Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.02.2004

10:02 Uhr

Lähmung des Reformprozesses erwartet

Der Lafontaine-Effekt bleibt aus

VonUlf Sommer

Der Rücktritt Gerhard Schröders vom SPD-Parteivorsitz hat an den Aktienmärkten nicht den Knalleffekt, den vor knapp fünf Jahren Oskar Lafontaine auslöste.

DÜSSELDORF. Als der Saarländer das Amt des Vorsitzenden und Finanzministers aufgab, waren damals binnen weniger Sekunden die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands 35 Mrd. DM mehr wert. Investoren setzten auf eine wirtschaftsfreundlichere Bundespolitik und hievten den Deutschen Aktienindex (Dax) um mehr als 5 % nach oben.

Anders als 1999 reagieren die Märkte diesmal verhalten. Ein Kursfeuerwerk wie vor fünf Jahren blieb aus – und ist nach Meinung von Investmentstrategen auch in den kommenden Tagen nicht zu erwarten. Mittelfristig machen die Experten allerdings Hoffnung: Sollte sich an den Märkten Fantasie auf einen Rücktritt Schröders auch vom Amt des Bundeskanzlers breit machen, bekäme der Dax Flügel.

Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen an den Finanzmärkten ist, ob der Reformprozess mit dem Machtverlust Schröders ins Stocken gerät. Davon gehen die meisten Akteure aus. Die Experten der Hypo-Vereinsbank erwarten zunächst eine „Lähmung des Reformprozesses“ mit negativen Konsequenzen für die Entwicklung des Dax gegenüber dem Blue-Chip-Index in Europa, dem Euro Stoxx 50.

Anders als in der Vergangenheit dürften deutsche Aktien demnach künftig nicht mehr besser laufen als europäische. Seit Beginn des kräftigen Börsenaufschwungs im März 2003 hat sich der Dax wesentlich besser entwickelt als der Stoxx (siehe Chart). Verantwortlich sind neben zyklischen konjunkturellen Faktoren samt der Zusammensetzung des Dax und seines Nachholbedarfs nach dem vorangegangen Einbruch bis 2003 Reformansätze, wie sie vor allem im Ausland seit der Agenda-2010-Rede Schröders im März 2003 wahrgenommen wurden. Das hatte sich in verstärkten Käufen deutscher Aktien bei ausländischen Fondsgesellschaften manifestiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×