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24.06.2015

16:05 Uhr

Metro-Aktie

Warum sich Analysten den Kopf zerbrechen

Quelle:Börse am Sonntag

Endlich verkauft: Vor einer Woche ging die angeschlagene Warenhauskette Kaufhof an den kanadischen Konzern Hudson's Bay. Metro-Anleger hatten sich mehr erhofft. Die Aktie schmierte ab. Was Analysten jetzt erwarten.

Der Verkauf der Kaufhof-Warenhäuser hat dem Metro-Konzern Milliarden gebracht. ap

Galeria Kaufhof

Der Verkauf der Kaufhof-Warenhäuser hat dem Metro-Konzern Milliarden gebracht.

DüsseldorfMetro verkauft seine Warenhaustochter Kaufhof, also die 103 Filialen der Galeria Kaufhof, mit den dazugehörigen Immobilien. Ersteigert hat es das kanadische Traditionsunternehmen Hudson’s Bay, das bis Ende September zwei8 Milliarden Euro auf den Tisch legen will.

Das Nachsehen hat dabei Karstadt Eigentümer Signa, der ebenfalls für Kaufhof geboten hatte. Der österreichische Karstadt-Eigner René Benko soll dem Vernehmen nach ein Angebot in ähnlicher Höhe abgegeben haben. Für Hudson’s Bay, das in den USA und Kanada mehr als 300 Warenhäuser und Fachgeschäfte betreibt, ist der Deal ein erster Schritt auf den europäischen Markt.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Der Verkaufserlös soll in Investitionen und den Schuldenabbau von Metro fließen. Eigentlich ist das eine gute Nachricht für die Anteilseigner des MDax-Konzerns. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Aktionäre sich mehr erhofft hatten, weil viele von ihnen auf die Auszahlung einer Sonderdividende spekuliert hatten.

In den vergangenen Tagen ging es mit dem der Titel bergab. Der Abwärtstrend hält somit seit Mitte April dieses Jahres an. Diese Woche rangiert Metro im MDax in der Performance-Tabelle mit einem Kursverlust von 7,5 Prozent an vorletzter Stelle. Schlechter war nur noch Bilfinger mit einem Minus von 13,7 Prozent.

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