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13.04.2015

08:13 Uhr

Mehr Risiko

Ramschpapiere auf Rekordhoch

Durch neue Impulse der europäischen Zentralbank greifen Investoren immer häufiger zu Papieren mit höherem Risiko. Die Ramschpapiere bewegen sich daher nun auf einem Rekordniveau

Die Nachfrage nach riskanten Anlagen nimmt vor dem Hintergrund der gesunkenen Renditen infolge des 1,1 Billionen Euro schweren QE-Programms der EZB zu. dpa

Börse

Die Nachfrage nach riskanten Anlagen nimmt vor dem Hintergrund der gesunkenen Renditen infolge des 1,1 Billionen Euro schweren QE-Programms der EZB zu.

Die Preise für Ramschpapiere europäischer Emittenten bewegen sich auf Rekordniveau. Die Stimuli der europäischen Zentralbank führen dazu, dass Investoren Vermögenswerte nachfragen, die höhere Risiken beinhalten.

Der durchschnittliche Preis von Leveraged Loans in der Region kletterte am vergangenen Donnerstag auf 97,38 Cents je Euro, der höchste Wert seit August 2007, wie der Standard & Poor's European Leveraged Loan Index zeigt. Der Index hat jedes Jahr seit 2011 mit Aufschlägen beendet und bewegt sich 2015 auf den vierten Monat mit Kursanstieg in Folge zu.

Die Nachfrage nach riskanten Anlagen nimmt vor dem Hintergrund der gesunkenen Renditen infolge des 1,1 Billionen Euro schweren QE-Programms der EZB zu. „Der Mangel an wirklich neuem Material, gepaart mit der regen Nachfrage, die von verbrieften Krediten herrührt, hat die Preise am Sekundärmarkt nach oben getrieben”, sagte Mike Kessler, Stratege bei Barclays in London.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.


Kommentare (2)

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Herr Wilfried Runft

13.04.2015, 11:53 Uhr

Was hier geschieht ist mit Verlaub der größte Schwachsinn aller Zeiten: Nur Aktien und Immobilien steigen im Preis ohne dass eine wirkliche Wertschöpfung stattfindet. Es wird die Altersversorgung aller Arbeitnehmer des Euroraumes aufs Spiel gesetzt und die Politik glaubt, aufgrund des billigen Geldes noch leichtsinniger Geld ausgeben zu können. Japan und die USA haben gezeigt, dass durch QE die Wirtschaft nicht angekurbelt wird. Draghi gefällt sich nur darin, mehr Geld in die Hand nehmen zu können, als Frankreich und Deutschland zusammen. Dabei findet eine Umverteilung von unten nach oben statt, wie es noch nie in Europa der Fall war. Ich bin gespannt, ob es noch irgendeinen vernünftigen Menschen gibt, der Draghi stoppt...

Herr Wilfried Runft

13.04.2015, 12:05 Uhr

Im übrigen ist es nicht hinnehmbar, dass der Euro täglich zwischen 0,7 und 1 Prozent gegenüber dem USD an Wert verliert. Das führt unweigerlich zu einem Handelskrieg mit den USA und zu einer erheblichen Verteuerung aller von außerhalb des Euroraums exportierten Waren, Rohstoffe und Zwischenprodukte. Leidtragende dieser Entwicklung sind wiederum nur Arbeitnehmer und Rentner, da die Gewerkschaften unfähig sind, adäquate Anhebungen durchzusetzen

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