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22.04.2013

11:27 Uhr

Keine öffentliche Emission

Evonik startet Börsengang durch die Hintertür

Bereits drei Mal hat Evonik seinen Börsengang absagt. Nun scheint es tatsächlich zu klappen: Ende der Woche startet der Chemiekonzern auf dem Frankfurter Parkett. Aktien im Wert von zwei Milliarden Euro werden gehandelt.

Evonik-Chef Klaus Engel will endlich die Glocke an der Frankfurter Börse läuten. dpa

Evonik-Chef Klaus Engel will endlich die Glocke an der Frankfurter Börse läuten.

Frankfurt/EssenFußballfans ist der Evonik-Schriftzug vom Trikot des Deutschen Fußballmeisters Borussia Dortmund schon länger geläufig. Nun lernen auch Börsenhändler ohne Sportambitionen den Essener Spezialchemiekonzern kennen. Nach drei gescheiterten Anläufen in den vergangenen Jahren wagt das Unternehmen erneut den Sprung an die Börse – und diesmal aller Voraussicht nach mit Erfolg.

Nach der Börsenzulassung werde mit der Erstnotierung am Frankfurter Parkett am Donnerstag gerechnet, hieß es am Montag aus Anlegerkreisen. Börsenfachleute erwarten, dass der Wert sehr schnell in den MDax aufsteigt.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Es ist Deutschlands bisher größter Börsengang des Jahres – und zugleich ein Börsengang durch die Hintertür. Die Deutsche Bank und die Investmentbank MainFirst begleiten Evonik an den Aktienmarkt. Das Unternehmen startet keine klassische öffentliche Emission, sondern hat im Februar und März in mehreren Schritten rund zwölf Prozent der Aktien bei vorbörslichen Privatplatzierungen an Investoren wie den Singapur-Staatsfonds Temasek vergeben.

Zwei weitere Prozent gehen an institutionelle Investoren. Wegen der großen Nachfrage habe sich der zugrunde gelegte Preis im Laufe des Verfahrens erhöht, hieß es. Insgesamt wird für die 14 Prozent der Aktien mit Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro gerechnet.

Dax-Prognose: Wo steht der Leitindex Ende 2013?

Umfrage

Knapp 30 Prozent hat der Dax 2012 zugelegt. Weil Deutschlands Topkonzerne bestens aufgestellt sind, hält der Aufwärtstrend in diesem Jahr an, sagen Experten.

Quelle: Handelsblatt, Stand: 30.12.2012

Der Träumer

Nomura: 8.890 Punkte

Die Super-Optimisten

8500 Punkte erwarten Baader Bank, Commerzbank, Haspa und LBBW

Die Optimisten

Bank of America Merrill Lynch und Warburg: 8400 Punkte
BHF-Bank und Hauck & Aufhäuser: 8300 Punkte

Die Zuversichtlichen

Santander Bank: 8250 Punkte
Helaba, HSBC Trinkaus, Landesbank Berlin, Natixis, WGZ-Bank: 8200 Punkte

Die Durchschnittlichen

VP Bank: 8100 Punkte
BNP Paribas: 8084 Punkte

Der Durchschnitt

Der Schnitt aller befragten Experten liegt bei 8029 Punkten

Die 8.000er

8000 Punkte erwarten bis Ende 2013 Bankhaus Lampe, Bayerische Landesbank, Dekabank, Deutsche Bank und Unicredit

Die Vorsichtigen

7800 Punkte sehen Bank Julius Bär, Berenberg Bank, DZ Bank, NordLB und UBS
JP Morgan: 7785 Punkte
Postbank: 7750 Punkte

Die Negativen

Fürst Fugger Privatbank: 7600 Punkte
Bank Sarasin: 7500 Punkte

Die Pessimisten

National Bank: 7300 Punkte
Sociètè Gènèrale: 7250 Punkte

Der Super-Pessimist

Bankhaus Ellwanger & Geiger: 6900 Punkte

Evonik-Chef Klaus Engel versprach den Investoren im März bei der Bilanzvorlage ein „attraktives Wachstum ohne Abenteuer“. Der einstige Mischkonzern – 2007 aus den Industrieanteilen des Kohlekonzerns RAG hervorgegangen – hatte sein Portfolio seit Jahren zielstrebig auf das Kernfeld Spezialchemie und den Börsengang getrimmt: Die Mehrheit an der Energietochter Evonik-Steag wurde verkauft. 2011 gab Evonik sein Ruße-Geschäft (Carbon Black) ab, 2012 folgten die Farbstoffe (Colorants) und Evonik trennt sich von Teilen seiner Immobilien-Tochter Vivawest.

Der Konzerngewinn stieg 2012 um knapp ein Fünftel auf 1,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen investiert stark in Asien und setzt auf Trends wie die weltweit immer hochwertigere Ernährung mit steigendem Fleischanteil: Evonik baut riesige Fabriken für Aminosäuren zur Tierfutterproduktion.

Marktanalyse: Warum Unternehmen sich vor Börsengängen drücken

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Warum Unternehmen sich vor Börsengängen drücken

LEG hat das Eis gebrochen. Trotzdem scheuen Unternehmen den Börsengang.

Beim globalen Bevölkerungswachstum ist Evonik mit Superabsorbern für Babywindeln dabei. Die Investitionen in aller Welt kann Evonik dabei fast komplett aus eigenen Mitteln decken, größere Übernahme-Abenteuer hat sich das Management bisher verkniffen.

Für den Haupteigner RAG-Stiftung, dem nach dem Börsengang noch rund 68 Prozent verbleiben, ist Evonik ein Dauerinvestment mit festgeschriebenem Ziel: Aus den Erlösen des Börsengangs, Dividenden und Kapitaleinnahmen muss die Stiftung nach ihrer Satzung die dauerhaften Folgekosten des Steinkohlebergbaus in Deutschland nach dem Ende der Förderung 2018 tragen.

Schaffen diese Aktien den Turnaround? (Deutschland)

Aixtron

Kursveränderung 12 Monate: -19,81 Prozent
Börsenwert: 1,05 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 0,0 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 2,16
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): negativ

Commerzbank

Kursveränderung 12 Monate: -37,67 Prozent
Börsenwert: 7,01 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 0,0 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 0,31
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 9,47

Deutsche Bank

Kursveränderung 12 Monate: -15,37 Prozent
Börsenwert: 30,48 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 2,28 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 0,53
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 7,55

Dialog Semiconductor

Kursveränderung 12 Monate: -33,56 Prozent
Börsenwert: 0,81 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 0,0 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 1,78
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 11,47

Eon

Kursveränderung 12 Monate: -25,25 Prozent
Börsenwert: 27,93 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 7,89 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 0,68
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 10,27

Hamburger Hafen und Logistik

Kursveränderung 12 Monate: -32,24 Prozent
Börsenwert: 1,29 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 3,66 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 1,80
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 16,49

Metro

Kursveränderung 12 Monate: -25,17 Prozent
Börsenwert: 7,44 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 4,39 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 1,33
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 15,45

Rheinmetall

Kursveränderung 12 Monate: -15,21 Prozent
Börsenwert: 1,48 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 4,82 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 0,88
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 8,17

RWE

Kursveränderung 12 Monate: -18,68 Prozent
Börsenwert: 18,30 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 6,71 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 1,12
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 7,88

Salzgitter

Kursveränderung 12 Monate: -20,31 Prozent
Börsenwert: 1,98 Milliarden Euro
Dividendenrendite: 0,76 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013): 0,47
Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 21,29

Nach aktuellen Berechnungen benötigt die Stiftung für diese „Ewigkeitslasten“ ab 2019 einen Vermögensstock von rund 13 Milliarden Euro. Die rund zwei Milliarden Euro für 14 Prozent Aktienanteil entsprechen einer Unternehmensbewertung von gut 14 Milliarden Euro. Das Ziel dürfte erreicht und übertroffen werden, wenn Evonik-Chef Engel bei der Erstnotierung in Frankfurt die Glocke läutet.

Beim Verkauf der letzten Tranche werde eine Bewertung des Konzerns von etwas mehr als 15 Milliarden Euro erwartet, hatte es bereits in Finanzkreisen geheißen. Der Finanzinvestor CVC und die RAG-Stiftung werfen dabei jeweils ein Prozent auf den Markt. Am Donnerstag stehe dann die Erstnotiz an. CVC - die ursprünglich rund 25 Prozent an Evonik besaß - dürfte danach bald weitere Papiere verkaufen.

Sehr viel unsicherer sind dagegen die Aussichten des von Evonik gesponserten BVB: Der schwarz-gelbe Ruhrgebietsclub, dem viele Evonik-Mitarbeiter auch privat anhängen, spielt an diesem Mittwoch gegen Real Madrid im Champions League-Halbfinale. Eine Niederlage könnte Engel alle Börsenfreunden verderben.

Kommentare (2)

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Tuschkopf

22.04.2013, 13:34 Uhr

Also, die RAG-Stiftung besorgt sich jetzt mit dem Börsengang das Geld, was sie braucht, um die Altlasten vom Steinkohlebergbau zu tragen. Und dazu benötigt sie 13 Milliarden Euro, wobei jetzt erst Mal 2-5 Milliarden von den Käufern eingesammelt werden und sie weiter 68% hält. Also reden wir hier von 32% Freiverkehrsaktien, die garantiert nie ein Mitspracherecht ermöglichen. Braucht das wer?

willi

22.04.2013, 14:23 Uhr

Ja, das braucht wer. Wenn die Fa so solide weiter wirtschaftet wird das ein positiver Beitrag zu Depot und Dividendensaldo.

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