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25.09.2013

16:21 Uhr

Missglückte Investorenkonferenz

Commerzbank-Aktie gerät unter Druck

Commerzbank-Chef Martin Blessing macht auf einer Investorenkonferenz in London keine gute Figur. Analysten sind enttäuscht. Sie hatten sich mehr Tempo beim Umbau der Bank erhofft. Die Aktie gibt kräftig nach.

Der Umbau der Commerzbank zieht sich hin. dpa

Der Umbau der Commerzbank zieht sich hin.

FrankfurtEin Abendessen mit Folgen: Die Commerzbank-Spitze hat Analysten bei einem Treffen in London mit Aussagen zum Geschäftsverlauf und zur Strategie des Instituts enttäuscht. Die Aktien des zweitgrößten deutschen Geldhauses gingen daraufhin am Mittwoch auf Talfahrt. Zeitweise verloren die Papiere 6,7 Prozent auf 8,72 Euro und waren damit mit Abstand größter Verlierer im Leitindex Dax.

Vorstandschef Martin Blessing und sein Team hatten laut Analysten bei dem Abendessen vor einer Investorenkonferenz von Bank of America/Merrill Lynch keine Hoffnung gemacht, dass es mit der Commerzbank bald bergauf gehe. Außerdem hätten die Frankfurter Banker nicht den Eindruck vermittelt, dass sie es eilig hätten, problembehaftete Papiere mit Verlust zu verkaufen und die Bilanz zu reinigen, erklärten die Experten von JPMorgan. „Das ist aus unserer Sicht enttäuschend.“

Die Commerzbank ist dabei, das Geschäft mit Schiffs-, Immobilien- und Staatskrediten abzubauen. Zur Jahresmitte standen hier noch 136 Milliarden Euro zu Buche, am Jahresende will die Bank unter der Marke von 125 Milliarden liegen. Einige Investoren hatten sich aber schnellere Fortschritte erhofft - und fürchten nach den zurückhaltenden Äußerungen von Blessing böse Überraschungen. „Die Commerzbank war nicht in der Lage oder willens, für das Nichtkerngeschäft eine Bruttorendite zu nennen. Deshalb ist zu vermuten, dass die um Risiken bereinigte Rendite enttäuschend niedrig ist“, sagte einer von ihnen.

Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme zu dem Abendessen ab und verwies auf ihre Präsentation auf der Investorenkonferenz. Die Bank hat im ersten Halbjahr rote Zahlen geschrieben vor allem wegen hoher Kosten für den Stellenabbau und des verlustträchtigen Verkaufs des Geschäfts mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen in Großbritannien.

Die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) bei vollständiger Anwendung der Basel-III-Regeln betrug Mitte des Jahres 3,2 Prozent. Diese Kennzahl, die nach dem Willen der Aufsichtsbehörden künftig eine wichtigere Rolle spielen soll, setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Bis Ende 2014 peile die Commerzbank eine Quote von 4,5 Prozent an, erklärten die Analysten von JPMorgan nach dem Abendessen.

Mit einem möglichen Verkauf der Commerzbank, über den in den vergangenen Monaten immer mal wieder spekuliert wurde, rechnet die Bankspitze nach Einschätzung von JPMorgan nicht. „Das Management scheint nicht besorgt zu sein und hält ein Angebot vor dem 'Asset Quality Review' für sehr unwahrscheinlich.“ Die „Asset Quality Review“ ist ein Teil der Prüfungen, mit denen die Aufsichtsbehörden die Robustheit der Geldhäuser vor der Übernahme der Bankenaufsicht durch die Europäische Zentralbank Ende 2014 sicherstellen wollen.

Von

rtr

Kommentare (12)

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vanrom

25.09.2013, 16:58 Uhr

... nach der Bundestagswahl sollte die neue Bundesregierung endlich den Mut zeigen und die Commerzbank AG endgültig abwickeln, um nicht weiter den Steuerzahler für die desolate Leistung des Vorstandes in die Pflicht zu nehmen ! It's time to say goodbye !!!

Rico11

25.09.2013, 17:02 Uhr

Ob unser Martin eine Stellungnahme ablehnt spielt
m.E. keine Rolle. Die Wahrheit über den desolaten
Zustand der Commerzbank wird spätestens mit den Q3 Zahlen
ans Tageslicht kommen. Anleger sollten sich schon
einmal auf die nächste Kapitalerhöhung einstellen,
je früht desto besser.

helmi

25.09.2013, 18:46 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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