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17.03.2004

08:01 Uhr

Kritiker behielten Recht

X-Fab sagt Börsengang ab

Der Erfurter Halbleiterhersteller X-Fab bricht den Börsengang ab. Schon im Vorfeld hagelte es Kritik. Analysten bezeichneten die Angebotsspanne als zu hoch.

Unsicherheiten an der Börse: Anleger blicken gespannt auf den nächsten Börsenkandidaten.

Unsicherheiten an der Börse: Anleger blicken gespannt auf den nächsten Börsenkandidaten.

HB FRANKFURT. X-Fab wird nicht wie bisher geplant am Freitag an die Börse gehen, teilte der Halbleiterhersteller zusammen mit dem Konsortialführer ING mit. Sie begründeten den Schritt mit der Verschlechterung der Situation an den internationalen Aktienmärkten und der Zurückhaltung der Anleger.

X-Fab, das aus dem DDR-Halbleiterkombinat VEB Mikroelektronik hervorgegangenen war, hatte seine Papiere in einer Spanne von zehn bis 14 Euro angeboten. In den vergangenen Tagen waren die Titel im vorbörslichen Graumarkt bereits bei rund zehn Euro gehandelt worden. Analysten hatten zuvor unter anderem die Angebotsspanne als zu hoch bezeichnet und moniert, dass die Mehrheit des Emissionserlöses den Altaktionären zufließe.

Auch Kritik wegen fehlendem Börsenprospekt

Herbe Kritik musste X-Fab im Rahmen der Vorbereitung des Börsengangs (IPO) auch für sein Börsenprospekt einstecken. Analysten hatten bemängelt, dass der gesetzlich vorgeschriebene Prospekt einen Tag vor dem ursprünglich anvisierten Beginn der Zeichnungsfrist am 4. März noch nicht vorgelegen hatte. Der Start war daraufhin kurzfristig um einen Tag verschoben worden. Der Konsortialführer, die niederländische ING, hatte die Verzögerung bei der Veröffentlichung des Prospekts mit technischen Problemen begründet. Daneben waren auch die DZ Bank, HSBC Trinkaus & Burkhardt und KBC mit der Transaktion betraut.

Die Erstnotiz von X-Fab am Freitag wäre der erste Börsengang (IPO) in Deutschland seit mehr als einem Jahr gewesen. Unternehmensberater befürchten, der geplatzte X-FAB-Börsengang könnte anderen Unternehmen einen ähnlichen Schritt erschweren.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hat die Absage des ersten Bösengangs seit Ende 2002 begrüßt. Der Konzern habe die erforderlichen Maßstäbe nicht erfüllt, sagte Sprecherin Reinhild Keitel. „Die Vorbereitung hat sehr zu wünschen übrig gelassen. Das Unternehmen hat nicht die Transparenz hergestellt, die für einen solch bahnbrechenden Börsengang nötig gewesen wäre.“ Die Investoren hätten aus den negativen Erfahrungen des Neuen Marktes dazugelernt, meinte Keitel.

Andere Börsenkandidaten zeigten sich unbeeindruckt

Negative Auswirkungen auf kommende Börsengänge befürchte sie nicht. „Die Gründe für die Absage sind allein dem Unternehmen und den Emissionsbanken anzulasten.“ Bei X-Fab seien mehrere Mängel zusammengekommen, darunter der verspätet vorgelegte Emissionsprospekt. Außerdem sei der Eindruck erweckt worden, dass der Großaktionär die günstige Entwicklung an den Kapitalmärkten zum Ausstieg nutzen wollte, meinte die Aktionärsschützerin. Zwar sei eine solche Absicht von Investoren grundsätzlich legitim, der Zeitpunkt solle aber vom dauerhaften Erfolg des Unternehmens und nicht von momentanen Marktentwicklungen bestimmt sein.

Trotz der Absage des Börsengangs von X-Fab hält der Münchner Halbleiterzulieferer Siltronic an seinen IPO-Plänen fest. „Wir sehen keinen Grund, von unseren Plänen abzuweichen“, sagte ein Siltronic-Sprecher am Mittwochmorgen in München. Zugleich fügte er hinzu: „Nach all dem, was ich bislang höre, ist das Interesse der Investoren an unseren Papieren sehr groß.“ Die Zeichnungsfrist für die inklusive Mehrzuteilungsoption insgesamt 57,5 Millionen Siltronic Aktien hat am Montag begonnen und soll noch bis zum 25. März dauern.

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