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10.08.2012

10:04 Uhr

„ManU“-Börsengang

Die Angst vor einem neuen Facebook

VonElisabeth Atzler, Rolf Benders

Der englische Fußballclub Manchester United stürmt an die New Yorker Börse. Doch obwohl sich der Markt seit dem misslungenen Facebook-IPO wieder erholt hat, ist die Angst vor einem neuen Desaster groß.

Wayne Rooney feiert ein Tor bei Manchester United. Genauso erfolgreich wie in der Liga will der englische Top-Verein auch an der Börse sein. Reuters

Wayne Rooney feiert ein Tor bei Manchester United. Genauso erfolgreich wie in der Liga will der englische Top-Verein auch an der Börse sein.

New York, FrankfurtDer Blick von Anlegern und Fußballfans weltweit richtet sich heute auf den Börsengang des britischen Kultklubs Manchester United. Der von seinen Anhängern liebevoll „ManU“ genannte Verein und seine Aktie sollen helfen, die Katastrophe rund um das Parkettdebüt der Internetplattform Facebook vergessen zu machen. Facebook war im Mai mit großem Tamtam an der Nasdaq eingeführt worden. Doch die Platzierung entwickelte sich zum Albtraum: Das Handelssystem der Technologiebörse brach am ersten Handelstag zeitweise zusammen, Banken weltweit verloren dadurch Millionen von Dollar und seither hat sich der Facebook-Kurs fast halbiert. Danach traute sich wochenlang kaum eine Firma in New York an die Börse.

Zuletzt hat sich die Lage etwas gebessert. In dieser Woche drängten insgesamt sechs Unternehmen mit einem Gesamtplatzierungsvolumen von 1,1 Milliarden Dollar an den US-Kapitalmarkt – so viele wie seit der Facebook-Katastrophenwoche im Mai nicht mehr. „Der Markt hat sich einfach deutlich verbessert“, sagte Jonathan Crane, Investment-Banker bei dem US-Regionalinstitut KeyBanc.

Zum Wochenschluss soll der 1878 gegründete Verein Manchester United – als Marke mit 660 Millionen Fans weltweit mindestens so stark wie Facebook – den Durchbruch bringen. Anders als Facebook hat „ManU“ immerhin den weltgrößten Autohersteller General Motors (GM) und dessen Marketingmillionen im Rücken. Denn hatte sich GM vor dem Facebook-Börsengang noch publikumswirksam von der Plattform zurückgezogen, schloss der Detroiter Konzern kürzlich einen 560 Millionen Dollar schweren Sponsorvertrag mit dem Verein.

Doch Experten warnen davor, dass der Besitzer, der US-Geschäftsmann Malcolm Glazer, und die Klubführung, dabei sind, die gleichen Fehler zu machen wie Facebook und dessen Gründer Mark Zuckerberg. So wird die Aktie in einer Spanne von 16 bis 20 Dollar angeboten, womit die Firma bis zu 2,6 Milliarden Dollar wert wäre. Damit ist sie höher bewertet als die Facebook-Aktie beim Börsengang. Gleichzeitig stellt Glazer durch die Ausgabe verschiedener Aktientypen sicher, dass die neuen Miteigentümer ihm nicht ins Tagesgeschäft reden können. Er imitiert damit Zuckerbergs Vorgehen. „ManU ist eine starke Marke, aber das macht es noch nicht zu einem guten Investment“, erklärt daher David Larrabee, Analyst beim CFA Institute. „Meiner Meinung nach verdient das Management eine Gelbe Karte.“ Möglicherweise wird die Aktie mehr zum Liebhaberpapier. So wie die des bisher einzigen deutschen börsennotierten Fußballvereins Borussia Dortmund: Trotz zwei Meisterschaften in Folge dümpelt das Papier bei 2,44 Euro herum. Ausgabepreis war im Jahr 2000 elf Euro.

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