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20.05.2011

17:56 Uhr

Kommentar

Von einer Web-2.0-Blase sind wir weit entfernt

VonRafael Bujotzek

Linkedin hat bewiesen, wie viel Geld Internetideen an der Börse bringen können. Jetzt werden Facebook, Twitter oder Groupon nachstürmen. Anleger sollten dem Hype nicht blind folgen.

Gewonnen aber doch verloren: LinkedIn-Gründer Reid Hoffman hätte heute weit mehr verdienen können. Quelle: Reuters

Gewonnen aber doch verloren: LinkedIn-Gründer Reid Hoffman hätte heute weit mehr verdienen können.

Diesen Tag wird er lange nicht vergessen: Reid Hoffmann, Gründer des Online-Karrierenetzwerks Linkedin, hat nach zehn Jahren seine Idee an die Börse gebracht. Kurz nach der Ausgabe schnellte der Aktienkurs nach oben. Vom Ausgabepreis bei 45 Dollar ging es zeitweise hoch bis auf 122 Dollar. Die Wall Street ist sprachlos. Selbst die größten Optimisten wurden überrascht.

Kritiker dagegen schreien auf: Sind wir gedanklich wieder in den 90er-Jahren, als Investoren bereit waren, jedem Studenten mit Brille und Start-up viel Geld in die Hand zu drücken?

Ein Netzwerk mit profitablem Geschäftsmodell

Reid Hoffmanns Linkedin ist kein solcher Start-up-Laden. Sein Unternehmen hat sich über Jahre bewiesen und den Börsengang gut vorbereitet. Linkedin hat ein profitables Geschäftsmodell: 2010 stand ein Gewinn von 15,4 Millionen Dollar. Und nach einer Durststrecke in diesem Jahr soll es ab 2012 weiter aufwärts gehen.

Nutzer bezahlen bei intensiver Nutzung eine Gebühr für den Dienst. Noch weit mehr Geld kommt durch Werbung herein, weil Anzeigenkunden die geschäftstüchtige, rund 100 Millionen Nutzer starke Kundschaft schätzen. Das spricht für eine Investition.

Zudem hat Linkedin im Markt der Karrierenetzwerke keine nennenswerte Konkurrenz. Das seit einiger Zeit börsennotierte deutsche Pendant Xing ist international mit nur einem Zehntel an Nutzern kein großer Gegenspieler.

Dazu kommt, dass Mitgründer und Chairman Hoffmann kein unbeschriebenes Blatt ist. In seinem Lebenslauf tummelt sich das Who-is-Who der New Economy. Von Ebay über Apple bis Fujitsu hat Hoffmann überall schon Station gemacht, Geld verdient und Erfahrung gesammelt.

Angesteckt von Linkedin werden in den nächsten Monaten viele Kandidaten ihr Heil im Börsenkapital suchen. Eine Blase, die manch ein Beobachter jetzt schon sieht, bedeutet das aber noch nicht. Anders als bei der Dot-Com-Blase will diesmal nur eine Handvoll Unternehmen auf den Markt. Das macht es übersichtlicher. Und: Sie sind keine klassischen Start-ups mehr, haben ihre Nutzer geduldig angehäuft und sich einen Namen gemacht.

Kommentare (3)

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Nebenbei_bemerkt

20.05.2011, 18:32 Uhr

Blase hin, Blase her - Fakt ist, dass eine Menge billiges Geld um den Globus wabert - Silly Money - das schnell investiert und mit Gewinn wieder rausgezogen werden will. Die erwähnten Namen repräsentieren allesamt Unternehmen ohne ein tragfähiges Geschäftsmodell.
Es sind sicherlich ganz nette, aber entbehrliche Dienste und Websites, die aber abseits des stets wie ein Mantra beschworenen, aber schrumpfenden Werbemarktes keine nachhaltigen Revenue Streams versprechen. Sobald der Nutzer von der Werbung genervt ist oder für "Dienste" zahlen soll oder ein geklontes Portal entdeckt oder in Bezug auf den Umgang mit seinen persönl. Daten sicherheitsbewusster wird, ist er weg und verzichtet auf die netten Gimmicks... Aus die Maus.
Und immer dran denken: LinkedIn-Aktien kann man nicht essen...

HerrVogel

20.05.2011, 18:39 Uhr

Und wo bitte schön ist die Begründung warum es sich diesmal um keine Buble handelt? In wesentlichen Textabschnitten ist eher von den Risiken die Rede! Durfte hier wieder mal ein Praktikant einen Kommentar schreiben?

Leser

20.05.2011, 18:54 Uhr

"Linkedin hat ein profitables Geschäftsmodell: 2010 stand ein Gewinn von 15,4 Millionen Dollar."

Muharhar, 15 Mio. Gewinn mit 1300 Angestellten....und nun soll der Laden auf einmal 10 Mrd. wert sein?
Vom Handelsblatt hätte ich mehr Durchblick erwartet!

Wenn das keine Blase ist, wie sehen dann Blasen aus?

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