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03.06.2013

17:35 Uhr

Kion und Deutsche Annington

Zwei Milliardenkonzene vor dem Schritt an die Börse

Das freundliche Kapitalmarktumfeld lockt die Konzerne derzeit an. Gleich zwei deutsche Milliardenunternehmen stehen in den Startlöchern: Kion und der Wohnungskonzern Deutsche Annington. Weitere könnten folgen.

Das freundliche Kapitalmarktumfeld verlockt derzeit gleich mehrere Schwergewichte zum Börsengang. dpa

Das freundliche Kapitalmarktumfeld verlockt derzeit gleich mehrere Schwergewichte zum Börsengang.

FrankfurtWegen des freundlichen Kapitalmarktumfelds wollen weitere deutsche Konzerne den Gang an die Börse wagen. Nach dem Immobilienkonzern LEG, der Chemiefirma Evonik und der Fernsehgruppe RTL drängt jetzt der Wiesbadener Gabelstaplerhersteller Kion mit großen Schritten Richtung Börsenlisting. Auch Deutschlands führender Wohnungskonzern Deutsche Annington steht Kreisen zufolge in den Startlöchern und will seine Pläne in kürze publik machen. Der Wissenschaftsverlag Springer Science denkt Insidern zufolge ebenfalls an einen Börsengang - allerdings seien auch Verkaufspläne noch nicht vom Tisch.

Angelockt werden die Firmen von der seit Wochen anhaltenden Geldschwemme am Aktienmarkt: Der deutsche Leitindex Dax war zuletzt kräftig gestiegen und hatte erst vor rund zwei Wochen mit 8557 Punkten ein neues Rekordhoch markiert.

Kion will den Schritt aufs Parkett schon innerhalb der nächsten Wochen wagen. Geplant sei die Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse bis zum Sommer, teilte der nach Toyota Industries weltweit zweitgrößte Gabelstapler-Produzent am Montag mit. Die Mehrheitseigentümer KKR und Goldman Sachs sollen dabei an Bord bleiben, der chinesische Maschinenbaukonzern Weichai Power soll als Ankerinvestor seine Beteiligung sogar aufstocken.

KKR und Goldman Sachs hatten die ehemalige Gabelstapler-Sparte des Dax-Konzerns Linde 2006 übernommen. Weichai Power war im vergangenen Jahr dazugestoßen. Die Chinesen übernahmen für mehr als 730 Millionen Euro ein Viertel der Anteile und sicherten sich die Mehrheit an der Hydraulik-Sparte von Kion. Es war die bislang größte Investition eines chinesischen Unternehmens in Deutschland.

Einschließlich Schulden und Pensionsverpflichtungen wird Kion zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge mit mehr als fünf Milliarden Euro Enterprise Value bewertet. Der reine Unternehmenswert (Equity Value) liegt einem der Insider zufolge bei rund 3,5 Milliarden Euro.

Geplant ist den beiden Insidern zufolge eine Kapitalerhöhung mit neuen Investoren im Volumen von rund 500 Millionen Euro. Weitere rund 400 Millionen Euro werde Weichai beitragen, um seine Anteile auch nach der Verwässerung durch die Kapitalerhöhung von derzeit 25 auf 30 Prozent zu erhöhen. Außerdem sollen den Insidern zufolge weitere rund 100 Millionen Euro an Darlehen von KKR und Goldman Sachs in Eigenkapital umgewandelt werden. Insgesamt würde Kion so rund eine Milliarde zusätzliches Eigenkapital zufließen.

Fakten zum Dax

Fakt 1

Der Dax führt den Index der „Börsen-Zeitung“ fort. Basis der Indexberechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten. Die historische Zeitreihe reicht bis 1959 zurück.

Fakt 2

Dem Dax gehören die Aktien der 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse an.

Fakt 3

Der Dax wird als Performance-Index berechnet und unterscheidet sich so wesentlich vom Dow-Jones-Index für die US-Standardwerte, in dem die Aktien nicht gewichtet sind.

Fakt 4

Das Gewicht einer Aktie bemisst sich nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung der im Index enthaltenen Werte.

Fakt 5

Wichtigstes Kriterium für die Dax-Aufnahme sind der Wert des Unternehmens an der Börse (Marktkapitalisierung) und der Börsenumsatz. Jeweils zu Monatsbeginn erstellt die Börse eine Rangliste für Börsenumsatz und Marktkapitalisierung. Diese dient auch dem Arbeitskreis Aktienindizes als Entscheidungsgrundlage bei der Überprüfung des Index. Daneben werden unter anderem auch der Streubesitz oder die Sektorenzugehörigkeit berücksichtigt.

Fakt 6

Bei Dividenden- oder Bonuszahlungen wird die Indexberechnung um den Betrag der Barausschüttung korrigiert. Ähnliches gilt bei Kapitalmaßnahmen.

Fakt 7

Zur Dax-Familie zählen für die Nebenwerte der MDax und für die Kleinwerte der SDax, denen je 50 Werte angehören. Zudem gibt es den TecDax mit 30 Technologieaktien.

Fakt 8

Die Zusammensetzung des Dax wird einmal jährlich im September vom Arbeitskreis Aktienindizes überprüft. Diesem gehören die Deutsche Börse und Banken aus dem In- und Ausland an. Der Arbeitskreis tagt vier Mal im Jahr: im März, Juni, September, Dezember. Dabei überprüft er vor allem die Zusammensetzung der übrigen Indizes.

Fakt 9

Der Dax wird auf Basis der Xetra-Kurse von 9.00 bis 17.30 Uhr sekündlich berechnet. Danach gibt es einen L-Dax, der die Kursentwicklung an der bis 20.00 Uhr offenen Parkettbörse abbildet.

Auch bei Deutscher Annington beginnt heiße Phase

Auch der Wohnungskonzern Deutsche Annington strebt Kreisen zufolge Anfang Juli das Börsenlisting an. Die Erstnotiz werde weiter rund um den 4. Juli angepeilt, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen. Deutsche Annington gehört dem Finanzinvestor Terra Firma, der seit Jahren nach einer günstigen Gelegenheit für den Ausstieg sucht. Zunächst sollen den Insider zufolge mehr als 20 Prozent der Anteile gelistet werden. Bei einer Bewertung des Bochumer Unternehmens von 4,1 bis 4,5 Milliarden Euro - ohne Schulden - wäre das IPO damit "ziemlich sicher milliardenschwer", sagte einer der Insider.

Annington verwaltet mehr als 210.000 Wohnungen in Deutschland und ist damit unangefochtener Marktführer. Auf mittlere Sicht gilt der Konzern als Kandidat für den Dax, in den es noch keine Immobiliengesellschaft geschafft hat. Kion könnte nach Ansicht von Experten mindestens in den Nebenwerteindex MDax kommen - auch hier wird ein Aufstieg in den Leitindex Dax nicht ausgeschlossen.

Von

rtr

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