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25.01.2007

07:00 Uhr

Kurs droht einzubrechen, wenn Eon bei der Übernahmeschlacht leer ausgeht

Endesa-Aktie birgt hohes Risiko

VonStefanie Müller

Der Preispoker um den größten spanischen Energiekonzern Endesa hält an. Analysten raten deswegen nur risikofreudigen Anlegern den Einstieg bei dem Versorger. Der Markt erwartet zwar, dass der deutsche Bieter Eon sein derzeitiges Angebot von 35 Euro je Aktie noch auf bis über 40 Euro erhöhen wird. Aber viele Investmentbanken sehen mittelfristig auch Risiken auf Endesa zukommen.

Das Endesa-Logo. Foto: dpa

Das Endesa-Logo. Foto: dpa

MADRID. Wer kurzfristig Geld verdienen will, hat allerdings mit Endesa sehr gute Chancen. Der Titel gewann im vergangenen Monat nach der Beseitigung aller juristischen Hürden im Übernahmeprozess erneut knapp drei Euro auf derzeit rund 38 Euro, was dazu führte, dass einige Investmentbanken Anfang des Jahres ihre Kursziele verbesserten. Dexia zum Beispiel sieht die Aktie in den kommenden Wochen bei 41,7 Euro, Exane-BNP bei 40 Euro.

Der Druck auf die Bieter steigt. Endesa-Präsident Manuel Pizarro verkündete jüngst, dass die Aktie „mindestens 45 Euro“ wert sei, und auch der größte Endesa-Aktionär Acciona lässt wissen, dass sie ein Angebot von „weit über 40 Euro“ erwarten. Für Phantasie sorgt auch die Tatsache, dass der zweite Bieter für Endesa, das spanische Unternehmen Gas Natural, trotz eines viel niedrigeren Angebots als Eon noch keinen Rückzug aus dem Bieterprozess angekündigt hat. Es bestehe immer noch die Möglichkeit, dass Gas Natural überraschend mit einem höheren Gebot als Eon aufwartet“, glaubt man bei Acciona.

Allerdings wären die Finanzkraft, die dazu notwendig ist, kaum aufzubringen. Endesa notiert inzwischen knapp 60 Prozent über dem Angebotspreis des katalanischen Versorgers. „Das zu übertreffen wird für uns schwierig“, musste der Gas Natural-Vizepräsident Antoni Brufau jüngst zugeben.

Endesa-Aktionäre, die schon vor der seit 16 Monaten andauernden Übernahmeschlacht Titel besaßen, brauchen sich nicht zu sorgen. Sie haben bereits ordentlich Gewinn gemacht – immerhin hat sich der Kurswert mehr als verdoppelt. Die spanische Bank Ahorro Corporación rät ihnen, noch eine Weile auszuharren und weitere Kursgewinne mitzunehmen. Aber nicht alle Analysten sehen das so. Denn Eon könnte an der Stimmrechtsbeschränkung bei Endesa scheitern. Auf einer Hauptversammlung müssten die Endesa-Aktionäre eine Änderung der Unternehmensstatuten genehmigen, die derzeit die Stimmrechte aller Anteilseigner auf maximal zehn Prozent beschränkt. „Der Ausgang ist ungewiss, warnt Lorenzo Bernaldo de Quirós, Chef der Investmentberatung Freemarket. Langzeitanleger sollten erwägen, jetzt lieber Kasse zu machen.

Für eine Änderung der Endesa-Unternehmensstatuten müssten mehr als 50 Prozent des Kapitals stimmen. Aus Kreisen des spanischen Energiekonzerns Accionas ist bereits zu hören, dass er dagegen stimmen wird. Denn er will selbst an der Führung des Versorgers beteiligt sein. Sollten die Deutschen bei der in den kommenden Wochen geplanten Abstimmung scheitern, „wäre ein eiskaltes Bad“, warnt Bernaldo de Quirós. Für den Fall, dass Eon gar nicht zum Zug kommt, hat die Privatbank Oppenheim das Kursziel auf 26 Euro gesetzt, die französische Oddo auf 32 Euro.

Bernaldo de Quiros von Freemarket glaubt, dass der Wert des Versorgers sehr unterschiedlich ausfallen kann, je nachdem wer letztendlich die Kontrolle an Endesa hält: Sollte Acciona größter Aktionär bleiben und Einfluss gewinnen, dann werde Endesa die Strategie sicherlich drastisch ändern und mehr auf erneuerbare Energien setzen. „Das ist in Spanien und weltweit ein enormer Wachstumsmarkt“, urteilt der Analyst. Dann sei die Endesa-Aktie durchaus mehr wert als 40 Euro. Bestimmt Eon die Richtung, sei das Unternehmen nicht mehr wert als die gebotenen 35 Euro.

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