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16.10.2016

14:28 Uhr

Marihuana-Branche

Diese Aktie macht high

Die US-Firma Scotts Miracle-Gro ist bekannt für ihre Blumenerde. Seit einem Jahr profitiert sie vom legalisierten Marihuana-Anbau, die Aktie legte um fast ein Drittel an Wert zu. Und der Boom scheint weiterzugehen.

Sechs Milliarden Dollar schwer ist die Marihuana-Branche in den USA. dpa

Hanf-Pflanzen

Sechs Milliarden Dollar schwer ist die Marihuana-Branche in den USA.

New YorkAuch Aktionäre, die kein Marihuana rauchen, haben ihre helle Freude an der Grünpflanze mit Rauschpotenzial. Wer vor einem Jahr in eines der wenigen Unternehmen aus der jungen US-Marihuana-Industrie investierte, darf sich heute über hohe Gewinne freuen. Die meisten Anleger entschieden sich offenbar für ein Unternehmen, das eigentlich für seine Blumenerde und Gartenprodukte bekannt ist: Scotts Miracle-Gro. Die hohe Nachfrage ließ den Aktienkurs in diesem Jahr um rund ein Drittel nach oben schießen.

Scotts begab sich in den vergangenen 18 Monaten auf eine ausgedehnte Einkaufstour. Das Unternehmen schluckte führende Firmen, die Spezialdünger, Beleuchtungsanlagen und andere Materialien für Hydrokulturen anbieten – die Innenraummethode, die von US-Marihuana-Anbauern bevorzugt wird.

Wissenswertes zu Cannabis

Was ist Cannabis eigentlich?

Cannabis ist ein Sammelbegriff für alle Rauschgiftdrogen der Sorte Hanf. Die Hauptwirkstoffe, die aus der Hanfpflanze gewonnen werden, heißen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabinoid (CBD). Die Bestandteile haben eine berauschende sowie eine schmerzlindernde Wirkung.

Unterschied zwischen Marihuana und Haschisch

Nicht jedes Gras ist auch grün. Marihuana, auch bekannt als Gras wird aus den getrockneten Blüten und Blättern der Cannabispflanze gewonnen. Hingegen entsteht Haschisch aus dem Harz der weiblichen Hanfpflanze. Haschisch hat einen höheren Wirkstoffgehalt als Marihuana.

Veraltetes Gesetz

Cannabis fällt in Deutschland genauso wie andere Rauschgiftdrogen unter das Betäubungsmittelgesetz. Im Jahr 1925 wurden die ersten Regeln zu Cannabis gesetzlich festgehalten, wobei diese 1994 zum letzten Mal überarbeitet wurden. Vor 20 Jahren also. Allerdings hat das Verfassungsgericht Köln erst im Juli den „Heimanbau“ von Marihuana zu medizinischen Zwecken erlaubt. Das gilt in der Hanf-Szene als ein Paukenschlag in der Legalisierungsdebatte.

Ausnahmen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat 300 Leuten in Deutschland die Genehmigung erteilt, getrocknete Cannabisblüten über Apotheken zu beziehen. Natürlich nur, wenn der Konsum schmerzlindernde Gründe hat. Die Krankenkassen beteiligen sich jedoch bisher nicht an solchen Ausnahmen.

Wer stellt legales Cannabis her?

Nicht viele Firmen dürfen in Deutschland legales Cannabis produzieren. In Frankfurt gibt es beispielsweise das Pharmaunternehmen THC Pharm.

Cannabis vs. Alkohol

In Europa geben sich laut dem Europäischen Drogenbericht 2013 mittlerweile mehr als 100.000 Menschen in eine Therapie, die Cannabis als Leitdroge angeben. Hingegen gelten circa 1,3 Millionen Deutsche als alkoholabhängig. Mehr als neun Millionen Menschen konsumieren hierzulande Alkohol in schädlicher Form.

Tabak

Tabak ist der am meisten verbreitete Suchtstoff in Deutschland. Das steht im Drogenbericht der Bundesregierung. Von Tabak sind rund 5,6 Millionen Deutsche süchtig.

Der Görlitzer Park in Berlin

Einer der größten Brennpunkte in Deutschland ist der Görlitzer Park in Berlin. Dort sind Gewalt und polizeiliche Einsätze an der Tagesordnung und die Medien überschlagen sich vor Neuigkeiten über den Schauplatz des illegalen Drogenhandels. Erst im September wurde er von der Berliner Morgenpost als „Kriminalitätsschwerpunkt“ bezeichnet. Als Reaktion auf zunehmende Kriminalität hat die Berliner Polizei härter durchgegriffen und die Präsenzkontrollen im Park verstärkt, weshalb laut des Tagesspiegels erste Verbesserungen zu bemerken seien.

Legal Highs

In den vergangenen Jahren kamen die sogenannten „Legal Highs“ in Mode. Das sind Kräutermischungen, in denen legale Inhaltsstoffe sind, die genauso rauschend wirken sollen, wie die der Cannabis-Pflanze. Diese Stoffe heißen „Research Chemicals“ und fallen unter das Arzneimittelgesetz. Im Internet sind diese Kräutermischungen auf zahlreichen Online-Seiten erhältlich.

Für knapp 60 Euro für neun Gramm erhält man dann Produkte mit Namen, wie „Alians“ oder „Vulkan“. Diese werden von den Betreibern dieser Webseiten als „100% legal“ angepriesen. Fragwürdig sind die Legal Highs in jedem Fall; nicht zuletzt, weil man fast immer mit der Bestellung seine Volljährigkeit bestätigt. Kontrolliert wird das nicht.

Wie gefährlich diese synthetisch hergestellten Stoffe in Wirklichkeit sind und ab welcher Menge der Besitz und Handel künstlicher Cannaboide strafbar sein soll, will der Bundesgerichtshof laut Informationen der Nachrichtenagentur dpa am 14. Januar 2015 entscheiden.

Umfragen in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Massachusetts, Maine, Nevada und Arizona legen den Schluss nahe, dass dort Volksabstimmungen erfolgreich sein werden, durch die sich die legale Marihuana-Nutzung bald dramatisch ausweiten dürfte. Die sechs Milliarden Dollar schwere legale Marihuana-Branche der USA könnte sich allein dadurch verdreifachen, dass die Wähler in Kalifornien dort im kommenden November eine Freizeitnutzung absegnen. Das geht aus einer Studie des Finanzdienstleisters Cowen & Co. hervor.

165 Filialen der großen Baumarktkette Home Depot erhältlich. „Dies wird als seine Marihuana-Wachstums-Story gesehen“, sagt Analyst Ivan Feinseth von Tigress Financial Partners in New York.

Das Hydrokulturengeschäft von Scotts erwirtschaftet inzwischen einen Umsatz von rund 250 Millionen Dollar pro Jahr. Die Produkte werden hauptsächlich über Spezialläden vertrieben. Doch die Scotts-Marke Black Magic für den Innenraumanbau ist auch in

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Marihuana und Produkte rund um die Droge sind in den USA ein großes Geschäft. Der Markt wächst, obwohl das ganz große Geld noch gar nicht fließt. Der Boom zieht Unternehmer an. Auch der Fiskus kassiert kräftig mit.

„In Bundesstaaten, in denen sich die Gesetze in eine Richtung entwickelt haben, die den legalen Anbau von Hanf ermöglichen – in nahezu jedem dieser Staaten – geschieht das über Hydrokulturmethoden“, erklärte Scotts-Finanzchef Randy Coleman bei einer Konferenz im September. „Wir haben den Vorteil, dadurch wachsen zu können.“

Die Hydrokulturenumsätze von Scotts entsprechen weniger als zehn Prozent der 2,9 Milliarden Dollar, die das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten erwirtschaftet hat. Damit sind die Umsätze zwar relativ gering, doch sie werfen höhere Margen ab, sagt Feinseth. Und die Umsätze könnten abheben, wenn noch weitere Staaten Marihuana erlauben. Scotts wollte auf Nachfrage keinen Kommentar zu dem Thema abgeben.

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