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22.03.2004

08:15 Uhr

Kosmetikkonzern Oriflame und Düngemittelhersteller Yara geben ihr Börsendebüt

Mit Mascara und Lippenstift auf das nordeuropäische Parkett

VonHelmut Steuer

„Es fängt wieder an zu köcheln“, freut sich Magnus Heinstedt, Gründer und Inhaber der angesehenen schwedischen Beratungsfirma Förvärv & fusioner" (Akquisitionen und Fusionen). Nachdem es in Nordeuropa zwei Jahre lang keine Börsengänge mehr gegeben hat, stehen in dieser Woche gleich zwei größere Parkettpremieren auf dem Terminplan.

STOCKHOLM. : Der schwedische Kosmetikkonzern Oriflame und die Düngemittelsparte des norwegischen Öl- und Gasriesen Norsk Hydro wollen den Schritt wagen. Heinstedts vorsichtiger Optimismus gründet sich in erster Linie auf den für den 24. März angekündigten Börsengang von Oriflame. „Dann wird sich tatsächlich zeigen, wie es um das IPO-Klima bestellt ist“, sagt Heinstedt. Denn am Interesse an Norsk Hydros Düngemittelsparte Yara zweifelt niemand.

Oriflame ist in Westeuropa ein relativ unbeschriebenes Blatt, doch das Unternehmen hat sich vor allem in den osteuropäischen Ländern einen Namen als Hersteller von preiswerten Kosmetika gemacht. Rund 80 % des Umsatzes von etwa 652 Mill. Euro werden in Osteuropa gemacht. Der Konzern, der 1967 gegründet wurde, hat einen Teil des Erfolges seinem Vertriebskonzept zu verdanken. Insgesamt 1,4 Mill. Verkäufer versuchen die Produkte mit Hilfe eines in 64 Mill. Exemplaren und 35 Sprachen gedruckten Produktkataloges bei Hausbesuchen an die Frau zu bringen. Mit Erfolg: 2003 konnte der Betriebsgewinn gegenüber dem Vorjahr um 19 % auf 114 Mill. Euro gesteigert werden. Analyst Heinstedt erhofft sich ein deutliches Signal von dem Börsengang und rechnet bei einem Erfolg der „Operation Lippenstift“ mit „vielen weiteren IPO's in diesem Jahr“.

Allerdings erntet der Börsengang nicht nur Zustimmung. Der mit 41 % größte Eigner von Oriflame, die Investmentgesellschaft Industri Kapital, hat mit den schwedischen Konzernen Alfa Laval und Intrum Justitia bereits zwei wenig erfolgreiche Börsengänge hinter sich. Außerdem bemängeln Analysten die Ende 2003 durchgeführte Kapitalauszahlung von insgesamt 1,8 Mrd. Kronen (198 Mill. Euro) an die Haupteigner Industri und die Industriellenfamilie Jochnik. An der Börse in Stockholm wird deshalb spekuliert, dass die beiden Eignergruppen ursprünglich einen Verkauf von Oriflame an einen industriellen Interessenten geplant hatten. Als das nicht klappte, haben sie Kapital aus dem Unternehmen herausgezogen. Somit hat die in Luxemburg registrierte Oriflame derzeit ein negatives Eigenkapital. In der in Schweden registrierten Muttergesellschaft liegen allerdings 3,3 Mrd. Kronen (359 Mill. Euro).

Nun sollen weitere 500 Mill. Kronen (54 Mill. Euro) hinzukommen. Dazu werden 3,1 Mill. Aktien in einem Preisintervall von 165 bis 200 Kronen (18 bis 21,8 Euro) je Papier angeboten. Oriflames Börsenwert liegt damit bei bis zu 11,9 Mrd. Kronen (1,3 Mrd. Euro). Bei einem Abgabepreis am oberen Ende des Intervalls, lautet die Bewertung vieler Analysten „neutral“.

Dass die Abspaltung der Düngemittelsparte von Norsk Hydro unter dem Namen Yara am 25. März klappen wird, ist unter Experten unbestritten. Die Aktien sollen für 36 bis 41 Kronen (4,74 bis 5,40 Euro) angeboten werden. Der Börsenwert von Yara könnte damit bis zu 13,1 Mrd. Kronen (1,4 Mrd. Euro) betragen. Das ist weniger als die rund 20 Mrd. Kronen (2,2 Mrd. Euro), die viele Analysten berechnet hatten.

80 % der Aktien werden an die Norsk-Hydro-Aktionäre abgegeben. Die übrigen 20 % sollen an Investoren gehen. 36 % wird Norsk Hydros Hauptaktionär, der norwegische Staat, an Yara halten. Das Unternehmen wird nach dem Spin Off der weltgrößte Düngemittelkonzern sein. Die Oriflame- und die Yara-Aktien sind für Index-Fonds wichtig. Noch wichtiger für den IPO-Markt ist allerdings ein Gelingen der Parkettgänge.

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