerhöhung verwässert allerdings den Anteil der bisherigen Anteilseigner. Der Bund tauscht einen Teil seiner Stillen Einlagen in neue Anteilsscheine und ist damit weiter mit etwas mehr als 25 Prozent an der Bank beteiligt. Da die Bank ihre eigenen Verbindlichkeiten billiger zurückkaufen konnte als diese in den Büchern standen, steigert die Transaktion den Überschuss im ersten Halbjahr um 87 Millionen Euro.

WestLB-Analyst Neil Smith sagte zu Reuters: „Trotzdem wird es damit für die Commerzbank deutlich leichter, die Anforderungen der EBA zu erfüllen.“ Zuletzt fehlten der zweitgrößten deutschen Bank noch 1,8 Milliarden Euro, um die beim Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA ermittelte Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro zu schließen. Mit dem nun abgeschlossenen Rückkauf der eigenen Schulden sinkt der offene Kapitalbedarf auf rund eine Milliarde Euro. Dabei betonte die Bank stets, dass sie den Umtausch gar nicht brauche, um die EBA-Vorgaben zu erfüllen. Bis Ende Juni will das Institut sein Kernkapital um weitere 2,9 Milliarden Euro stärken. Rund 1,2 Milliarden Euro sollen aus dem erwarteten Gewinn im ersten Halbjahr 2012 kommen, der Rest aus dem beschleunigten Abbau von Randaktivitäten und weiteren Risikopositionen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

05.03.2012, 12:52 Uhr

Jetzt habe ich mal eine Frage: Hat der Bund, durch diese Maßnahme, seine Sperrminorität von 25% + 1 Aktie, eingebüsst?
Oder handelt es sich hierbei um stimmrechtlose Aktien?

luftnummer

05.03.2012, 12:59 Uhr

Stimmrechtslose Luftnummern! Also, rasch kaufen. Denn der Mensch braucht Sauerstoff zum Überleben - das wäre dann keine Spekulation, bis zum Infarkt oder so.

User

05.03.2012, 13:00 Uhr

Zitat: "Das Institut hat von seinen Anlegern Hybridpapiere mit einem Nominalvolumen von 965 Millionen Euro gekauft und wandelt diese in 361 Millionen neue Aktien mit einem Preis von 1,91 Euro je Stück."

Meine Frage: 965 Millionen Euro in Anleihen gegen 361 Stück Aktien das bedeutet für mich 965:361 = 2,67 Euro pro Aktie - wo liegt mein Rechenfeheler :-)

Danke für Ihre Antwort ...

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