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14.07.2017

18:20 Uhr

Leerverkäufe

Hedgefonds wetten gegen die Metro-Strategie

VonLeonidas Exuzidis

Einen Tag nach der Aufspaltung haben mehrere Hedgefonds Leeverkaufswetten gegen Metro platziert – das betrifft sowohl das Geschäft mit Lebensmitteln als auch die Elektroniksparte. Doch Metro-Chef Olaf Koch hält dagegen.

Das Börsendebüt gelang, doch Hedgefonds entziehen Metro das Vertrauen. dpa

Metro-Börsengang in Frankfurt

Das Börsendebüt gelang, doch Hedgefonds entziehen Metro das Vertrauen.

DüsseldorfDer Börsenstart der neuen Metro ist vollbracht: Die Ergebnisse am ersten Handelstag waren zwar nicht voll zufriedenstellend, doch immerhin ist Deutschlands einst größter Handelskonzern nach langem Hin und Her nun getrennt an der Börse. Der Lebensmittelhändler – mitsamt Supermarktketten und Großhandel – läuft weiter unter dem Namen Metro, während der Elektronikhändler Media Saturn künftig unter der Holding Ceconomy gehandelt wird.

Hedgefonds jedenfalls scheinen in diese Pläne nicht allzu großes Vertrauen zu haben. So haben bereits einen Tag nach der Aufspaltung mehrere Investoren mit Leerverkäufen auf bald fallende Kurse gesetzt (aktuelle Leerverkäufe finden Sie in unserer Datenbank). Gleich vier Hedgefonds wetten mit einem Volumen von jeweils mehr als 0,5 Prozent aller gehandelten Aktien gegen die Sparte der Elektronikhändler: Pelham Long Short Master Fund, Marshall Wace, Citadel Europe und Hengistbury Investment Partners. Das Gesamtvolumen der Leerverkäufe beträgt am Freitagnachmittag 3,22 Prozent der Aktien. Beim traditionellen Lebensmittelgeschäft finden sich drei Netto-Leerverkaufspositionen mit einem Gesamtvolumen von 3,51 Prozent der Aktien. Auch hier sind Marshall Wace, Pelham und Hengistbury investiert.

Warum die Metro sich aufspaltet

Warum will sich die Metro überhaupt aufteilen?

Die Geschäfte beim Düsseldorfer Handelsriesen liefen zuletzt nicht gerade berauschend. Die Konkurrenz ist groß und das Unternehmen schrumpft seit Jahren. Immer wieder wurden große Konzernteile verkauft – wie etwa die Warenhäuser Galeria Kaufhof oder das Auslandsgeschäft der Supermarktkette Real. Die Folge: Der Konzern verlor nicht nur den inoffiziellen Titel des größten deutschen Handelskonzerns, er musste auch seinen Platz in der höchsten Börsenliga, dem Dax-30, räumen. Die Aufspaltung soll nun zu neuem Schwung verhelfen.

Was verspricht sich Metro-Chef Olaf Koch von der Aufspaltung?

Mehr Wachstum und mehr Börsenwert. Mehr Wachstum, weil die getrennten Unternehmen sich besser auf ihre jeweilige Kundengruppe konzentrieren und dynamischer agieren können. Mittelfristig soll der bereinigte Umsatz bei beiden Gesellschaften um mindestens drei Prozent pro Jahr steigen. Im zurückliegenden Jahr schaffte die Metro als Ganzes weniger als ein Prozent. Mehr Börsenwert, weil Mischkonzerne wie die Metro an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen. Tatsächlich hat die Metro-Aktie seit Bekanntgabe der Aufspaltungspläne rund 25 Prozent an Wert gewonnen.

Sehen das auch Branchenexperten so?

Viele Analysten halten die Teilung für sinnvoll. Laurence Hofmann vom Investmenthaus Oddo sieht mehr Spielraum für Zukäufe und Partnerschaften. Dies hat aus seiner Sicht vor allem Media-Saturn nötig, will die Tochter ihre Stellung als größter Elektronikhändler Europas gegen mächtige Internetriesen wie Amazon auf Dauer verteidigen. Der Lebensmittelteil wiederum dürfte sein Geschäft mit der Belieferung sowie Kooperationen mit Start-Up-Unternehmen für das Hotel- und Restaurantgewerbe ausbauen, erwartet Christian Bruns von der Investmentbank Equinet. Der Experte verspricht sich zudem schnellere Entscheidungen auf Managementebene und insgesamt mehr Transparenz.

Wie funktioniert die Aufspaltung?

Heute vereint die Metro unter ihrem Dach zwei Geschäftsbereiche, die eigentlich wenig gemeinsam haben: die Lebensmittelsparte mit den Metro-Großmärkten und den Real-Supermärkten auf der einen Seite, sowie die Elektroniksparte mit den Ketten Media Markt und Saturn auf der anderen. Nach der Trennung Mitte 2017 sollen diese Sparten als eigenständige Unternehmen getrennte Wege gehen. Dabei behält die Lebensmittelsparte den Traditionsnamen Metro. Die Elektroniksparte erhält den neuen Kunstnamen Ceconomy. Die Elektronikketten selbst werden aber weiter unter den altbewährten Namen Media Markt und Saturn firmieren. Beide Unternehmen werden weiterhin an der Börse notiert sein.

Und was ändert sich für die Verbraucher?

Erst einmal wenig. Denn der Verkauf wird in den Großmärkten ebenso wie bei Real, Media Markt oder Saturn unverändert weitergehen. Auf Dauer würden aber auch die Verbraucher profitieren, meint Koch, weil sich die spezialisierten Gesellschaften besser auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen könnten.

Was spricht gegen eine Aufspaltung?

Wenig, außer vielleicht den hohen Kosten. Denn Gemeinsamkeiten zwischen den Geschäftsbereichen gibt es kaum. Konzernchef-Koch meint sogar, der Zusammenschluss der Metro-Großmärkte, der Real-Supermärkte und der Elektronikketten Media Markt und Saturn unter einem Dach habe zuletzt die Geschäfte eher behindert als gefördert. Die Aufspaltung ist allerdings nicht billig. Der Konzern beziffert die Kosten auf rund 100 Millionen Euro.

Steht schon fest, wer die neuen Unternehmen leiten wird?

Ja. Die Leitung des Lebensmittelgeschäfts übernimmt Koch selbst, Aufsichtsratsvorsitzender soll der bisherige Metro-Chefkontrolleur Jürgen Steinemann werden. An der Spitze der Elektronikkette wird der Media-Saturn-Chef Pieter Haas stehen. Für den Aufsichtsratsvorsitz ist der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vorgesehen.

Ist die Idee einer Aufspaltung ungewöhnlich?

Im Gegenteil. Zurzeit ist das Aufspalten oder Abspalten bei deutschen Konzernen geradezu in Mode. Die Energieriesen Eon und RWE spalteten sich kürzlich jeweils in zwei Teile auf, um das wenig zukunftsfähige Geschäft mit konventionellen Kraftwerken vom lukrativeren Zukunftsgeschäft um Ökostrom, Vertrieb und Netzbetrieb zu trennen. Und der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer brachte 2015 seine Kunststoffsparte als Covestro an die Börse, um sich stärker auf das lukrativere Geschäft mit der Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze zu konzentrieren.

Quelle: dpa

Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren Aktien und verkaufen sie sofort. Sie hoffen, die Papiere bis zum vereinbarten Rückgabetermin billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen zu können. Wetten dieser Art sind zwar moralisch umstritten, jedoch zulässig. Wetten mit einem Volumen von mehr als 0,5 Prozent der Aktien müssen im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

Metro-Chef Olaf Koch hält dagegen. Er war in den vergangenen Monaten sichtlich bemüht, die Vorteile der Aufspaltung in den Vordergrund zu rücken. Womöglich als Zeichen des guten Willens kaufte Koch am Freitag Anteilsscheine der Lebensmittelsparte im großen Stil – im Wert von mehr als einer Million Euro. Eine Aktie kostete zu diesem Zeitpunkt 18,31 Euro – zum Handelsschluss nur einen Cent weniger.

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