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09.01.2012

13:16 Uhr

Kursrutsch bei Unicredit

Ein schlechtes Omen für Bankwerte

VonJessica Schwarzer

Die neuen Aktien werden verramscht, der Börsenkurs schmiert dramatisch ab – Unicredit ist das Sorgenkind der Branche. Kapitalerhöhung und Kursrutsch der italienischen Bank verheißen für Europas Geldhäuser nichts Gutes.

Die Aktie der Unicredit leidet unter der Kapitalerhöhung. AFP

Die Aktie der Unicredit leidet unter der Kapitalerhöhung.

DüsseldorfDer Kursrutsch bei der italienischen Großbank Unicredit ist nicht zu bremsen: Am Montag verbilligte sich die Aktie um elf Prozent auf nur noch 2,33 Euro. Seit die Bank die Details ihrer Kapitalerhöhung in der vergangenen Woche bekanntgegeben hat, brachen die Titel sogar um 40 Prozent ein. Das ist der größte Kursverfall seit mindestens 25 Jahren.

Auch der Kurs der Bezugsrechte brach um knapp 30 Prozent auf 0,96 Euro ein. Beide Papiere waren am Montagmorgen  wegen des rapiden Preisverfalls vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Die Muttergesellschaft der Hypo-Vereinsbank und der Bank Austria musste Interessenten für ihre neuen Aktien mit massiven Rabatten locken.

Der Chef der größten italienischen Bank hat sich einem Medienbericht zufolge vom Kurssturz der Aktie überrascht gezeigt. Der Preisverfall sei vor allem auf technische Gründe zurückzuführen, sagte Federico Ghizzoni nach einem Bericht der Zeitung „Corriere della Sera“. Bereits am Freitag war die Aktie um elf Prozent eingebrochen. Mit Blick auf die neue Woche äußerte sich der Manager dennoch zuversichtlich. Ab dann können Aktionäre bis zum 27. Januar für jeden ihrer Anteilsscheine zwei neue kaufen.

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Die Kurse von vielen Großbanken sinken und sinken. Einige legen in den kommenden Tagen Zahlen vor. Anleger haben wohl Hoffnung, denn seit Jahresbeginn gibt es satte Kursgewinne für amerikanische Geldhäuser.

Die Zuversicht Ghizzonis teilen die Analysten derzeit nicht. Im Gegenteil, es hagelt Herabstufungen und reduzierte Kursziele. Jüngstes Beispiel ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Analyst Werner Schirmer hat am morgen seine Verkaufsempfehlung bekräftigt und das Kursziel (ex Bezugsrechte) drastisch von 5,50 Euro auf 2,50 Euro gesenkt. Mit dem jüngsten Kursrutsch ist aber auch dieses Ziel bereits wieder obsolet. Sein Urteil bleibt bestehen: „Anleger sollten erstmal die Finger von der Aktie lassen“, sagt er. „Natürlich kann es kurzfristig eine Gegenbewegung, also Ausschläge nach oben geben, wenn die Dynamik so hoch ist wie in den vergangenen Tagen.“ Solche Ausschläge könnte es vor allem gegen Ende des Bezugsrechtshandels geben. Aber darauf zu setzen, wäre pure Spekulation, so der LBBW-Experte.

In den vergangenen vier Wochen haben nach Angaben des Brancheninformationsdienstes Bloomberg elf Analysten die Unicredit-Aktie zum Verkauf empfohlen, acht Mal lautete das Urteil „Halten“ und nur drei Mal „Kaufen“. Die aktuellen Kursziele liegen zwischen 2,50 Euro von der LBBW und 5,60 Euro von der Citibank, die das Papier mit „Neutral“ bewertet.

Nicht nur die Aktionäre der Unicredit leiden unter der laufenden Kapitalerhöhung. „Das ist kein gutes Zeichen für die anderen Banken in Europa, deren Kurse in den vergangenen Tagen ja ebenfalls stark unter Druck geraten sind“, sagt LBBW-Experte Schirmer. Die Unicredit braucht das Geld, um eine kürzlich von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (Eba) ausgemachte Lücke von acht Milliarden Euro Eigenkapital zu stopfen. Ein Problem, das auch viele andere Institute haben. Insgesamt fehlen 31 der 70 größten europäischen Banken nach Erkenntnissen der Eba 115 Milliarden Euro Eigenkapital.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.01.2012, 18:01 Uhr

wie ist das eigentlich wenn die Unicredit vor die hunde geht?? muss ich dann um mein Konto bei der HypoVereinbank fürchten???

easygoingdown

09.01.2012, 19:00 Uhr

Grundsätzlich nein, denn es sind zwei juristisch unabhängige Gesellschaften. Zudem zählt die Einlagensicherung pro Kunde von - soweit ich informiert bin - 100.000 EUR pro Kunde.

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