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24.11.2011

10:46 Uhr

Leerverkäufe

Spekulanten attackieren Solaraktien

VonJörg Hackhausen

Hedge-Fonds haben es auf deutsche Solarkonzerne abgesehen. In keinem Sektor gibt es mehr Wetten auf fallende Kurse als in der Sonnenkraft-Branche. Die Unternehmen selbst sind daran nicht ganz unschuldig.

Die deutschen Solarfirmen waren zu träge - jetzt kämpfen einige um die Existenz. dpa

Die deutschen Solarfirmen waren zu träge - jetzt kämpfen einige um die Existenz.

DüsseldorfSie ist die größte Zockeraktie auf dem deutschen Markt, ja in ganz Europa: Q-Cells. Der Kurs rutschte zuerst bis auf 50 Cent ab, kletterte dann auf 1,10 Euro – ein Plus von mehr als hundert Prozent innerhalb weniger Tage. Doch die Freude währte nicht lange, inzwischen geht es wieder rasant abwärts.

Keine andere Aktie legte in den vergangenen Wochen eine solche Achterbahnfahrt hin wie Q-Cells. Und bei keiner anderen sind so viele Spekulanten am Werk, die auf fallende Kurse wetten, sogenannte Short-Seller.

Wie viele Wetten gegen ein Unternehmen laufen, lässt sich ablesen an der Zahl der ausgeliehenen Aktien. Wird eine Aktie verliehen, steckt dahinter oft ein Leerverkauf. Das funktioniert so: Der Besitzer der Aktie kassiert eine Gebühr fürs Verleihen. Derjenige, der sie ausleiht, meistens ein Hedge-Fonds, will sie eigentlich gar nicht haben. Er verkauft die ausgeliehene Aktie weiter, in der Hoffnung, sie später günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz ist sein Gewinn. Anschließend gibt er das Papier an den Ausleiher zurück.

Welche Aktien am meisten verliehen werden

Q-Cells

45,35 Prozent aller Aktien sind ausgeliehen

Aixtron

23,42 Prozent

Tui

20,26 Prozent

Asian Bamboo

16,86 Prozent

Wacker Chemie

14,88 Prozent

Solarworld

13,76 Prozent

Praktiker

10,55 Prozent

SGL Carbon

10,41 Prozent

SMA Solar

9,05 Prozent

Pfeiffer Vacuum

8,31 Prozent

Freenet

8,14 Prozent

Heidelberger Druck

8,14 Prozent

Quelle: Data Explorer

Nach Angaben des Datenanbieters Data Explorer sind aktuell gut 45 Prozent aller Aktien von Q-Cells verliehen. Auch bei anderen deutschen Solaraktien ist die Ausleihquote hoch; wenn auch nicht ganz so extrem. Bei Wacker Chemie, einem Zulieferer der Branche, liegt sie bei knapp 15 Prozent, bei Solarworld sind es 13,75 Prozent, bei SMA Solar neun Prozent.

Die Short-Seller haben die Solaraktien bereits seit Anfang des Jahres im Visier. Bislang hat sich das ausgezahlt. Die Kurse der meisten Solaraktien sind in diesem Jahr massiv gefallen. Für Aktien von Solarworld haben sie Ende März noch knapp zwölf Euro bezahlt, jetzt sind die Papiere gerade mal drei Euro wert – ein Verlust von 75 Prozent. Ende September sah es so aus, als hätten die Kurse ihren Tiefpunkt erreicht, auch die Attacken durch Leerverkäufer schienen nachzulassen. Jetzt sind sie wieder zur Stelle.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

24.11.2011, 11:29 Uhr

Da sieht man, dass die Politik mit der Idee "naked short sell" eine Nullnummer gebracht hat.
Das einzig wahre ist komplett die Leihe zu untersagen.

Und welcher Fondsmanager ist so dumm, seine Stücke für einige Baispunkte zu verleihen? Es versaut doch nur dessen Performance (von den armen Wichten, die die Papiere im Fonds haben).

Die Lobby pro Leihe muss noch immer riesig sein, da die Bankhäuser ein erträgliches Geschäft damit erzielen, risikofrei.

Da sieht man, wie verkommen unsere Industrie ist - keine Augenmerk auf Substanz.

Wer nun sagt, die faire Bewertung wird auch durch die Shorts hergestellt irrt.
Denn wer meint das Unternehmen ist überbewertet, sollte sich von seinem Anteil trennen.
Hält der Investor keinen Anteil, ist er aus seiner Sicht doch schon richtig positioniert - nämlich er ist NICHT investiert - und kann warten, bis das aktraktive Niveau aus seiner Sicht erreicht ist.

Jaguar

24.11.2011, 13:15 Uhr

Kann mir mal jemand erklären, warum der, der die Aktie "verleiht", und damit den Leerverkauf überhaupt erst ermöglicht, sich darauf einlässt? Er ist doch am Ende der Dumme, weil er seine "verliehene" Aktie am Ende zwar zurückbekommt. Aber sie ist weniger Wert bzw. das Unternehmen ist pleite.

Der Gewinn, den der Lehrverkäufer bzw. "Leiher" einstreicht, entsteht doch unmittelbar auf Kosten des "Verleihers".

Es ist mir schon klar, dass der "Verleiher" als Gegenleistung eine Gebühr kriegt. Er ist also eigentlich kein Verleiher sondern ein "Vermieter". Aber man vermietet doch auch keine Wohnung an jemanden, der vorhat, sie nur noch mit der Hälfte des Wertes, bzw. am besten völlig wertlos, zurückzugeben.

Logo23

24.11.2011, 15:48 Uhr

Leerverkäufer betreiben die Vermögensvernichtung Dritter.
Da Leerverkäufer in nichts investieren, wetten sie auf den wirtschaftlichen Untergang anderer. Durch die verursachten Kurseinbrüche werden weitere Leerverkäufer angelockt und die Todesspirale des Unternehmens dreht sich. Da wir in einer Wirtschaft leben, in der Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen, sollten wir diese Wirtschaft nicht zynischen Spielern überlassen und Leerverkäufe generell verbieten.

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