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04.08.2015

08:46 Uhr

Kurznachrichtendienst

Twitter-Aktie auf Rekordtief

VonAxel Postinett

Die Twitter-Aktie ist auf den tiefsten Kurs seit dem Börsengang gefallen. Das Papier steht am Scheideweg: Entweder gibt es bald ernsthafte Übernahmegespräche – oder dem Aktienkurs droht der endgültige Absturz.

Wie weit kann es nach unten gehen? Die pessimistischsten Analysten halten praktisch nichts mehr von der Aktie. Reuters

Twitter-Aktie

Wie weit kann es nach unten gehen? Die pessimistischsten Analysten halten praktisch nichts mehr von der Aktie.

San FranciscoMit einem Schlusskurs von 29,27 Dollar fiel Twitter am Montag auf den tiefsten Kurs seit dem Börsengang in 2013. Im Handel wurde die Marke von 29 Dollar sogar zeitweilig unterschritten. Interims-Vorstandschef Jack Dorsey hatte bei der Vorlage der Quartalszahlen in der vergangenen Woche in schonungsloser Offenheit eingeräumt, was viele schon längst geahnt hatten: Der Kurznachrichtendienst wächst nicht mehr wirklich und hat derzeit auch kein Rezept, wie man das ändern könnte. Alle bisher eingeleiteten Maßnahmen hätten „keinen positiven Einfluss auf Kundenwachstum und Engagement“ der Nutzer gebracht, so Dorsey.

Durch diese Aussagen wurde der positive Effekt von besser als erwarteten Gewinnzahlen konterkariert. Twitter versteht es zwar, mit seinen Kunden Geld zu machen. Aber wenn keine neuen Nutzer dazukommen, dann ist das Potenzial begrenzt. Und wehe, die Kundenzahl fängt einmal an zu sinken.

Tatsächlicher Aktienwert: 5,50 Dollar?

Die Anleger und Analysten erinnern sich nun offenbar an einen Blogeintrag des Investors und Twitter-Kenners Chris Sacca vom Juni, in dem der frühere Google-Mitarbeiter Sacca dem kriselnden Unternehmen trotz aller Probleme eine hervorragende Zukunft bescheinigt. Sacca moniert in seinem Beitrag aber auch, dass sich rund eine Milliarde Menschen bei Twitter angemeldet haben, die aber dann nie mehr zurückgekommen seien. Zusammen mit den aktiven 316 Millionen Nutzern kann man sagen: Twitter war schon einmal da, wo Facebook ist. Nämlich bei rund 1,4 Milliarden Nutzern. Der Unterschied: Mark Zuckerberg konnte sie halten, Ex-Twitter-Chef Dick Costolo aber nicht. Und Mit-Gründer und Teilzeit-Vorstandschef Jack Dorsey hat keine Ahnung, wie er die verlorenen Nutzer wieder zurückholen soll.

Wie weit kann es nach unten gehen? Die pessimistischsten Analysten halten praktisch nichts mehr von der Aktie. Ken Odeluga von City Index sieht den fairen Wert der Aktie nach dem „Discounted Cash Flow“-Modell nur noch bei 5,50 Dollar. Der Discounted Cash Flow-Ansatz nutzt Schätzungen über den Free Cash Flow künftiger Jahre, um sie auf einen aktuellen Wert zurückzurechnen. Diese Projektionen in die weite Zukunft lassen allerdings viel Spielraum für Interpretationen.

Wer will Twitter kaufen?

Trotzdem werden solche Planspiele vor dem Hintergrund der Twitterschen Wachstumsschwäche nicht unrealistischer. Dazu kommt ein anderer Fakt, auf den Odeluga hinweist: Evan Williams, Mit-Gründer von Twitter, hat im Juli für 13,5 Millionen Dollar Aktien verkauft und nur wenige Wochen davor für 40 Millionen Dollar Kasse gemacht. Williams ist nicht mehr bei Twitter, verfügt also über kein echtes Insiderwissen. Trotzdem scheint er den Glauben an sein Baby verloren zu haben.

Investor Sacca weist als Positivpunkt in seinem Blog darauf hin, dass das aktuelle Twitter-Management aufgehört habe, Aktien abzustoßen. Das kann an neuer Zuversicht liegen, was nach den Quartalszahlen und dem faktischen Wachstumsstop aber nicht ganz sicher ist. Oder vielleicht besteht doch die Hoffnung auf eine Übernahme: Die schonungslose Analyse der Situation kann auch als Aufruf an potenzielle strategische Partner gesehen werden, sich zu beteiligen oder das Unternehmen zu übernehmen, das mittlerweile nur noch knapp 20 Milliarden Dollar wert ist. Google ist immer wieder im Gespräch, vor allem seit Twitters Suchergebnisse wieder in der Google-Suche angezeigt werden. Doch auch Yahoo oder große Unternehmen aus der klassischen Medienwelt wie TV-, Kabel- oder Mobilfunk-Betreiber könnten Interesse zeigen. Wenn der Preis stimmt. Dafür müsste viel der spekulativen Luft aus dem Kurs des verlustschreibenden Unternehmens herausgelassen werden. Die Börse ist offenbar gerade dabei das zu tun.

Kommentare (1)

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04.08.2015, 08:55 Uhr

Zum Glück abe ich die auf dem Rekordhoch verkauft. Das war aber auch etwas übertrieben, wo sollte denn das Wachstum herkommen?

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