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29.06.2015

13:10 Uhr

Marktbeben wegen Griechenland-Krise

Bankaktien verlieren 40 Milliarden Euro an Wert

40 Milliarden Euro im Minus: Die europäischen Bankaktien verlieren so viel an Wert wie seit 2011 nicht mehr. Besonders die Geldhäuser europäischer Sorgenkinder leiden. Aber auch der Deutschen Bank drohen Verluste.

Die verschärfte Situation in Griechenland macht sich auch bei den europäischen Geldhäusern bemerkbar – auch bei der Deutschen Bank. dpa

Bankentürme in Frankfurt

Die verschärfte Situation in Griechenland macht sich auch bei den europäischen Geldhäusern bemerkbar – auch bei der Deutschen Bank.

Europäische Bankaktien haben am Montag den stärksten Einbruch seit 2011 verzeichnet. Mehr als 40 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung wurden vernichtet, nachdem Griechenland Kapitalverkehrskontrollen eingeführt und die Schließung der Banken verfügt hat.

Der Stoxx 600 Banks Index büßte bis zu 4,4 Prozent ein, das entspricht dem deutlichsten Innertagesverlust seit November 2011. Alle 46 Indexmitglieder gaben nach. Gegen 11.55 Uhr lag der Subindex 3,1 Prozent im Minus. Zu den größten Verlierern gehörten Banken aus Italien, Portugal und Spanien, angeführt von Banco Comercial Portugues.

Mit der Bankenschließung und den Kapitalkontrollen will Griechenland einen Zusammenbruch seines Finanzsystems angesichts zunehmender Befürchtungen eines Ausscheidens aus dem Euroraum vermeiden. Die Banken sollen mindestens bis zum 6. Juli geschlossen bleiben, einen Tag nach der geplanten Volksabstimmung zu den Vorschlägen hinsichtlich eines Rettungsprogrammes.

ELA und die griechischen Banken

Was heißt „ELA“?

Ela steht für „Emergency Liquidity Assistance“, also Notfall-Liquditätshilfe.

Wer vergibt die Kredithilfen?

Die Hilfe wird nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen.

Welche Regeln gelten?

Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die nur einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Wie wichtig sind die Hilfen für griechische Banken?

Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen - was sie faktisch nicht können. Seit Monaten hängen die Hellas-Banken am Ela-Tropf: Von der üblichen Versorgung mit frischem Zentralbankgeld sind sie überwiegend abgeschnitten. Denn ein Großteil ihrer Sicherheiten - griechische Staatsanleihen - werden von der EZB zurzeit nicht als Pfand akzeptiert, weil sie zu schlecht bewertet sind.

„Kurzfristig dürfte die Stimmung am Markt sehr negativ sein“, sagte Jacopo Ceccatelli, Vorstandschef des Mailänder Brokers Marzotto. „Staatsanleihen und Banken in Ländern der Peripherie werden von der Unsicherheit am stärksten betroffen sein.“

Am Sonntag hatte die Europäische Zentralbank die Obergrenze für die Nothilfe für griechische Banken bei knapp 89 Milliarden Euro eingefroren. Damit verweigerte sie erstmals in diesem Jahr einen weiteren Liquiditätspuffer, nachdem die Einlagen bei griechischen Kreditinstituten weiter zurückgegangen waren. Griechenland ist nach Zypern das zweite Land der Eurozone, das Kapitalkontrollen einführt.

Der spanische Banco Popular Espanol fiel 6,2 Prozent und Banco de Sabadell notierte 4,9 Prozent niedriger. In Italien gab Banca Monte dei Paschi 6,7 Prozent ab, Intesa Sanpaolo büßte 3,9 Prozent ein und Banca Popolare di Milano verlor 5,1 Prozent. Banco Comercial sackten in Lissabon 9,1 Prozent ab.

Das Ansteckungsrisiko ist seit 2009, als Griechenland eine Staatsschuldenkrise im Euroraum auslöste, zwar geringer geworden. Dennoch macht den Banken ein drohendes Auseinanderbrechen des Euros zu schaffen. Einige Kreditinstitute leiden zudem unter den Kursschwankungen bei Staatsanleihen in ihrem Portfolio. So hielten italienische Banken im April Anleihen ihres Landes im Rekordvolumen von 415,5 Milliarden Euro, wie aus Daten der italienischen Zentralbank hervorgeht.

„Die größten Auswirkungen bei Banken wird es in ihren Investmentportfolios geben“, schrieb Analyst Antonio Guglielmi von Mediobanca in London am Montag in einer Studie. Bei den Banken im übrigen Europa machten sich die Ereignisse vor allem im Handel mit Festverzinslichen bemerkbar, hieß es in der Studie weiter. Deutsche Bank und BNP Paribas gehören demzufolge zu den größten Anleihehändlern, bei denen Verluste drohen.

Kommentare (1)

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Herr Hellas Eurocrasher

29.06.2015, 13:54 Uhr

In Gottes Namen nehmt den Vorschlag der Regierung Syriza an!
40 Mld was soll das denn????
Es wird so noch Teurer!

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