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08.02.2017

16:15 Uhr

Moelis & Co.

Die Investmentbank, der Saudi Aramco vertraut

VonRobert Landgraf, Matthias Streit, Mathias Brüggmann

Die kleine New Yorker Investmentbank Moelis & Co. erhält ein Mandat für den wohl größten Börsengang der Geschichte – den des Ölkonzerns Saudi Aramco. Wer sind die Banker, denen die Saudis den Mega-IPO anvertrauen?

Zu den Produktionsstätten des Ölkonzern gehört Shaybah mitten in der Sandwüste Rub' Al-Khali. AFP; Files; Francois Guillot

Saudi-Aramco-Produktionsstätte Shaybah

Zu den Produktionsstätten des Ölkonzern gehört Shaybah mitten in der Sandwüste Rub' Al-Khali.

Frankfurt„Amerikaner lieben Gewinner“, sagt Eric Cantor, Vize-Chef der New Yorker Investmentbank Moelis & Co. Und ihm ist schwer zu widersprechen, denn das kleine amerikanische Beratungsinstitut hat den derzeit wohl interessantesten Beraterjob weltweit für sich an Land gezogen. Der Ölkonzern Saudi Aramco hat die Bank offenbar beauftragt, den Börsengang des Staatsunternehmens vorzubereiten. Bankenkreise erwarten hier Provisionseinnahmen in höherer dreistelliger Millionenhöhe.

Von diesen wird Moelis eine Menge abbekommen, wenn die Informationen der übereinstimmenden Berichte mehrerer Medien stimmen. Der US-Amerikaner Eric Cantor kann also bester Laune sein. Gemeinsam mit seinem Chef Ken Moelis, dem Gründer der Bank, gehört er mit diesem Coup unter den Investmentbankern schon jetzt zu den Gewinnern des Jahres 2017.

Cantor hat als ehemaliger republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus beste Beziehungen zu den großen und mächtigen Menschen der Welt – und sicherlich Moelis dabei geholfen, den Mega-Deal an Land zu ziehen. Mit einem erwarteten Erlös von 100 Milliarden Dollar ist die Platzierung von fünf Prozent der Aktien von Saudi Aramco der bislang größte Börsengang weltweit. Dagegen sieht der bisherige Megadeal der chinesischen Internetplattform Alibaba, die Unternehmensgründer Jack Ma auf das New Yorker Börsenparkett gebracht hat, wie ein Zwerg aus. Diese Emission war gerade einmal ein Viertel so groß.

Mit den Rekordeinnahmen will der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den größten Staatsfonds der Welt aufbauen und die Abhängigkeit der saudi-arabischen Wirtschaft vom Ölgeschäft verringern. Mit dem Auftrag für Moelis ist der Kampf aber noch nicht beendet. Er tritt gerade erst in die heiße Phase ein. Denn welche Bank die Anteile letztlich platzieren wird, ist noch völlig offen.

Die größten Erdölproduzenten (2016)

Opec als größter Rohölproduzent

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stellt mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls bereit. Ihre 14 Mitgliedsstaaten sitzen auf mehr als 70 Prozent aller Ölreserven.

Quelle: dpa

Opec II

Laut einer Analyse des Energiekonzerns BP produzierte die Opec 2014 knapp 37 Millionen Barrel Öl und verwandte Produkte am Tag. Weltweit wurden 89 Millionen Barrel am Tag produziert. Die Größten Ölproduzenten im Überblick:

USA

12 Millionen Barrel

Saudi-Arabien

Zwölf Millionen Barrel

Russland

Elf Millionen Barrel

China

Vier Millionen Barrel

Kanada

Vier Millionen Barrel

Moelis zählt zu den sogenannten Investment-Boutiquen, kleinen Spezialinstituten, die den großen Investmentbanken das Leben schwer machen. Als Top-Banker haben Menschen wie Kenneth Moelis, den alle nur Ken nennen, über Jahre oder gar Jahrzehnte in Investmentbanken wie Morgan Stanley, Goldman Sachs und UBS Deals eingefädelt. Mit Hilfe ihres weitverzweigten Netzwerkes waren sie die „Rainmaker“ vieler milliardenschwerer Fusionen und Übernahmen.

Ken Moelis begann seine Karriere 1981 bei Michael Milken, dem ungekrönten Schrott-Anleihekönig der 1990 insolvent gegangenen Investmentbank Drexel Burnam Lambert. Nach der Pleite ging er mit einem Teil seines Team zum Konkurrenten Donaldson Lufkin & Jenrette, um schließlich bei der Schweizer UBS zu landen, die er zu einer Top-Adresse entwickelte. Ende 2006 rangierte die UBS auf Platz vier der Investmentbanken, bezogen auf die weltweiten Gebühreneinnahmen.

Doch irgendwann reichte das Engagement bei UBS Moelis nicht mehr. Mitten in der Finanzkrise eröffnete er 2007 sein eigenes Beraterinstitut, Moelis & Co, und nahm den Kern seiner Mannschaft bei UBS gleich mit. Mit Berateraufträgen wie beim 26 Milliarden Dollar schweren Kauf der Hotelkette Hilton durch Blackstone machte er sich schnell einen Namen.

Sieben Jahre später war es dann soweit: Der Wall-Street-Veteran trat mit seiner Firma in die Fußstapfen anderer erfolgreicher Investmentbanking-Boutiquen wie Greenhill, Evercore und vor allem Lazard und ging mit Moelis als unabhängigem Beratungshaus an die Börse. Damals besaß Kenneth Moelis ein Apartment im New Yorker Plaza-Hotel, ein riesiges Anwesen mit über 1400 Quadratmetern in Beverly Hills – und eine Investmentbank, die zum Start knapp 400 Millionen Dollar wert war. Ein Großteil davon gehörte ihm.

Teil des Expansionsplans des 58-jährigen Moelis ist es, gerade dort Teams aufzubauen, wo er zukünftige Unternehmensübernahmen und Börsengängen voraussieht. Neben Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten steht auch Deutschland auf seiner Expansionsliste ganz oben.

So hat Moelis in Deutschland etwa Pro Sieben Sat 1 bei der Akquisition des Youtube-Netzwerks Collective Digital Studio beraten. Auch bei der Umschuldung der IVG Immobilien war der Berater dabei. Heute wird seine Investmentberatung auf etwa das Fünffache des Ausgangswertes geschätzt. Mit Aufsehen erregenden Deals wie im Fall Aramco kann das nur so weiter gehen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.02.2017, 16:33 Uhr

Ja ,Ja, der Meister aus den USA holt sich jetzt das Geld dieser Herrschaften. In einigen Jahren gibt es einen Aufstand und der Saudi-König wird ins Ausland flüchten müssen.

Lothar dM

08.02.2017, 17:19 Uhr

Michael Milken´s Schöler ... top Mann!

Unbekannt

08.02.2017, 18:26 Uhr

Jetzt verkaufen die Saudis noch schnell ihr Ölgeschäft, bevor der ganze Laden vom IS übernommen wird. Die Käufer dürfen sich dann ihr Eigentum zurückerobern. Genial!

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