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01.03.2013

16:13 Uhr

Kommt die Kapitalerhöhung?

Aktie der Deutschen Bank stürzt ab

Goldman Sachs setzt der Deutschen Bank zu. Die Amerikaner raten, die Aktie von Deutschlands größter Bank zu verkaufen. Grund: Erneute Sorgen um die Kapitalquote. Der Aktienkurs sackt ab.

Goldman Sachs sagt "Verkaufen" bei Deutsche-Bank-Aktie

Video: Goldman Sachs sagt "Verkaufen" bei Deutsche-Bank-Aktie

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FrankfurtAlte Probleme, neue Kursverluste: Die Aktie der Deutschen Bank hat am Freitag zeitweise fast sechs Prozent auf 33,12 Euro eingebüßt und ist damit auf den niedrigsten Stand im bisherigen Jahresverlauf abgestürzt. Es war der größte Kursrutsch seit Ende September. Der Börsenwert der Bank verringerte sich auf einen Schlag um 1,6 Milliarden Euro.

Vor allem eine Studie des Erzrivalen Goldman Sachs schlug den Anlegern aufs Gemüt. Darin stuften die Analysten die Aktie des deutschen Branchenprimus auf „Verkaufen“ herab und begründeten das mit neuen Sorgen um die Kapitalausstattung. Eine Klage der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi gegen die Deutsche Bank wegen verlustträchtiger Derivatedeals drückte zusätzlich auf die Stimmung, so dass die Aktie die Liste der Dax-Verlierer anführte.

Nach Ansicht der Goldman-Analysten muss die Deutsche Bank 13 Milliarden Dollar in ihre US-Tochter nachschießen, wenn sie die absehbar höheren Kapitalanforderungen in den USA erfüllen will. „Ein solcher interner Transfer dürfte die Kapitalausstattung der Bank außerhalb des US-Geschäfts deutlich schmälern - was wiederum den Druck in Sachen Kapitalerhöhung erhöhen könnte“, hieß es in der Studie.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Viele Risiken

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, versuchte Strafvereitelung – die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank bis in den Vorstand wiegen schwer. Die laufenden Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten sind nicht die einzige juristische Baustelle des größten deutschen Geldhauses. In den ersten neun Monaten 2012 legte der Dax-Konzern 750 Millionen Euro für juristische Risiken zur Seite. Insgesamt schätzt der Konzern seine Rechtsrisiken nach jüngsten Angaben auf 2,5 Milliarden Euro. Ein Überblick.

Emissionsrechte

Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur, die den deutschen Fiskus um hunderte Millionen schädigten. Schon 2010 gab es in diesem Zusammenhang eine Razzia bei der Deutschen Bank. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer einer internationalen Bande verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen. In dem Prozess vor dem Landgericht Frankfurt musste sich die Deutsche Bank vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben. Die Bank hatte seinerzeit betont, es gebe bisher „keine Hinweise auf eine Verstrickung der Mitarbeiter der Bank“. Am Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut Geschäftsräume des Instituts. Gegen fünf Mitarbeiter erging Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung, die Zahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 25. Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterzeichneten.

Libor

Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns in den Jahren 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, daran gibt es auch nach Angaben der Bank keine Zweifel. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war der seit Juni amtierende Co-Chef Anshu Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Ende November musste sich Rechtsvorstand Stephan Leithner im Bundestags-Finanzausschuss unangenehme Fragen gefallen lassen. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Kirch

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch droht der Bank eine möglicherweise teure Niederlage. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) verurteilte die Bank zu Schadenersatz. Die Höhe ist noch offen und soll von Gutachtern ermittelt werden. Der damalige Konzern-Chefs Rolf Breuer hatte Anfang 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Wochen danach brach der Kirch-Konzern zusammen. Kirch machte Breuer und die Bank zeitlebens dafür verantwortlich. Dessen Erben fordern in dem Münchner Verfahren gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer nennt das Interview heute einen „Unfall“, einen Vergleich lehnte die Bank ab.

USA

Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

Stand: 13. Dezember 2012, Quelle: dpa

Die Notenbank Fed tüftelt derzeit an Plänen, dass alle Auslandsbanken ihr gesamtes US-Geschäft einer Holdingstruktur nach US-Standards unterstellen. Ziel ist es, Schlupflöcher in der Regulierung zu schließen, wie die Fed im November erklärt hatte. Für Europas Großbanken könnte das neue Belastungen bedeuten. Die Deutsche Bank etwa hatte die Holdingstruktur für ihr US-Geschäft Anfang 2012 verschlankt und eine Ebene herausgenommen. Das Geschäft in den USA sei ausreichend kapitalisiert, hieß es damals. Allerdings haben seither auch schon andere Analysten einen Milliardenbedarf errechnet, sollten die Fed-Pläne umgesetzt werden. Espirito Santo kam vor einigen Monaten sogar zu dem Ergebnis, dass die Deutsche Bank rund 15 Milliarden Dollar in ihre sogenannte Taunus-Gesellschaft nachschießen müsste.

Die Deutsche Bank hatte eigentlich gehofft, die immer wieder aufkeimenden Spekulationen über eine Kapitalerhöhung mit den Zahlen 2012 zu beenden. Denn sie kam hier einen großen Schritt voran, weil der neue Co-Vorstandschef Anshu Jain dem Kapitalaufbau alles andere unterordnete, auch den Gewinn: Per Ende Dezember lag die harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) nach den strengeren Basel-III-Regeln bei acht Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch weniger als sechs Prozent. Die Bank hatte Wertpapiere im Volumen von 120 Milliarden Euro in eine interne „Bad Bank“ geschoben und sich damit Entlastung verschafft. Diese unliebsamen Bestände sollen nun beschleunigt abgebaut werden - auch unter Inkaufnahme von Verlusten.

Die Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Doppelspitze

Anshu Jain und Jürgen Fitschen lösen Josef Ackermann auf dem Chefposten der Deutschen Bank ab. Die bisherigen Vorstandssprecher und -vorsitzenden im Überblick:

Hermann Josef Abs (1957-1967):

Der gelernte Banker handelt 1952 das Londoner Schuldenabkommen aus, das die deutsche Wirtschaft im Ausland wieder glaubwürdig macht. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.

Franz Heinrich Ulrich (1967-1976) und Karl Klasen (1967-1969):

Die erste Doppelspitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.

Friedrich Wilhelm Christians (1976-1988) und Wilfried Guth (1976-1985):

Christians gilt als „Außenpolitiker“ und Vorreiter der Annäherung an die Sowjetunion. Die Deutsche Bank finanziert 1970 das bis dahin größte Ost-West-Handelsgeschäft: Mannesmann-Röhren für Gasleitungen gegen sowjetisches Erdgas. 1985 erzielt die Bank eine Milliarde Mark Gewinn durch Zerlegung und Verkauf der Flick-Gruppe.

Alfred Herrhausen (1985-1989):

Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.

Hilmar Kopper (1989-1997):

Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.

Rolf-Ernst Breuer (1997-2002):

Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.

Josef Ackermann (2002-2012):

Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2012-?):

Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernehmen als gleichgestellte Vorstandschefs das Ruder bei Deutschlands größter Bank.

Die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods (KBW) finden die Fortschritte beim Kapitalaufbau überzeugend, wie sie in dieser Woche in einer Studie schrieben. „Das Taunus-Thema macht uns zwar durchaus Sorgen“, hieß es darin. Die Deutsche Bank könne das Problem aber lösen, ohne bei der Kapitalausstattung auf Konzernebene in die Bredouille zu kommen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Brasil

01.03.2013, 15:33 Uhr

Deutsche Bank = Betrug aus Leidenschaft!

Account gelöscht!

01.03.2013, 16:39 Uhr

Das Fed hält Auflagen zur Kapitalisierung der Deutschen Bank und Renditeziele bereit. Der Aufsichtsrat muss endlich handeln

Account gelöscht!

01.03.2013, 18:48 Uhr

Ist die Deutschen Bank die nächste Bank, die die US-Hochfinanz komplett übernehmen will? Eine US-Heuschrecke (wem die wohl gehört?) ist ja bereits größter Einzelaktionär

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