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19.07.2013

17:14 Uhr

Microsoft-Aktie bricht ein

„Der größte Fehlschuss jemals“

Microsoft schockiert die Börse: Die Zahlen enttäuschen alle Erwartungen. Ein neues Produkt entpuppt sich als Flop. Analysten sind entsetzt. Anleger stoßen die Aktie ab. Der Kurs knickt ein.

Das Surface-Tablet von Microsoft hat die Erwartungen bisher nicht erfüllt. AFP

Das Surface-Tablet von Microsoft hat die Erwartungen bisher nicht erfüllt.

Seattle, DüsseldorfEs ist der größte Einbruch seit Jahren: Die Aktie von Microsoft fällt am Freitag um zehn Prozent auf 31,91 Dollar. Damit reagieren die Anleger auf die enttäuschenden Zahlen, die das Unternehmen gestern nach Börsenschluss veröffentlicht hatte. Der Computerkonzern kämpft gleich mit mehreren Problemen: Zum einen bricht das Geschäft mit klassischen PCs ein, verkaufen zum anderen sich neue Geräte schlecht.

Ein Produkt, das eigentlich zum Hoffnungsträger entwickeln sollte, stellt sich als Flop heraus: das Surface-Tablet. Im vierten Geschäftsquartal (per Ende Juni) musste Microsoft 900 Millionen Dollar auf die unverkauften Bestände seines Tablets abschreiben. Das Gerät ist zeitgleich mit dem Betriebssystem Windows 8 im Oktober eingeführt worden. Es erweist sich trotz drastischer Preissenkungen als Ladenhüter, während Produkte der Konkurrenz massenhaft gekauft werden. Zum Vergleich: Apple hat bereits im Mai 2010 mit dem iPad dem Tablet zum Durchbruch verholfen.

„Soweit ich mich erinnern kann, ist das der größte Fehlschuss, den wir jemals bei Microsoft erlebt haben. Es sieht aus, als sei alles schwach gewesen“, sagte Analyst Brendan Barnicle von der Investmentbank Pacific Crest Securities.

Im abgelaufenen Quartal sank der operative Gewinn um 24 Prozent. Der US-Konzern verdiente unter dem Strich 59 Cent je Aktie. Analysten hatten Microsoft hier 75 Cent pro Anteilsschein zugetraut. Die Zwischenbilanz sei schwach ausgefallen und habe die Erwartungen des Marktes verfehlt, schrieb Ross MacMillan vom Analysehaus Jefferies in einer Studie. Der Experte senkte seine Gewinnschätzungen für das Geschäftsjahr 2014.

Die größten Tablet-Hersteller

Apple

Mit dem iPad hat Apple den totgeglaubten Tablet-Markt wiederbelebt, und immer noch ist der iKonzern der größte Anbieter, angesichts wachsender Konkurrenz verliert er allerdings Marktanteile. Im ersten Quartal stammte ein Drittel der Geräte von Apple (32,5 Prozent Marktanteil nach 40,2 Prozent im Vorjahr). Dabei entwickelte sich der Konzern schlechter als der Markt, der Absatz fiel von 19,5 Millionen auf 16,4 Millionen Stück – insgesamt stieg der Absatz dagegen leicht auf 50,4 Millionen Stück, wie aus Zahlen des Marktforschers IDC hervorgeht.

Samsung

Samsung ist bereits der größte Smartphone-Hersteller, auch bei den Tablets holt der südkoreanische Hersteller mächtig auf. Im ersten Quartal verkaufte er 11,2 Millionen Geräte und steigerte damit den Marktanteil auf 22,3 Prozent (Vorjahresquartal: 17,5 Prozent).

Asus

Einen leichten Rückgang verbuchte Asus. Der taiwanische Computerhersteller, der unter anderem für Google das Nexus 7 baut, verkaufte 2,5 Millionen Tablets – 5,0 Prozent Marktanteil (Vorjahr: 5,4 Prozent).

Amazon

Der Online-Händler Amazon drückt sein Kindle Fire zu Kampfpreisen in den Markt, allerdings mit durchwachsenem Erfolg. Das Unternehmen verkaufte im ersten Quartal eine Million Geräte und damit deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Der Marktanteil sank auf 1 Prozent.

Sonstige

Diverse Hersteller tummeln sich in der Kategorie Sonstiges – zusammen kommen sie auf 17,2 Millionen Geräte und einen Marktanteil von 34,2 Prozent. Darunter ist beispielsweise Microsoft: Der Konzern vermarktet seinen Tablet-Computer Surface als Notebook-Ersatz.

Lenovo

Aufsteiger des Jahres in Lenovo: Der größte PC-Hersteller der Welt verkaufte im ersten Quartal auch 2,1 Millionen Tablets, ein plus von 1,5 Millionen. Marktanteil: 2,1 Prozent.

Im weiteren Jahresverlauf muss Microsoft unter Beweis stellen, dass es den Abwärtstrend stoppen kann. Vor allem muss das Unternehmen den Rückstand gegenüber Apple und Google bei mobilen Geräten aufholen. „Wir wissen, dass wir besser werden müssen“, sagte Finanzchefin Amy Hood, die erst seit Mai im Amt ist.

Es stehen viele Veränderungen an: Der Konzern will sich komplett umstrukturieren und eine aktualisierte Version von Windows 8 auf den Markt bringen, die die vor allem für berührungsempfindliche Computer programmierte Software wieder stärker für alle Geräte öffnet. Zwar verkaufte Microsoft bereits mehr als 100 Millionen Windows-8-Lizenzen, doch konnte das Betriebssystem damit nicht die hohen Erwartungen erfüllen. Vor allem dank eines guten Absatzes der Büro-Software Office stiegen die Konzernerlöse um zehn Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar. Der Markt hatte sich allerdings auf 20,7 Milliarden Dollar eingestellt.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte erst in der vergangenen Woche den größten Konzernumbau seit fünf Jahren angekündigt. Produkte und Dienstleistungen sollen künftig im Mittelpunkt stehen, Programme schneller an die Kunden gebracht werden. Die Ankündigung lässt vermuten, dass sich Microsoft stärker auf das - mit Ausnahme der Spielekonsole Xbox - bisher nicht sehr erfolgreiche Hardware-Geschäft konzentrieren will.

Das Unternehmen macht nach wie vor den Großteil seines Umsatzes mit Software. Neun von zehn herkömmliche Computer laufen mit Windows. Da jedoch immer weniger davon verkauft werden, setzt Microsoft zwangsläufig weniger Betriebssysteme ab und hat bisher noch keine entsprechend große neue Einnahmequelle gefunden. Der PC-Absatz war in den vergangenen Quartalen um jeweils mehr als zehn Prozent abgestürzt.

Für die Aktionäre gibt es noch keinen Grund, die Nerven zu verlieren. Trotz des heftigen Verlust am heutigen Tag gehört das Papier mit einem Plus von 32 Prozent zu den Gewinnern in diesem Jahr. Der S&P-Index hat rund 19 Prozent zugelegt.

Kommentare (15)

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Abgehoerter

19.07.2013, 18:29 Uhr

wer möchte schon eine neueste Version der Spionage-Software? Sobald die Chinesen mit einem kompatiblen Betriebssystem aufwarten können ist Microsoft gestorben: +++ R.I.P.

mimikri

19.07.2013, 18:31 Uhr

Tja auch die Größten haben mal klein angefangen und werden wieder mal klein sein.

Sagt ein 88 Jähriger zu seinem agilen ebenfalls so alten Nebensitzer, mir tut alles weh und mir geht's nicht gut.
Darauf sein Nachbar, bei mir ist es dass totale Gegenteil, ich fühle mich wie ein Baby, ich habe keine Haare und Zähne mehr und Windeln trage ich noch dazu.

Windows8istSpitze

19.07.2013, 18:43 Uhr

Es ist doch möglich, jedes gewünschte Bilanzerbegnis zu erzeugen. Das beherrschen die großen Accounting Firms mit links.

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