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16.04.2014

08:00 Uhr

Kurznachrichtendienst

Twitter-Aktie schießt nach oben

Twitter macht Anleger glücklich: Ein Google-Manager kommt an Bord und die Firma kauft die Analysefirma Gnip. Einen ähnlichen Kauf hat zuletzt Apple getätigt. Die Aktie steigt um mehr als zehn Prozent.

Geschmückte New Yorker Börse im November 2013: Die Twitter-Aktie hat sich deutlich erholt. ap

Geschmückte New Yorker Börse im November 2013: Die Twitter-Aktie hat sich deutlich erholt.

San FranciscoZwei Meldungen haben am Dienstag der Aktie des Kurznachrichtendienstes Twitter zu einem Rekordsprung an der New Yorker Börse verholfen. Das Unternehmen meldete den Kauf des Datenanbieters Gnip. Das Unternehmen liefert Informationen aus den Archiven sozialer Medien wie Tumblr, Instagram oder Wordpress. Die Aktie machte einen Satz um elf Prozent nach oben und schloss bei 45,52 Dollar. Es war der kräftigste Zuwachs seit dem Börsengang des Unternehmens im November. Ende vergangenen Jahres hatte die Aktie allerdings zeitweise bei 74 Dollar notiert.

Als weiteren Grund für die jüngste Kursentwicklung galt die Einstellung eines Managers, der vom Suchmaschinenbetreiber Google zu twitter wechselt. Daniel Graf soll sich bei Twitter um Produkte für Endverbraucher kümmern – er arbeitete zuletzt für den Kartendienst Google Maps. Twitter-Chef Dick Costolo möchte den Dienst attraktiver für Gelegenheitsnutzer machen und sie enger an die Firma binden.

Die Übernahme Gnips deutet nach Einschätzung von Analysten darauf hin, dass Twitter sich neue Geschäftsfelder mit dem Verkauf von Datenpaketen erobern will. Twitter erklärte, die Übernahme erlaube es dem Unternehmen, die mehr als 500 Millionen Kurznachrichten (Tweets), die täglich versendet werden, besser zu analysieren.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Bislang überließ Twitter anderen Firmen, darunter Gnip, die Analyse der Tweets und den Weiterverkauf an Unternehmen. „Öffentliche Tweets erlauben tiefe Einsichten in vielen Bereichen – so sehr, dass Universitäten, Journalisten, Politiker und Unternehmen regelmäßig aufbereitete Twitter-Daten nutzen, um Trends zu erkennen, Stimmungen zu analysieren, mit Kunden in Kontakt zu kommen und vieles mehr“, erklärte Twitter-Vizechefin Jana Messerschmidt.

Das Geschäft mit der Analyse von Daten aus sozialen Netzwerken ist auch für andere Technologie-Unternehmen interessant. Der Computer- und Smartphone-Hersteller Apple hatte den Gnip-Konkurrenten Topsy Ende vergangenen Jahres gekauft.

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