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20.04.2016

16:25 Uhr

Mittelständler an der Börse

Nicht zu viel auf dem Golfplatz herumstehen

VonPeter Köhler

Ein Analystenhaus hat das Management der deutschen Mittelständler an der Börse unter die Lupe genommen. Wer als Chef die Klatschspalten ziert und beim Golfen trödelt, sammelt Minuspunkte.

Nicht zu oft auf dem Golfplatz stehen und das eigene Ego klein halten – laut den Oddo-Analysten ist so ein Manager-Verhalten auch für den Aktienkurs gut. IMAGO

Manager im Mittelstand

Nicht zu oft auf dem Golfplatz stehen und das eigene Ego klein halten – laut den Oddo-Analysten ist so ein Manager-Verhalten auch für den Aktienkurs gut.

FrankfurtDer Mittelstand gilt weltweit als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – aber die „hidden champions“ machen ihrem Namen alle Ehre und tauchen kaum auf an der Börse. Sie scheuen Hauptversammlungen und das Urteil der Analysten, die Strategie ist oft eine Familienangelegenheit. Aber es gibt trotzdem einige wenige Perlen auf dem Kurszettel, die jetzt das Wertpapier-Analysten von Oddo Securities aufgespürt haben. Das Team unter Leitung von Jean-Philippe Desmartin konzentriert sich bei der Analyse auf die Qualität des Managements und die Personalpolitik der Unternehmen. Dafür wurden 21 Kriterien erstellt.

Sieben Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon; "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts")

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen - und profitieren von - Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung - in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management.

Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: "Um die Chance zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen."

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität - keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: "Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen."

Extrem wichtig ist dabei, ob der Mann an der Spitze – der CEO – sowohl eine Führungskraft, ein Visionär als auch gleichzeitig eine vertrauenswürdige Persönlichkeit ist. „Er sollte kein Superstar sein, der die Bühne oder zu viele Mandate in Gremien sucht, nicht zu oft auf dem Golfplatz stehen und sein Ego nicht über die Sache des Unternehmens stellen“, sagt Desmartin. Kein Bling-Bling, fasst er kurz zusammen. Dafür untersuchen die Analysten schon mal via Google und in Gesprächen, wie „prominent“ der Chef ist. Wer zu oft „ich“ sagt anstatt „mein Team“ oder „mein Unternehmen“, der verursacht ebenfalls Stirnrunzeln. In die Bewertung fließen aber auch harte Fakten und Zahlen ein, etwa die Nachfolgeplanung, die Deckungsgleichheit zwischen Ankündigungen und Ergebnissen und die Erfolge und Fähigkeiten der übrigen Vorstandsmitglieder.
Außerdem sehen es die Analysten gerne, wenn sich die Top-Manager mit Aktien am Unternehmen beteiligen und wenn Akquisitionen ohne zu große Bremsspuren in der Bilanz verarbeitet werden. Schließlich gehört zu den Filtern für den Erfolg auch eine flache Hierarchie. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter wird zum Beispiel über die Messung von streik- oder krankheitsbedingten Ausfalltagen ermittelt.
Die Analysten von Oddo Securities haben so aus 76 deutschen Midcaps eine Liste von 15 Unternehmen erstellt, davon empfehlen sie besonders das Biotechnologieunternehmen Morphosys, den Kfz-Zulieferer Norma, das Werbeunternehmen Ströer und den Einzelhändler Zooplus zum Kauf. Alle Top 15 aus dem Mittelstand haben laut der Analyse in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 208 Prozent zugelegt verglichen mit 135 Prozent beim Marktbarometer MDax.

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Chefs von Mittelständlern sind für den Börsen-Erfolg ihrer Firma extrem wichtig. Ein Analystenhaus hat das Management der „Hidden Champions” unter die Lupe genommen. Wer wenig „ich” sagt, der hilft dem Kurs am ehesten.

Wie sich familienbestimmte Konzerne nicht nur in Deutschland sondern weltweit schlagen, kann man übrigens am Solactive Global Family Owned Companies Index ablesen. Laut "Financial News" hat das Barometer seit dem Start 2005 auf Euro-Basis den MSCI World deutlich geschlagen. Schaut man sich den Index an, dann findet man neben bekannten Namen wie Campbell Soup oder Loews auch weniger populäre Adressen wie Hormel Foods, Canadian Tyre oder den Einzelhändler Colruyt.

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