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08.06.2011

17:02 Uhr

Nach Fitch-Herabstufung

Nokia-Aktie rauscht in den Abgrund

Gewinnwarnung, Herabstufung, Übernahmespekulationen: Der finnische Handykonzern Nokia liefert zurzeit Schlagzeilen zuhauf. Die Anleger haben die Nase voll. Sie flüchten in Scharen aus der Aktie.

Die sprichwörtlichen Gewitterwolken hängen über Nokia. Quelle: dapd

Die sprichwörtlichen Gewitterwolken hängen über Nokia.

DüsseldorfNokia-Anleger brauchen derzeit starke Nerven. Seit Wochen hagelt es Hiobsbotschaften, an den Märkten wird wild über die Zukunft des Unternehmens spekuliert und die Aktie fällt immer tiefer.

Am Dienstag hatte die Ratingagentur Fitch ihre Bewertung für Nokia herabgesenkt. Die Kreditwürdigkeit des finnischen Unternehmens erhält nur noch die Note "BBB-", das ist nur eine Stufe über Junk-Niveau. Und den Ausblick stuft Fitch als negativ ein, weitere Herabstufungen drohen. Die Folgen: Für Nokia wird es schwieriger, Kredite zu bekommen. Und die Zinssätze steigen.

Anleger reagierten prompt, am Mittwoch stürzte der Aktienkurs einmal mehr ab. Am Nachmittag lagen die Papiere der Finnen in Helsinki bei 4,28 Euro fast 4,5 Prozent im Minus.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Für die Nokia-Aktie geht es seit Ende 2007, als sie noch rund 27 Euro kostete, kontinuierlich abwärts. Erst am vergangenen Donnerstag hatte es einen Einbruch um mehr als 15 Prozent gegeben, nachdem der Konzern eine Gewinnwarnung herausgegeben hatte. Wegen starken Wettbewerbs- und Preisdrucks kassierte er seine Ziele für das zweite Quartal, neue Prognosen traute sich Nokia nicht zu.

Aufgrund der angespannten Lage des Unternehmens brodelt an den Märkten die Gerüchteküche. Zunächst hieß es, dass der Kooperationspartner Microsoft die Finnen komplett übernehmen könnte. Ziel: Das eigene Geschäft mit den Mobiltelefonen fördern. Nokia-Chef Stephen Elop dementierte persönlich. Am Mittwoch Nachmittag machten Spekulationen die Runde, Konkurrent Samsung könne die Firma schlucken. Laut "Wall Street Journal" lehnte Samsung einen Kommentar zu den Spekulationen ab.

Für höhere Kurse sorgen die Gerüchte allerdings nicht. Vielmehr dominiert die Sorge über die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells der Finnen: „Die Herabstufung und der negative Ausblick spiegeln unsere ernsthaften Sorgen wider über den anhaltenden Verlust von Marktanteilen in Nokias Symbian-Handygeschäft“, sagte Fitch-Experte Stuard Reid. Symbian ist das Betriebssystem von Nokia. Dieses wird immer weniger nachgefragt, denn Handynutzer bevorzugen Apples iPhone oder Googles Betriebssystem Android. Mit diesen Unternehmen und asiatischen Wettbewerbern können die Finnen derzeit nicht mithalten.

„Der Niedergang hat sich aber noch beschleunigt, seitdem Nokia ein alternatives Betriebssystem gewählt hat“, warnte Reid. Es scheine so, dass die Kunden die alten Handys nicht mehr haben wollten und stattdessen zu Android- oder Apple-Smartphones griffen. Fitch geht davon aus, dass Nokia nicht vor kommendem Jahr neue Smartphones mit Windows herausbringt. Dieses Betriebssystem ist künftig für höherwertige Nokia-Mobiltelefone geplant.

Bei Analysten kommt das finnische Unternehmen derzeit nicht gut weg. Laut Bloomberg rät knapp die Hälfte der Analysten zum Verkauf, nur wenige empfehlen den Kauf der Papiere. Die Citigroup hatte das Kursziel für Nokia vor von 5,60 auf 4,10 Euro gesenkt und die Einstufung auf "sell" belassen.

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