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14.01.2016

12:49 Uhr

Kursverfall an der Börse

Deutsche-Bank-Aktie rutscht auf Finanzkrisen-Niveau

Zeitweise größter Verlierer im Dax und eine wichtige Marke nach unten durchbrochen: Bei der Aktie der Deutschen Bank ziehen Anleger die Notbremse. Das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus schwindet.

Kritik von Analysten und hohe Hürden bei der Postbank-Abspaltung belasten die Aktie des Instituts. Reuters

Rolltreppen-Notbremse vor der Deutschen-Bank-Zentrale

Kritik von Analysten und hohe Hürden bei der Postbank-Abspaltung belasten die Aktie des Instituts.

Düsseldorf/FrankfurtZum ersten Mal seit den Tiefen der globalen Finanzkrise im März 2009 ist die Aktie der Deutschen Bank unter den Wert von 20 Euro pro Anteilsschein gefallen. Am Donnerstagvormittag notierte das Papier des größten deutschen Geldhauses auf einem Niveau von 19,81 Euro und damit über fünf Prozent unter dem Niveau des Vortages. Die Aktie war damit zeitweise größter Verlierer im Dax, der zur gleichen Zeit 3,3 Prozent im Minus notierte.

Am Morgen hatte ein Research-Papier der französischen Großbank Société Générale für Aufsehen gesorgt. Darin standen deftige Sätze der Analysten des Konkurrenten. So werde die Deutsche Bank in weiten Kreisen als Geschäft „ohne Qualität“ gewertet, das keine Verbesserung der Aktieneinschätzung rechtfertige.

Analyst Andrew Lim behielt seine Einstufung für das Papier auf „Verkaufen“ und senkte das Kursziel von 25 auf 20 Euro. Die Kapitalausstattung stelle ein Risiko dar und weiterhin belasteten Rechtsrisiken die Aktie. Unter anderem droht der Deutschen Bank in den USA eine hohe Strafe wegen des Vorwurfs, Sanktionen im Russland-Geschäft umgangen zu haben.

Seit 2009 hat die Deutsche Bank zwar mehrere Kapitalerhöhungen unternommen und so die Zahl der ausstehenden Aktien deutlich erhöht. Dennoch zeigt sich auch in diesem Jahr, dass es der Aktie an Fans mangelt. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus des Papiers zwölf Prozent.

„Wir werden alles tun, damit wir dieses Kapitel schnell schließen können“, hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen am Mittwochabend mit Bezug auf die Altlasten der Bank gesagt. Der Kulturwandel bei der Bank werde weiter vorangetrieben. Der künftig alleinige CEO, John Cryan, baut derzeit mit gewaltigem Tempo die Bank um. Tausende Stellen werden abgebaut, wichtige Geschäftsbereiche etwa im Investmentbanking sollen schrumpfen und die Postbank soll abgespalten werden.

Wegen des geplanten Börsengangs der Postbank besteht derzeit Unsicherheit. So hängt der Erfolg der Abspaltung nach Informationen des Handelsblatts und der Nachrichtenagentur Reuters auch vom Votum der Steuerbehörden ab. Die Bank habe den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Tochter anders als geplant zum Jahresende nicht gekündigt, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen.

Beherrschungsverträge müssen mindestens fünf Jahre laufen – das aber wäre bei der Postbank erst Ende 2016 der Fall. Eine vorzeitige Kündigung ist aus steuerlicher Sicht nur „aus wichtigem Grund“ möglich. Ob und unter welchen Bedingungen die Behörden den Börsengang als Grund anerkennen, halten Banker und Wirtschaftsjuristen für offen.

Das Finanzamt habe noch nicht entscheiden, ob es einer vorzeitigen Kündigung zustimme. Wenn nicht, drohen saftige Steuernachzahlungen, weil mit dem Beherrschungsvertrag Steuervorteile verbunden sind. „Das würde finanziell Schmerzen bereiten“, sagte ein Insider. Solange die Deutsche Bank keine Klarheit habe, werde es keinen Börsengang der Postbank geben, hieß es in Finanzkreisen.

Kommentare (18)

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Lothar dM

14.01.2016, 12:59 Uhr

Das einstmals renommierte Institut, welches starker Teil der "Deutschland AG" war, wurde insb. in der Ära Josef "25% EK-Rendite" Ackermann zuerst moralisch, dann wirtschaftlich ruiniert. Man sollte der Bank ihren Namen verbieten, den sie beinhaltet nirgends mehr irgendwelchen realen Bezug zu Deutschland und seinen Tugenden.

Herr Florian Meier

14.01.2016, 13:05 Uhr

Daß mit dem "moralisch" muß schon sehr lange her sein. Weit vor meiner Zeit. Also mindestens 30 Jahre. Mir ist dei Deutsche Bank immer nur als Gebührenschneider und Decksladen begegnet.

Lothar dM

14.01.2016, 13:16 Uhr

ja, stimmt schon, Kopper und Breuer haben das schmierige Banker Image schon hereingetragen, Bankiers waren die nicht mehr.

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